---home Tell Schwandt, Verlagsvertretungen, 14089 Berlin, Lerchenstr. 14a,  Tel. 030 - 832 40 51         BesTellBuch@Tell-Online.de
Herbstreise 2018

Promedia Verlagsgesellschaft m. b. H.
Wickenburggasse 5/12
A-1080 Wien
Tel.: 00431- 405 27 02
Fax: 00431- 405 27 02-22
promedia@mediashop.at
--- Verlagsauslieferung: 

Siemensstr.16, 35463 Fernwald
Reiseauftrag
Tel 0641-94393-203
Fax 0641-94393-199
h.schenk-schwarzer@prolit.de

Verlagsvorschau:
Bestseller:

Hannes Hofbauer
Feindbild Russland
Geschichte einer Dämonisierung
 Besondere Empfehlung:

Terry Eagleton
Materialismus

Neuerscheinungen:

Nikos Chilas /Winfried Wolf
Die griechische Tragödie
Rebellion, Kapitulation, Ausverkauf
gänzlich neu überarbeitete Auflage
232 S., br., € 17,90
978-3-85371-448-5
Wir haben mitgefiebert – am 25. Januar 2015, als die Wahlergebnisse in Griechenland einen Erdrutschsieg für Syriza verkündeten. Wir haben mitgestritten – im Frühjahr 2015, als Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis medienwirksam die zerstörerische Politik der Troika anprangerten. Wir haben mitgelitten – am 5. Juli 2015, als es im griechischen Referendum das überwältigende OXI („Nein“) gab und als in den Tagen danach Schäuble, Juncker, Dijsselbloem & Co. dennoch ihre Erpressungspolitik durchsetzen konnten. Und heute? Nach der Kapitulation von Tsipras und Syriza? Nach dem Ja der Syriza Mehrheit im Verbund mit den alten Parteien für ein drittes Memorandum? Nach dem 20. September 2015 mit dem neuerlichen Wahlerfolg einer erheblich veränderten Syriza?
Die Autoren Nikos Chilas und Winfried Wolf stellen die aktuelle griechische Tragödie, die mit der Durchsetzung des EU- und IWF-diktierten Austeritätsprogramms noch lange nicht beendet ist, in einen historischen Kontext. Sie spüren den deutsch-griechischen Beziehungen bis ins Jahr 1941 nach, als die Wehrmacht das Land besetzte. Griechischen Forderungen nach Reparationszahlungen und Wiedergutmachung wichen Bonn und Berlin beharrlich aus; und als 2001 eine Athener Gerichtsvollzieherin mit einem höchstgerichtlich bestätigten Urteil vor dem griechischen Goethe-Institut auftauchte und die Einrichtung konfiszieren wollte, intervenierte Deutschland politisch dagegen.
Deutsche Knute und deutscher Druck ziehen sich als braun-schwarzer Faden durch die griechische Zeitgeschichte. Ohne ihre Kenntnis ist die heutige Situation in Griechenland nicht erklärbar. Chilas und Wolf erzählen darüber faktenreich und stellen die Bezüge zu heute dar.
In der Geschichte der Europäischen Union gibt es einige wuchtige Marksteine. Römische Verträge, Europäisches Währungssystem, Euro-Einführung, Osterweiterung. Doch die Erfahrung im Jahr 2015, als einem EU-Land die Souveränität abgesprochen wurde, stellt den vielleicht wichtigsten Einschnitt in der 60-jährigen Geschichte der europäischen Einigung dar. Und zwar in dreifacher Hinsicht: Erstens geschichtlich – hinsichtlich der Beziehungen Griechenlands zum restlichen Europa. Zweitens ökonomisch – hinsichtlich der Zuspitzung der Eurokrise und der auf die Spitze getriebenen Austeritätspolitik. Und drittens politisch – hinsichtlich der Bedeutung der griechischen Erfahrung für die europäische Linke.
Nikos Chilas, geboren 1944, war jahrelang Korrespondent des griechischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks ERT in Deutschland und Österreich. Seit 2009 berichtet er für die griechische Tageszeitung „To Vima“. Winfried Wolf, geboren 1949 in Horb am Neckar, studierte Politikwissenschaften in Freiburg und Berlin. Von 1994 bis 2002 war er Mitglied des deutschen Bundestags. Chefredakteur von „Lunapark21 – Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie“. Im Promedia Verlag sind von ihm bisher erschienen: „Verkehr. Umwelt. Klima. Die Globalisierung des Tempowahns“ (2. Auflage 2007) und „Sieben Krisen, ein Crash“ (2007). 

Robert Fitzthum
China verstehen
Vom Aufstieg zur Wirtschaftsmacht und der Eindämmungspolitik der USA
224 S., br., € 17,90
978-3-85371-442-3
Eindrucksvolle Steigerungsraten prägen die chinesische Wirtschaft seit fast 40 Jahren. Gezielte Maßnahmen reduzieren die vorhandene Armut und der Großteil der Bevölkerung steht dem Entwicklungsschub positiv gegenüber, wenn auch Streiks und Proteste darauf hinweisen, dass es viele offene Probleme gibt. Peking setzt durch die Lenkung der Wirtschaft Schwerpunkte im Technologiebereich und versucht dabei, quantitatives durch qualitatives Wachstum zu ersetzen. Allein die große Bevölkerungszahl macht China bedeutsam. Seine wirtschaftliche Entwicklung hat es zum Gegenpol der USA werden lassen. Gleichzeitig ist es aber weiterhin ein Entwicklungsland, das technologisch und vor allem militärisch weit hinter den USA zurückliegt. Laut dem Autor Robert Fitzthum strebt seine Führung nicht an, die USA als Welthegemon abzulösen, sondern unterstützt im Gegenteil den Aufbau einer multipolaren Weltordnung unter Einbeziehung Europas, Russlands und der Länder des globalen Südens. Die USA fürchten nach dem Zerfall der Sowjetunion dennoch um ihre hegemonial-imperiale Position. Ihre Eliten setzen alles daran, die Entwicklung Chinas und den Aufbau einer multipolaren Weltordnung zu verhindern. Sie zetteln Handelskriege an, stellen die WTO-Regelungen in Frage und blockieren Machtverschiebungen, die in internationalen Organisationen zugunsten des Südens längst fällig wären. Schlimmer noch: China wird auch militärisch zum Feind erklärt, die USA schmieden Militärbündnisse im asiatisch-pazifisch-indischen Raum, verschieben große Teile ihrer Flotte dorthin und fahren gigantische – auch nukleare – Aufrüstungsprogramme, die eine Destabilisierung Chinas zum Ziel haben. Parallel dazu laufen gut geölte antichinesische Desinformationskampagnen, in denen China als Bedrohung und seine nach außen gerichteten Schritte im wirtschaftlichen und politischen Bereich als „aggressiv“ dargestellt werden.Robert Fitzthum, geboren 1951 in Wien, studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien und arbeitete als IT-Manager in österreichischen Banken, dann als selbstständiger Unternehmensberater. Fitzthum lebt seit 2013 als Beobachter der weltpolitischen Entwicklungen in China.

