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 Herbstreise  2022


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Passagen 
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Verlagsvorschau:
Kinder und Erwachsene
koloniale Erfahrungen
Liebes Tier 

Neuerscheinungen:

Peter Engelmann
Das Passagen Projekt
Mit Büchern philosophieren
160 S., br., € 20,00
978-3-7092-0522-8
Mit seinem Passagen Projekt widmet sich Verleger Peter Engelmann seit 35 Jahren der Übersetzung und Vermittlung des französischen Denkens im deutschen Sprachraum. Dieses Buch erläutert die philosophischen und politischen Positionen, die seiner Arbeit zugrunde liegen. In der Rückschau auf 35 Jahre Tätigkeit gibt der Philosoph und Verleger Peter Engelmann mit einer Auswahl zentraler Texte einen Einblick in die Entwicklung seiner philosophischen Positionen, die das Passagen Projekt motiviert und seither geleitet haben. Das Gespräch mit Martin Born rekapituliert die wesentlichen Stationen seines intellektuellen Werdegangs und verbindet die Texte zu einer nachvollziehbaren Entwicklung sowohl seiner Philosophie als auch seines Verlagsprogramms. Im Spannungsfeld dieser Texte werden die Umrisse einer philosophischen Position erkennbar, die als explizit antitotalitäres Denken im Anschluss an die Derrida’sche Dekonstruktion auch ein politisches Anliegen hat. Was bedeutet es für eine Philosophie, wenn sie sich nicht im institutionellen Rahmen der Universität, sondern im Kontext eines verlegerischen Projekts entfaltet, d. h. im Dialog mit Texten und Büchern anderer? Der unabhängige Programmverlag erweist sich dabei als ideales Forum für ein Denken, das seinem antitotalitären Anspruch in letzter Konsequenz nur dadurch gerecht werden kann, dass es einen diskursiven Raum eröffnet, in dem unterschiedliche kritische Stimmen vernehmbar werden und auch als individuelle Positionen differenzierbar bleiben.


Geoffroy de Lagasnerie
Die unmögliche Kunst
80 S., br., € 12,00
978-3-7092-0518-1
Kann man der Kunst einen intrinsischen Wert zusprechen? Worin besteht ihre eigentliche gesellschaftliche Bedeutung? Und warum ist die heutige Kulturpolitik in weiten Teilen fehlgeleitet? Geoffroy de Lagasnerie stellt konventionelle Ansichten über die Kunst infrage und skizziert die Umrisse einer oppositionellen künstlerischen Praxis. Lagasnerie prangert die Selbstgefälligkeit der zeitgenössischen Kulturszene an und zeigt, dass selbst jene Kunst, die sich als apolitisch oder gar als subversiv versteht, zur Perpetuierung von Herrschaftssystemen und Ausgrenzungsmechanismen beiträgt. Was also macht eine wahrhaft oppositionelle Kunst aus? Wie können Kunstschaffende mit ihren Werken destabilisierende Effekte erzielen? In Antwort auf diese Fragen entwirft Lagasnerie die Leitlinien einer Ethik des künstlerischen Schaffens und plädiert dabei leidenschaftlich für eine politisch wie sozial engagierte Kunst.


Alain Badiou
Zur Orientierungslosigkeit der Welt
80 S., br., € 12,00
978-3-7092-0517-4
In seinem neusten Buch wirft Alain Badiou einen kritischen Blick auf das aktuelle politische Weltgeschehen. Angesichts der Corona-Pandemie, der Klimakrise und der sich immer weiter verschärfenden politischen Konflikte verzeichnet der Philosoph eine zunehmende Orientierungslosigkeit, die effektives politisches Handeln verhindert. Bei den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen ließ sich in jüngster Zeit ein Phänomen beobachten, das für viele politische Bewegungen der Gegenwart charakteristisch ist: Radikale jeglicher Couleur – von extrem links bis extrem rechts – versammeln sich im Zeichen obskurer und fragwürdiger Zielsetzungen, um eine diffuse Unzufriedenheit angesichts der aktuellen Welt zum Ausdruck zu bringen. Woran es diesen Bewegungen vor allem mangelt, ist die Orientierung an einer konsistenten politischen Vision. Anstatt sich immer weiter in Teilbewegungen zu fragmentieren, die widersprüchliche Partikularinteressen vertreten, ist es aus Badious Sicht unerlässlich, dass sich die Befürworter einer emanzipatorischen Politik wieder hinter klare und eindeutige Prinzipien stellen und eine politische Wahrheit behaupten. Auf dem Spiel steht nicht weniger als die fragile Zukunft einer Welt, die immer mehr in Krieg und Barbarei zu versinken droht. Die Zeit drängt. Deswegen gilt es, unverzüglich zu handeln. 