Hannes Hofbauer
Kritik der Migration
Wer profitiert und wer verliert
256 S., br., € 19,90
978-3-85371-441-6
Ist Migration grundsätzlich zu bejahen? Oder ist sie nicht vielmehr ein wichtiger Bestandteil von Ausbeutungsstrukturen? Die Näherin in einer bengalischen Bekleidungsfabrik erfüllt jedenfalls vergleichbare Funktionen im weltweiten Konkurrenzkampf wie der aus Asien nach Europa gekommene Migrant. Beide sind gezwungen, ihre Arbeitskraft extrem billig auf den Markt zu werfen. Doch während sich die Öffentlichkeit darüber einig ist, Weltmarktfabriken in Billiglohnländern zu kritisieren, umgibt den Import billiger ArbeiterInnen in die Zentren der Weltwirtschaft ein Mythos von Mobilität, die als fortschrittlich gilt. Das sozial, regional und kulturell zerstörerische Potenzial der Migration in den Herkunfts- und Zielländern gerät damit aus dem Blickfeld. Hannes Hofbauer gibt einen historischen Überblick über die großen Wanderungsbewegungen und ruft die Ursachen dafür in Erinnerung, die von Umweltkatastrophen über Kriege bis zu Krisen reichen, von denen die allermeisten menschlichen Eingriffen geschuldet sind. So zeichnen allein von westlichen Allianzen geführte Kriege für Millionen entwurzelte Menschen verantwortlich, die ebenso ihrer Lebensgrundlagen beraubt sind wie jene, die von ihrem Land vertrieben werden. Diesen Verwerfungen ist es geschuldet, dass ganze Generationen junger Menschen im globalen Süden, aber auch im Osten Europas ihre persönliche Zukunft in der Emigration sehen. Mit der Massenmigration aus der Peripherie werden die Folgen der weltweiten Ungleichheit nun auch in den europäischen Zentralräumen – negativ – spürbar. Deregulierungen am Arbeits- und Wohnungsmarkt erreichen neue Dimensionen. Eine politische Antwort darauf scheint nur die Rechte zu haben, indem sie statt einer notwendigen Kritik an der Migration die Migranten zu Sündenböcken macht. Die Linke hingegen sträubt sich, den strukturell zerstörerischen Charakter von Wanderungsbewegungen zu erkennen. Eine Kritik am Wesen der Migration und ihren Triebkräften sowie eine klare Benennung ihrer Opfer und Profiteure ist überfällig. 

Martin Balluch
Im Untergrund
Ein Tierrechtsroman
nach wahren Begebenheiten
416 S., br., € 24,90
978-3-85371-445-4
„Im Untergrund“ erzählt die Geschichte eines Aktivisten, der seine Karriere dem kompromisslosen Kampf für Tierrechte opfert und schließlich vor juristischer Verfolgung untertauchen muss. In spannenden Szenen dokumentiert der Roman gleichzeitig die mörderischen Auseinandersetzungen um Tierrechte im England der 1980er- und 1990er-Jahre. Paul ist 25 Jahre alt, als er ins englische Cambridge kommt, um dort an einer der renommiertesten Universitäten der Welt zu forschen. Noch am Tag seiner Ankunft geht er zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion über „Animal Warfare Versus Animal Welfare“ und schließt sich danach einer Tierrechtsgruppe mit Namen „Animal Rights Cambridge“ an. Mit seinen neuen Mitstreitern besetzt er ein Physiologie-Institut, um Tierversuche an Schweinen zu verhindern. Von diesem Moment an gerät Paul in den Sog des Aktivismus für Tiere und beginnt, seine eigene Einstellung Tieren gegenüber zu hinterfragen. Heimlich des Nachts gedrehte Aufnahmen in Tierfabriken machen ihm klar: Fleisch kann er nicht mehr essen. Er wird vegetarisch und kurz darauf vegan. Von der Wissenschaft entfernt sich Paul zunehmend. Stattdessen findet er als begeisterter Bergsteiger bald seine Nische in der Tierrechtsbewegung: die Jagdstörungsaktionen der „Hunt Saboteurs Association“. Dabei wird er Augenzeuge, wie ein Jäger einen Tierrechtsaktivisten ermordet. Die Hoffnung auf Gerechtigkeit zerbricht am Prozess gegen den Täter. Der Mord sei ein Unfall gewesen, lautet das Urteil. Paul muss sich entscheiden: Entweder er steigt nun aus der Tierrechtsszene aus und bleibt seiner akademischen Karriere treu, oder er taucht in die Bewegung ein und radikalisiert sich. Er entscheidet sich für Letzteres. In den nächsten Jahren kommt es zu zahlreichen Tierbefreiungsaktionen, Blockaden und Besetzungen. Bei der „Battle of Stagden Cross“ wird Paul erstmals festgenommen und über Nacht in eine Polizeizelle gesperrt. Nach einer fehlgeschlagenen Befreiung von Katzen aus Versuchslabors landet er für zwei Wochen in Untersuchungshaft. Auf Kaution entlassen, geht er in den Untergrund. Doch die juristische Schlinge zieht sich immer enger, mittlerweile wird wegen acht Delikten nach ihm gefahndet, einige Hausdurchsuchungen kommen seinem Aufenthaltsort gefährlich nahe …
Martin Balluch, Jahrgang 1964, studierte Astronomie, Mathematik und Physik in Wien und ging 1989 an die Universität Cambridge. In England schloss er sich der Tierrechtsbewegung an und durchlebte acht wilde Jahre. 1997 zurück nach Österreich, beendete er seine akademische Laufbahn und begann den Verein gegen Tierfabriken aufzubauen, den er 21 Jahre später noch immer leitet. Von Martin Balluch sind bei Promedia erschienen: „Widerstand in der Demokratie“ (2009, 3. Auflage 2015), „Tierschützer. Staatsfeind“ (2011, 2. Auflage 2014) und „Der Hund und sein Philosoph“ (2014, 2. Auflage 2015). 

Josef Alkatout
Ohne Prozess
Die Entrechtung unserer Feinde im Kampf gegen den Terror
224 S., br., € 17,90
978-3-85371-443-0
Wie freiheitlich ist eine sich auf die Werte der Aufklärung berufende Gesellschaft noch, wenn sie ihren Gegnern ein faires Verfahren vorenthält? Und wer sind die Terroristen, deren bloßes Erscheinen die Grundfesten unseres Rechtsstaats zu Fall zu bringen droht? Seit dem 11. September 2001 hält uns die offenbar allgegenwärtige Bedrohung durch den internationalen Terrorismus in Atem – und mit ihr der Anti-Terrorkampf, der immer häufiger grundlegende Menschenrechte aushebelt. Gegen die Aufständischen sowie deren Netzwerke setzen die USA, Europa und ihre Verbündeten auf eine weltumspannende Offensive, die mit der zeitlichen und räumlichen Begrenzung herkömmlicher bewaffneter Konflikte nichts gemein hat. Nicht mehr die Kriegszeiten, sondern die Friedenszeiten – sofern es sie noch gibt – sind die Ausnahme.Dieses präzedenzlose Vorgehen im Namen westlicher Sicherheit umfasst drakonische Folterverhöre durch Geheimdienste, rechtlos gestellte Häftlinge in Guantánamo Bay sowie staatlich angeordnete Tötungen durch ferngesteuerte Drohnen. Es hebelt Konventionen zur Kriegsführung aus, die über Jahrhunderte mühsam zwischen Regierungen ausgehandelt wurden, und bringt weit voneinander entfernt lebende Völker gegeneinander auf. Josef Alkatout besucht das abgeschottete Turkmenistan, den verwahrlosten Gazastreifen und die iranischen Mullahs. Er berichtet von einer US-Drohnenbasis im Niger und aus dem Zentrum des Anti-Terrorkampfs in Afghanistan. Er porträtiert Schicksale von zermürbten Gefangenen, die in Guantánamo seit beinahe zwei Jahrzehnten auf ihren Prozess warten und gibt Einblick in einen Justizskandal, der seinesgleichen sucht. Den Leser nimmt Alkatout mit auf eine Reise zu den Grundlagen des Konflikts zwischen den islamischen Rebellen und der westlichen Welt, zu einem entmenschlichten Selbstverständnis von der Moral des Tötens, aber auch zu engagierten Richtern und unerschütterlichen Demokratieverfechtern, die sich der Aushöhlung des Rechtsstaats mutig entgegenstellen.

Petra Wild
Lieblingsfeind Islam
Historische, politische und sozialpsychologische Aspekte des antimuslimischen Rassismus
224 S., br., € 17,90
978-3-85371-444-7
Seit Samuel Huntington 1993 den „Kampf der Kulturen“ ausrief, hat sich der antimuslimische Rassismus in Europa rasant ausgebreitet. Hier betrachtet man Muslime als Antithese zu den westlichen Werten, als schwer oder nicht integrierbar. Den Sicherheitsapparaten gelten sie als Risikogruppe. Die Gewalt gegen Musliminnen und Muslime hat weltweit eine Dimension erreicht, die es rechtfertigt, von der größten rassistischen Massenmobilisierung seit dem Faschismus zu sprechen. Diese war nur möglich, weil der Islam neben dem Judentum eines der ältesten und wirkungsmächtigsten Feindbilder Europas ist. Seit jeher haben die Europäer ihre Identität in Abgrenzung gegen den Islam bestimmt. Europäer sein hieß schon im Mittelalter vor allem, kein Muslim zu sein. In der Rhetorik vom „christlich-jüdischen Abendland“ scheint diese alte Frontstellung wieder auf. Die politischen und sozialpsychologischen Funktionen dieser spezifischen Form des kulturellen Rassismus sind vielfältig. Sie reichen von der ideologischen Absicherung der NATO-Kriegspolitik gegen die muslimische Welt über die Legitimierung der fortschreitenden autoritären Formierung der westlichen Staatsapparate bis hin zur Kanalisierung sozialer Unzufriedenheit durch die Feindbildkonstruktion. Rechtsradikalen dienen sie überdies zur Verstärkung ihres Einflusses und sich links gebenden Antideutschen zur Beförderung ihrer proisraelischen Agenda. Für viele verunsicherte Bürger im krisengeplagten Europa bildet der antimuslimische Rassismus ein Ventil, um ihrer diffusen Wut Luft zu machen. Die Islamwissenschaftlerin Petra Wild untersucht, angelehnt an die Arbeiten von Edward Said und Theodor W. Adorno, die historischen, politischen und sozialpsychologischen Aspekte des antimuslimischen Rassismus. .