Ukraine mon amour
Stimmen einer freien Nation
Herausgegeben von Ganna Gnedkova
160 S., br., € 20,00
9783709205334
Kurz nach der Revolution auf dem Euromaidan 2013/2014 annektierte die Russische Föderation unter Wladimir Putin die Krim. Seither befindet sich die Ukraine im Kriegszustand. Dieser Band versammelt Essays ukrainischer Intellektueller, die die politische und gesellschaftliche Entwicklung ihres Landes von 2013 bis heute analysieren. Der Krieg in der Ukraine ist in aller Munde. Es ist Zeit, der Ukraine selbst eine Stimme zu geben. Nach Jahrhunderten des Kampfes um ihre Unabhängigkeit und Souveränität wurde die Ukraine 1991 endlich wieder ein freies Land. Doch seit ihrer Unabhängigkeit versucht das imperialistische Russland, die Ukraine wieder zu kolonialisieren. Ukraine mon amour ist eine essayistische Chronik des russischukrainischen Krieges, der in Wahrheit bereits acht Jahre andauert. Die Essays dieses Bandes, die von Ende 2013 bis Anfang 2022 verfasst wurden, sind ein Spiegel des Kampfes der Ukraine gegen Fremdherrschaft und Okkupation. Es sind die Stimmen der Ukraine, keine Stimmen über die Ukraine. Das Buch präsentiert Texte aus der Zeit nach dem russischen Überfall auf die Krim und spiegelt die Auseinandersetzung prominenter ukrainischer Schriftsteller und Intellektueller mit der daraus entstandenen Situation sowie mit grundsätzlichen Fragen unserer gesellschaftlichen Orientierung. 

Hélène Cixous
Algériance
Dekonstruktion des Kolonialen
152 S., br., € 21,00
978-3-7092-0519-8
“ Es ist, als gäbe es etwas, das stärker ist als Krieg, Verdrängung, Vergessen, Ressentiment, als das Jahrhundert des Missverstehens, etwas, das sanfter, älter, körperlicher und freier ist, eine Kraft, die sich unabhängig von allem Kampf
übers Eifern, Fordern, Vorwerfen hinwegsetzt. Ich nenne sie die Algériance.“
Hélène Cixous ist 1937 in Algerien geboren und hat dort ihre Kindheit verbracht. Die Erfahrung des kolonialen Algerien, des Vichy-Regimes, des Status als Französisch sprechende Jüdin, als Tochter einer aschkenasischen deutschen Mutter und eines sephardischen algerischen Vaters reflektiert Cixous seit Jahrzehnten in ihrem Werk. In zahlreichen Facetten dekonstruieren die Texte dieses Bandes das koloniale Projekt mit seinen etlichen Ebenen der Unterdrückung. Sie verbinden Theorie und Autofiktion, Poesie und Philosophie zu einer besonderen Gattung von literarischer Arbeit am kolonialen Gedächtnis und seinem Erbe in der Gegenwart. Jenseits von identifikatorischen Aneignungen entfalten sie ein Schreiben der Relationalität, das in Körpern und Sprachen denkt. Im Verhältnis von Zeiten, von Tieren, Menschen, Lebenden und Toten eröffnet es neue Wege und Horizonte: „Als Vergangenheit haben sie die gewaltlose Zukunft, von der wir gemeinsam träumen.“ 