Die ungarische Räterepublik 1919
Innenansichten - Außenperspektiven - Folgewirkungen
Herausgegeben von Christian Koller und Matthias Marschik
240 S., br., € 19,90
978-3-85371-446-1
Die Niederlage der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg und die Ausrufung der Sozialistischen Sowjetrepublik in Russland im Herbst 1917 bildeten die Rahmenbedingungen für eine revolutionäre Aufbruchsstimmung. Vielerorts entstanden Rätebewegungen, denen es gelang, die Herrschaft zu übernehmen und – meist nur kurzlebige – Regierungen zu installieren. Politische und ökonomische Zwänge, aber auch konservativ-reaktionäre Gegenrevolutionen mit starker (para-)militärischer Unterstützung konnten die Rätestrukturen bereits in der Aufbauphase gewaltsam beseitigen und ihre Konsolidierung verhindern. Die ungarische Räterepublik bestand zwischen dem 21. März und dem 1. August 1919. Verantwortlich für ihre Ausgestaltung war vor allem der aus Moskau zurückkehrende Béla Kun. Obwohl offiziell nur „Volksbeauftragter für Außenbeziehungen“, entwickelte er die entscheidenden Planungen für die Verstaatlichung von Banken, Betrieben und Gebäuden sowie für eine umfassende Bodenreform. Die Erwartungen waren überzogen; die Umsetzung gelang nicht. Daran scheiterte die ungarische „Diktatur des Proletariats“ ebenso wie am weißen Gegenterror, am Widerstand der Siegermächte des Weltkriegs und letztlich an der Unfähigkeit, das selbst definierte Staatsgebiet militärisch zu schützen. Bis heute ist die Geschichte der ungarischen Räterepublik im deutschsprachigen Raum kaum aufgearbeitet. Es überwiegt ein negativ konnotierter Diskurs, der auf Chaos und Willkür fokussiert und die Nachfolge von „Reichsverweser“ Admiral Miklós Horthy als logische Konsequenz sieht. Dass die ungarische Räterepublik die erste friedliche Machtübernahme einer kommunistischen Regierung in Europa darstellte, wird ebenso ausgeblendet wie die Frage nach den Zielen und Idealen oder jene nach den Beziehungen zu anderen Staaten. Der vorliegende Band stellt eine übersichtliche Einführung in die Thematik dar. ExpertInnen aus Ungarn, Ös terreich, der Schweiz, Deutschland und den USA arbeiten das Wissen über die ungarische Räterepublik auf. Dabei werden auch Detailaspekte von der Veränderung des Budapester Stadtbildes während der Räteherrschaft bis zur Beurteilung des Regimes durch Benito Mussolini näher beleuchtet. Christian Koller, geboren 1971, studierte Geschichte, Wirtschafts- und Politikwissenschaften. Er ist seit 2014 Direktor des Schweizerischen Sozialarchivs. Matthias Marschik, geboren 1957, studierte Psychologie und Philosophie in Wien. Zahlreiche Buchpublikationen zu Alltagskulturen.

Backlist 
AUS AKTUELLEM ANLASS:


Deniz, Ali Cem
Yeni Türkiye - Die neue Türkei
Von Atatürk bis Erdogan
216 S., br., € 17,90
978-3-85371-412-6
Ali Cem Deniz verfolgt die Geschichte der türkischen Modernisierung jenseits verkürzter Dichotomien wie „laizistisch“ und „islamistisch“, „modern“ und „traditionell“ und „links“ und „rechts“ und eröffnet neue Perspektiven auf die heutige Türkei. Er spannt dabei den Bogen von der „neuen Türkei“ des Mustafa Kemal Atatürk in den 1920er-Jahren bis zur aktuellen Neuerfindung der Türkei unter Recep Tayyip Erdogan.

Noam Chomsky
Die Herren der Welt
Essays und Reden aus fünf Jahrzehnten
8. Auflage
240 S., br., € 17,90
978-3-85371-367-9
„Die Herren der Welt“ umfasst die wichtigsten Essays und Reden Chomskys aus einer fast 50-jährigen Schaffensperiode, die sich mit der Natur der Staatsmacht und deren ideologischen Grundlagen vom „Kalten Krieg“ bis zum „Krieg gegen den Terror“ befassen. In seinen Fokus gerät dabei auch die internationale Gerichtsbarkeit als Instrument zur Durchsetzung einer ungerechten Weltordnung.

Noam Chomsky
"Weil wir es so sagen"
2. Auflage
Texte gegen die amerikanische Weltherrschaft im 21. Jahrhundert
208 S., br., € 17,90
978-3-85371-393-8
Im Zentrum von Chomskys Kritik steht die Heuchelei, die die außenpolitischen Interventionen der USA begleitet und die von den etablierten Medien mitgetragen wird. Beim „Krieg gegen die Drogen“ in Südamerika ebenso wie bei den Drohnenangriffen in der arabischen Welt und dem auf vielen Ebenen betriebenen Dauerkonflikt im Nahen Osten geht es niemals um humanitäre Zwecke, sondern um die Aufrechterhaltung einer bröckelnden Weltordnung. „Solche Aktionen“, schreibt Chomsky, „gehen nur von Schurkenstaaten aus. Genauer, von dem Schurkenstaat, der mächtig genug ist, um jeder Strafe zu entgehen."

Hannes Hofbauer
Feindbild Russland
Geschichte einer Dämonisierung
4. Auflage
304 S., br., € 19,90
978-3-85371-401-0
Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg herrscht im Westen wieder eine russophobe Grundstimmung. Washington und Brüssel erlassen Einreiseverbote gegen Diplomaten, verhängen Sanktionen, sperren Konten, schließen Russland aus internationalen Gremien aus, boykottieren sportliche Großereignisse und mobben „Russlandversteher“ in den eigenen Reihen. Ein Stellvertreterkrieg in der Ukraine verfestigt das gegenseitige Misstrauen. Hannes Hofbauer verfolgt das Phänomen der Russophobie zurück bis ins 15. Jahrhundert, als der Zar im Zuge der kriegerischen Reichsbildung gegen Nordwesten zog. Es ging um Herrschaft, Konkurrenz und Meereszugang. Der Kampf um reale wirtschaftliche und (geo)politische Macht wurde auch damals schon ideologisch begleitet: Der Russe galt seinen Gegnern als asiatisch, ungläubig, schmutzig und kriecherisch, Stereotypen, die sich über Jahrhunderte erhalten haben. Das Feindbild-Paradigma zieht sich wie ein roter Faden durch die Rezeption Russlands im Westen. Aktuell reagiert diese empört auf die Politik des Kreml, der mit der Machtübernahme Wladimir Putins innenpolitisch auf Konsolidierung und außenpolitisch auf Selbständigkeit setzt. Die Wegmarken der neuen Feindschaft sind zahlreich. Sie reichen vom Krieg der NATO gegen Jugoslawien (1999) über die Verhaftung des Oligarchen Michail Chodorkowski (2003) und die Osterweiterung der NATO, den mit US- und EU-Geldern unterstützten „Farbrevolutionen“ bis zum Krieg um die georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien (2008) und hinterlassen die bislang tiefste Kluft im Kampf um die Ukraine (2015)

Fassadendemokratie und Tiefer Staat
Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter
Herausgegeben von Mies / Wernike
272 S., br., € 19,90
978-3-85371-425-6
Immer sichtbarer wird für Beobachter des Zeitgeschehens die schleichende Transformation parlamentarischer Demokratien in Richtung autoritärer Systeme. Organisationen, die sich ausschließlich Kapitalinteressen verpflichtet fühlen, schaffen suprastaatliche Strukturen, die sich der demokratischen Kontrolle entziehen. Vom Volk gewählte politische Repräsentanten sehen sich zu Handlangern der ökonomisch Mächtigen degradiert, viele von ihnen vollziehen den Schulterschluss mit ihnen.
„Das Ende der Demokratie … wie wir sie kennen“ übertitelte der 2015 verstorbene Soziologe Bernd Hamm seinen Beitrag und gab damit den Anstoß für dieses Buch. Die hier versammelten Autoren analysieren seinen Befund aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Gemeinsam teilen sie die Überzeugung, dass sich die liberalen Demokratien, wie sie sich seit dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet haben, im Niedergang befinden. Ihr aktueller Status ist mit dem Begriff der „Fassadendemokratie“ passend beschrieben.

Fabian Scheidler
Chaos
Das neue Zeitalter der Revolutionen
240 Seiten, bebildert, 17,90 Euro
978-3-85371-426-3
Nach dem Erfolg seines Werkes „Das Ende der Megamaschine“, das sich mit der Entstehungsgeschichte globaler Krisen beschäftigt, widmet sich der Berliner Autor und Journalist Fabian Scheidler in „Chaos. Das neue Zeitalter der Revolutionen“ der Gegenwart und Zukunft. Werden sich autoritäre Kräfte durchsetzen oder können soziale und ökologische Bewegungen die systemischen Risse nutzen, um eine gerechtere und friedlichere Welt aufzubauen? Und welche Rolle spielt Chinas Aufstieg in der neuen Weltunordnung? „Chaos“ lotet Gefahren und Chancen dieser Übergangszeit aus und bietet einen Kompass für politisches Engagement in Zeiten wachsender Unübersichtlichkeit.


Fabian Scheidler
Das Ende der Megamaschine
Geschichte einer scheiternden Zivilisation
9. Auflage
272 S., br., € 19,90
978-3-85371-384-6
Wer verstehen will, warum wir menschheitsgeschichtlich in eine Sackgasse geraten sind und wie wir aus ihr wieder herauskommen können, der kommt an Fabian Scheidlers „Das Ende der Megamaschine“ nicht vorbei. Es ist ein Buch, das in seiner Klarheit betroffen und wütend macht - und genau deshalb zum Handeln einlädt, denn es eröffnet Möglichkeiten, gemeinsam einen Ausgang aus der gefühlten Ohnmacht zu finden.

Terry Eagleton
Materialismus
Die Welt erfassen und verändern
176 S., br., € 17,90
978-3-85371-433-1
In seinem neuesten Werk setzt sich der bekannte britische Autor und Literaturwissenschaftler Terry Eagleton mit dem Verhältnis von Philosophie und Alltagserfahrung auseinander. Er bietet eine humanistische, für das praktische Zusammenleben der Menschen taugliche Variante des Denkens. Angesichts einer Gesellschaft, deren Mitglieder sich weitgehend als „materialistisch“ defi nieren und eines von emanzipatorischen Inhalten befreiten „New Materialism“ an den Universitäten hält Eagleton an einer „Politik der Materie“ fest, die für die Veränderung der Umstände eintritt. In einem Streifzug durch die Ideengeschichte des Materialismus, von Demokrit über Aristoteles bis hin zu Sigmund Freud, verteidigt der Autor die materialistische Gesinnung auch gegen aktuelle Trends der „Cultural Studies“ und postmoderner Strömungen.
Aus dem Programm::................................................................


Du-Yul Song /Rainer Werning,
Korea
Von der Kolonie zum geteilten Land
208 S., br., € 15,90
978-3-85371-340-2
Du-Yul Song und Rainer Werning sind ein kongeniales Autorenduo, um einen der wichtigsten Krisenherde dieser Welt zu beschreiben. Korea ist ein historiographisch angelegtes Buch über ein geteiltes Land, seine Kolonialgeschichte und die Möglichkeiten, den seit 60 Jahren anhaltenden Kriegszustand zu beenden.


Andrea Komlosy
Grenzen
Räumliche und soziale Trennlinien im Zeitenlauf
240 S., br., € 19,90
978-3-85371-434-8
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs triumphierte die Ideologie der Grenzenlosigkeit. Systembarrieren waren gefallen. Innerhalb des EU-Schengenraumes wurden die Binnengrenzen aufgehoben. Es schien, als würde es demnächst keine Grenzen auf der Welt mehr geben. Doch bald kippte die Euphorie um die proklamierte Grenzenlosigkeit. Sie machte dem Ruf nach Wiedererrichtung von Grenzen Platz: gegenüber MigrantInnen, gegenüber chinesischen Firmenübernahmen, gegenüber einer Islamisierung der europäischen Gesellschaft und vielen anderen „fremden“ Einflüssen. Ob fremdenfeindlich oder fremdenfreundlich, beide Lager weisen eine Gemeinsamkeit auf: Sie instrumentalisieren die Grenze in Hinblick darauf, wie sie - durch Befestigung oder durch Abbau - dem Wohlergehen der eigenen Gruppe in der Gesellschaft bzw. der jeweiligen Vision davon nutzt.


Martin Ehrenhauser
Die Geldroboter
Wie Hochfrequenzmaschinen unser Erspartes einkassieren und Finanzmärkte destabilisieren
224 S., br., € 17,90
978-3-85371-435-5
Millionen Bürger betreiben private Pensionsvorsorge, legen ihr Erspartes in Fonds und Aktien an und versichern ihr Haus oder Auto. Was die meisten von ihnen nicht wissen: Über Gewinn oder Verlust ihrer Geldanlage entscheiden mittlerweile sogenannte Hochfrequenzhändler, die die Kurse mithilfe ausgeklügelter Computersysteme teilweise manipulieren. Das Geld der kleinen Anleger fließt in das Finanzkasino 4.0, wo es die Geldroboter ultra schnell und automatisiert einkassieren. Gleichzeitig destabilisieren sie die Finanzmärkte, auch an den Handelsplätzen in Frankfurt und Wien. Martin Ehrenhauser hat die Debatten darüber als EU-Abgeordneter in Brüssel miterlebt und die Aktivitäten der Hochfrequenzhändler in den letzten Jahren gründlich untersucht. Sein Buch off enbart, dass die Finanzmärkte von ihnen systematisch unterwandert und beherrscht werden.

Eyal Sivan /Armelle Laborie
Legitimer Protest
Plädoyer für einen kulturellen und akademischen Boykott Israels
180 S., br., € 17,90
978-3-85371-436-2
Eyal Sivan und Armelle Laborie berichten über den erfolgreichen Boykott israelischer Forschungs- und Kultureinrichtungen durch immer mehr internationale WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen. Sie setzen sich aber auch mit dem Gegenangriff der israelischen Seite auseinander, die mit ganzer Kraft den Versuch einer Delegitimierung und Kriminalisierung der Boykottbewegung betreibt. Dem inflationären Vorwurf des „Antisemitismus“ halten die AutorInnen entgegen, dass sich der Protest gegen Israel als universaler Protest gegen Apartheid und Rassismus versteht.

Susanne Kaiser
Die neuen Muslime
Warum junge Menschen zum Islam konvertieren
208 S., br., € 17,90
978-3-85371-437-9
Wer sind die jungen, zum Islam konvertierten Frauen und Männer? Was bewegt sie zu einem für Außenstehende unverständlichen und unpraktischen Lebensentwurf?

Andrej Zgonjanin
Der Umgang mit Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien 1991–1999
240 S., br., 25,90 €
978-3-85371-440-9
Andrej Zgonjanin beschäftigt sich in seinem Buch mit der Verantwortung für Kriegsverbrechen im jugoslawischen Bürgerkrieg und ihrer strafrechtlichen Verfolgung. Die wichtigste Quellenbasis des Buches bilden die Gerichtsprozesse, Urteile und Archivdokumente des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag 

Julia Harnoncourt
Unfreie Arbeit
Trabalho escravo in der brasilianischen Landwirtschaft
320 S., br., € 29,90
978-3-85371-439-3
Julia Harnoncourt untersucht in ihrem Buch unfreie Arbeit in der brasilianischen Landwirtschaft. Sie beschreibt neben den konkreten Ausprägungen der sklavenähnlichen Abhängigkeiten auch die lokalen und globalen Faktoren, die zu dieser Art der Ausbeutung führen.

Manzenreiter, Wolfram / Pilz, Erich / Frank, Rüdiger
Ostasien im 20. Jahrhundert
Geschichte und Gesellschaft
280 S., br., € 24,90
978-3-85371-263-4
Ostasien steht seit einigen Jahren im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit. Nicht nur die ökonomische Stärke vor allem der chinesischen Volkswirtschaft setzt neue Maßstäbe im Konkurrenzkampf der Global Players, auch eine zunehmende Attraktivität ostasiatischer Kulturen in Europa und Nordamerika wird spürbar. Der vorliegende Band bietet historisches und gesellschaftliches Verständnis für die Entwicklung dieser Weltregion im 20. Jahrhundert.
Ko

Andrea Komlosy
Arbeit
Eine globalhistorische Perspektive. 13. bis 21. Jahrhundert
208 S., br., € 17,90
978-3-85371-369-3
In sechs Zeitschnitten zwischen dem 13. und dem 21. Jahrhundert zeigt Komlosy die Vielfalt der Arbeitsverhältnisse auf, die jede Periode kennzeichnet. Sie untersucht, wie Arbeit geteilt und in welcher Art sie miteinander kombiniert wurde. Die Verbindung unterschiedlicher Arbeitsverhältnisse ist die Grundlage der Kapitalakkumulation, die aus der Aneignung von Werten aus fremder Arbeit resultiert. Über ungleichen Tausch und die Zerlegung der Arbeitsprozesse in Güterketten liegt der Werttransfer auch der globalen Ungleichheit zugrunde.

Palästina - Hundert Jahre leere Versprechen
Geschichte eines Weltkonflikts
240 S., br., € 19,90
978-3-85371-427-0
Am 2. November 1917 erklärte der britische Außenminister Arthur James Balfour, in Palästina eine Heimstätte für das jüdische Volk errichten zu wollen. Er nahm damit einen genau 20 Jahre zuvor auf dem zionistischen Weltkongress in Basel entwickelten Vorschlag auf. Die Balfour-Erklärung ist eine bedeutsame weltpolitische Zäsur, die den Nahen Osten seither nicht zur Ruhe kommen lässt und darüber hinaus ein Paradebeispiel des britischen Imperialismus darstellt. Denn zum Zeitpunkt der Erklärung war Palästina eine osmanische Provinz, die erst erobert werden musste. London versprach sich von der Allianz mit dem Zionismus geostrategische Vorteile in der Region. Den 100. Jahrestag dieser Verbindung aus britischem Weltmachtstreben und Zionismus nimmt der Herausgeber Fritz Edlinger zum Anlass, einerseits die gegebenen Versprechen und die vergebenen Chancen der seither verstrichenen Jahrzehnte zu analysieren und andererseits aktuelle Lösungsmodelle für den israelisch-palästinensischen Dauerkonflikt zu präsentieren. Erinnerungspunkte, die im Buch behandelt werden, sind der UN-Teilungsplan von 1947, der damals noch eine gemeinsame Wirtschaftsunion zwischen Palästina und Israel vorsah, der 50. Jahrestag der Besatzung 1967, als Israel im Sechs-Tage-Krieg die Westbank, Ostjerusalem, Gaza, Golan und die später an Ägypten zurückgegebene Sinai-Halbinsel eroberte, sowie der „Krieg der Steine“, wie die erste Intifada von 1987 genannt wird. Neben Grafiken wird der Band auch Gedichte des 2008 verstorbenen Mahmud Darwisch umfassen, der als die „poetische Stimme Palästinas“ gilt.

Larissa Reissner
Oktober
Aufzeichnungen aus Rußland und Afghanistan in den 1920er Jahren
296 S., br., € 24,00
978-3-85371-429-4
Die ausgewählten Erzählungen in diesem Buch zeigen das kurze und aufregende Leben Larissa Reissners im Schatten der Oktoberrevolution und ist in drei Teile gegliedert: Im ersten Abschnitt „Die Front“ berichtet sie über den russischen Bürgerkrieg und von umkämpften Orten wie Kasan, Swijaschsk und Astrachan. Im zweiten Teil gibt sie Eindrücke von ihren Reisen nach Afghanistan wieder, wo ihr Ehemann Raskolnikow von 1921 bis 1923 als Botschafter der Sowjetunion tätig war. Schließlich besucht sie die Stätten der jungen sowjetischen Industrie und beschreibt im Kapitel „Kohle, Eisen und lebendige Menschen“ Bergbau und Metallgewinnung unter widrigen Bedingungen.

Hilde Schmölzer
Frauenliebe
Berühmte weibliche Liebespaare der Geschichte
240 S., br., € 17,90
978-3-85371-295-5
Hilde Schmölzers Doppelbiographien erzählen über Glück und Unglück, Liebe, Begehren und Streit, über Konflikte, gegenseitigen Beistand, ein gemeinsames Leben und die jeweiligen historischen Zusammenhänge. Die Autorin hat ein kulturgeschichtliches Buch über oft verdrängte Frauenbeziehungen geschrieben.

Gerth M. Neugebauer
Erde in Not
Die heimliche Bodenkatastrophe
240 S., br., € 19,90
978-3-85371-428-7
Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit kam es zur weltweit größten Ökokatastrophe, die Experten weitaus dramatischer als die Klimakatastrophe einschätzen. Denn jährlich verschwinden weltweit sieben Millionen Hektar fruchtbare Erde durch menschliche Ausbeutung und Vernichtung - ein Gebiet so groß wie die Gesamtfläche von Irland. Und das obwohl der immense Einfluss des Ökosystems Boden auf unsere Gewässer, unsere Luft und auf das Klima auf der Hand liegen. Dabei stellt der lebendige Boden eines der weltweit größten und faszinierenden Ökosysteme dar, das eine Schlüsselrolle bei der Lösung globaler Umweltprobleme spielt und für uns Menschen lebenserhaltend ist. Auch der weltweite Natur- und Umweltschutz übersah jahrzehntelang das Medium „fruchtbarer Erde“ als spezielle Thematik nahezu vollständig. In der Fachwelt wiederum begnügt man sich derweil damit, die Dramatik des Themas zu übertünchen und spricht angesichts von bodenvernichteten Massenzersiedlungen lieber von „Flächeninanspruchnahme“. In der Landwirtschaftsindustrie heißt es bei verheerenden Bodendegradationen schlicht „mangelnde Dienstleistungsfähigkeit“ und bei lebensbedrohlichen Bodenvergiftungen sind es einfach nur „Altlasten“.
Gerth M. Neugebauer berichtet von einem völlig neuen menschengemachten Zeitalter, dem „Anthropozän“. Einem Menschenzeitalter, das vor etwa 8.000 Jahren begann und in der Folgezeit durch die weltweite problembeladene Denaturierung und Domestizierung von Natur gekennzeichnet ist. Siedlungswesen, der Bodenkrieg von Reich gegen Arm, Urbanisierung und Agrarindustrie sind nur einige der Merkmale, die der Autor in seinem umfangreichen und detaillierten Kompendium zur Bodenvernichtung heranzieht und analysiert.

Ostsee 700-2000
Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur
280 S., br., € 24,90
978-3-85371-276-4
Im Band „Ostsee 700 - 2000“ wird ein sich weit erstreckendes Gebiet behandelt, das über die Nordsee und den Atlantik sowie die Ströme der osteuropäischen Ebene früh in den Welthandel eingebunden war. Seine ethnische, staatliche, religiöse und kulturelle Vielfalt lässt den Raum in verschiedene „Welten“ zerfallen. Die tiefgrünen Wälder des Nordens gehören ebenso dazu wie die gelben Roggenfelder Polens, die blaue Flachsblüte Litauens und Millionenstädte wie Sankt Petersburg, Riga oder Stockholm. Das „Mare balticum“ fungiert dabei einem Binnenmeer gleich als Bindeglied.

Simon Loidl
"Europa ist zu enge geworden"
Kolonialpropaganda in Österreich-Ungarn 1885 bis 1918
220 S., br., € 20,00
978-3-85371-432-4
Im Mittelpunkt des Buchs steht die damalige Debatte um konkrete Möglichkeiten kolonialer Aktivitäten, wie sie im Umfeld der „Österreichisch-Ungarischen Kolonialgesellschaft“ geführt wurde. Der Autor beschreibt diese Kolonialgesellschaft, setzt sich mit den im Umfeld der Organisation entstandenen Publikationen auseinander und beleuchtet deren sozialen und politischen Hintergrund. Neben kolonialistischen Druckschriften wertet Loidl auch zahlreiche ungedruckte schriftliche Quellen wie Korrespondenzen und Eingaben an Behörden und Ministerien aus und beschreibt die Bemühungen der Kolonialaktivisten um die konkrete Umsetzung ihrer Expansionsfantasien. So entsteht ein plastisches Bild vielfältiger Tätigkeiten der kleinen, aber erstaunlich aktiven kolonialistischen Szene im Wien der Jahrhundertwende.

Christoph Augustynowicz
Kleine Kulturgeschichte Polens
Vom Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert
224 S., br., € 19,90
978-3-85371-419-5
Gängige Vorstellungen zur Geschichte Polens sehen das Land vor allem als politisches Opfer seiner Nachbarn. Eine Ursache dafür mag sein, dass bisherige Überblicke zur Geschichte Polens sich zum Großteil auf Politik und Gesellschaft konzentrieren. Im Gegensatz dazu ist diese Darstellung eine erste deutschsprachige, knappe und integrierte Geschichte der (Hoch-)Kultur(en) Polens, die von den Anfängen bis in die Gegenwart vor den Hintergrund europäischer Entwicklungen gestellt wird. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf dem 19. und dem 20./21. Jahrhundert. Gegengezeichnet werden dabei sowohl landläufige Verortungen Polens am Rand Europas und im Schatten Russlands als auch vor allem in der polnischen Historiographie verbreitete Vorstellungen von einem ausschließlich nach Westen angebundenen und hin zum Osten weitestgehend isolierten Land. Stattdessen bietet das Buch einen breiten Blick auf die unterschiedlichen Medien repräsentativer Kultur an, angefangen bei den verschiedenen Literaturgattungen und der bildenden Kunst über die Architektur und das Museumswesen hin zum Film und zur Musik.

Chris Dematté
Utopien des Oktober
Denkmäler der Sowjetunion
88 S., br., € 24,90
978-3-85371-420-1
Der Wiener Fotograf Chris Dematté bereiste das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion auf der Suche nach Überresten dieser revolutionären Utopie. In den Denkmälern des sozialistischen Staates, die er in schwarz-weißen Bildern festhielt, fand er Zeugnisse für den Glauben an eine Zukunft freier Menschen. In seinen Fotografien zeigen sich aber auch die Schattenseiten der späteren Sowjetunion, die der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung, der Industrie und Raumfahrt Vorrang gab vor den Wünschen nach Befreiung und Gleichheit. „Was übrig bleibt, sind Symbole, die für diese Träume standen”, schreibt Dematté in seinem Vorwort.

Matthias Martin Becker
Automatisierung und Ausbeutung
Was wird aus der Arbeit im digitalen Kapitalismus?
240 S., br., € 19,90
978-3-85371-418-8
Was wird aus der Arbeit im 21. Jahrhundert? Matthias Becker analysiert die neuen Rationalisierungsstrategien und erklärt, was sich hinter Schlagworten wie Crowdwork, Maschinenlernen, Prosument, Industrie 4.0 und Precision Farming verbirgt.

Patrick Cockburn
Chaos und Glaubenskrieg
Reportagen vom Kampf um den Nahen Osten
264 S., br., € 19,90
978-3-85371-424-9
In diesem Buch sind erstmals gesammelte Reportagen von Patrick Cockburn aus den derzeit wichtigsten Brennpunkten der Weltpolitik versammelt. Er berichtet von den dramatischen Folgen des 1990 verhängten Embargos gegen den Irak, indem er seine Opfer porträtiert. Er erzählt vom Aufstand gegen die amerikanischen Truppen, indem er dessen Protagonisten interviewt. Und er begleitet die Bewohner Syriens auf dem Weg in die Katastrophe, genauso wie jene Menschen, die unter der Herrschaft des IS leben müssen. Von 1990 bis 2016 spannt sich dabei der Bogen seiner Berichte von der Front und vom Leben in zerfallenden Staaten. Seine Reportagen sind auch eine Anklage an die westlichen Kriegstreiber und die lokalen Warlords, die eine ganze Weltregion ins Chaos gestürzt haben.

Maya Deren
Der Tanz des Himmels mit der Erde
Die Götter des haitianischen Voodoo
360 S., br., € 24,90
978-3-85371-421-8
1947 reiste die junge amerikanische Regisseurin Maya Deren nach Haiti, um dort einen Film über die örtlichen Tänze aufzunehmen. Doch je tiefer sie in die Materie des haitianischen Voodoo, der mit den Tänzen und Zeremonien verbundenen Religion, eindrang, desto mehr wandelte sich ihre Arbeit zu einer Beschäftigung mit den sozialen, politischen und philosophischen Wurzeln und Bedeutungen der Rituale.



Uwe Mauch / Franz Zauner
Im Gemeindebau
23 Geschichten aus Wien
224 S., br., € 19,90
978-3-85371-430-0
Im Buch kommen Menschen zu Wort, die den kommunalen Wohnbau nicht nur vom Hörensagen kennen, sondern echte Insider sind: Die Jungarchitektin im Rabenhof und der Junghistoriker im Karl-Marx-Hof, die Vorturnerin mit Migrationshintergrund aus dem Wrba-Hof in Favoriten und der Kabarettist vom Rennbahnweg in Kagran; der russischstämmige Karaoke-Sänger und die tschetschenische Fernsehjournalistin, der Sänger aus dem 1. Wiener Gemeindebau-Chor und der international gepriesene Jazzmusiker Franz Koglmann. Die Auswahl der Porträtierten, deren Postanschrift die Wien-weit bekannte Zahlenkombination Hausnummer/Stiege/Tür aufweist, soll einen Eindruck vermitteln, welch kreatives Potenzial dem Gemeindebau innewohnt. Optisch aufgewertet wird das Buch durch eine 32-seitige Fotostrecke des Wiener Fotografen Mario Lang, dem der Gemeindebau ebenfalls vertraut ist. Ein ausführlicher Anhang mit kompakter Faktentafel sowie interessanten Interviews mit ExpertInnen aus Wissenschaft und Kunst beschließt den Band.

Dieter Reinisch
Die Frauen der IRA
Cumann na mBan und der Nordirlandkonflikt 1968-1986
220 S., br., € 17,90
978-3-85371-423-2
Das Buch ist die erste Studie über Geschichte, Rolle und Tätigkeit der Frauenorganisation der IRA während des Nordirlandkonflikts. Dieter Reinisch greift dabei nicht nur auf klassisches Quellenmaterial zurück, sondern auch auf über zwei Dutzend Interviews mit Aktivistinnen der Cumann na mBan, die er selbst führte. Er beschreibt ihren Wandel von einer IRA-Hilfsorganisation in den 1960er-Jahren zu einer effektiven Frauenarmee in den 1970er-Jahren und schließlich ihre Kaltstellung durch die IRA-Führung in den 1980er-Jahren.
Anhand des Beispiels Cumann na mBan zeichnet der Autor ein kritisches Bild zur Rolle von Frauen in paramilitärischen Organisationen. Darüber hinaus liefert Reinisch einen inhaltsreichen Beitrag zur Bedeutung der Geschlechterfrage in modernen sozialen Bewegungen.

---home[Beachten Sie bitte den Haftungsausschluss im Impressum!]
BesTellBuch@T-Online.de
zurück nach oben