Slavoj Žižek
Das erhabene Objekt der Ideologie
2.Auflage
336 S., br., € 42,00
978-3-7092-0512-9
Mit "Das erhabene Objekt der Ideologie" [The Sublime Object of Ideology] hat Žižek ein Standardwerk vorgelegt, das weit über die Grenzen der Disziplin hinausweist. In diesem Werk versucht Slavoj Žižek die Frage zu beantworten, ob und wie man überhaupt noch von Ideologie sprechen kann. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Jahr 1989 war die Antwort auf diese Frage keineswegs selbstverständlich: Vielerorts ging man davon aus, dass die Ideologien an ihr Ende geraten seien. Žižek dagegen vertritt die These, dass ein neues Vokabular zur Beschreibung moderner ideologischer Phänomene nötig sei: Nur ein produktiver Austausch von Hegel’scher Dialektik und Lacan’scher Psychoanalyse könne die subtilen Formen von Ideologie lesbar machen, die für den modernen Kapitalismus kennzeichnend sind.
........................... Slavoj Žižek ist ein slowenischer Philosoph, Forscher am Institut für Philosophie 
der Universität Ljubljana und internationaler Direktor des Birkbeck Institute for the
Humanities der Universität London. Er ist außerdem Professor für Philosophie 
und Psychoanalyse an der European Graduate School und Global Distinguished 
Professor für Germanistik an der New York University. Er arbeitet zu Themen 
wie Kontinentalphilosophie, Psychoanalyse, Politische Theorie, Kulturwissenschaft, 
Kunstkritik, Filmkritik, Marxismus, Hegelianismus und Theologie.


Bram Büscher, Robert Fletcher
Die Naturschutzrevolution
Radikale Ideen zur Überwindung des Anthropozäns
336 S., br., € 42,00
978-3-7092-0521-1
Der Naturschutz muss revolutioniert werden. Anders kann er die drastischen Umwälzungen nicht bewältigen, die notwendig sind, um zu einem nachhaltigen Entwicklungsmodell zu gelangen. Dieses Buch weist den Weg zu einem konvivialen Naturschutz, der auf der Grundlage einer radikalen Kapitalismus kritik für eine gleichberechtigte Koexistenz von Mensch und Natur eintritt. Die gute Nachricht ist, dass der Naturschutz bereit für eine Revolution ist. Die hitzigen Debatten rund um das Anthropozän und das sechste große Artensterben zeigen, dass es dringend notwendig ist, zum Schutz der Natur neue Wege jenseits des Mainstreams zu suchen. Aber in der Frage, wie es weitergehen soll, ist die NaturschutzCommunity tief gespalten. Die einen schlagen vor, große Teile des Planeten in Naturschutzgebiete zu verwandeln, die anderen setzen dagegen auf die Entstehung unerwarteter „neuer“ Formen von Natur. Auf allen Seiten hält sich jedoch der Glaube, dass der Naturschutz nur durch eine vollständige Integration in die kapitalistischen Produktionsprozesse funktionieren kann. In diesem Werk soll als Alternative zu diesen bestehenden Vorschlägen die Möglichkeit eines konvivialen Naturschutzes ausgelotet werden, der versucht, menschliche und nichtmenschliche Bedürfnisse miteinander zu vereinbaren.


Emmanuel Lévinas
Ethik und Unendliches
Gespräche mit Philippe Nemo
5. Auflage
104 S., br., € 15,30
978-3-7092-0513-6
Emmanuel Lévinas wird heute als der wichtigste Philosoph einer zeitgenössischen Ethik erachtet, die die schrecklichen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts berücksichtigen muss. Ethik ist für Lévinas keine Spezialdisziplin der Philosophie, sondern deren Kern. Die in diesem Band enthaltenen zehn Gespräche zwischen Emmanuel Lévinas und Phillippe Nemo folgen der Entwicklung des Denkens von Lévinas und gelten als die beste Einführung in sein Werk, das unter anderem auch für Jacques Derrida ein wichtiger philosophischer Bezugspunkt war. Die Gesprächsform dieses Buches gestattet es Lévinas, immer wieder auf die Verknüpfung seiner philosophischen Themen mit lebens- und zeitgeschichtlichen Erfahrungen hinzuweisen, und macht es zu einer gut lesbaren Darstellung seiner Philosophie. Das Buch gilt als die beste Einführung in Lévinas Werk. 

Jean-Luc Nancy
Die Wahrheit der Lüge
Für Kinder und Erwachsene
80 S., br., € 12,00
978-3-7092-0520-4
 „Die Lüge ist ein Versuch, sich selbst Sicherheit zu verschaffen, entweder zum Selbstschutz und um sich zur Geltung zu bringen oder, im Falle der Ideologien, um sich den Anschein von Glaubwürdigkeit zu geben. Solch eine Selbstversicherung liegt der Lüge stets zugrunde und macht sie so zerbrechlich.“ Die Wahrheit der Lüge beruht auf einem Vortrag für Kinder und geht von einer grundlegenden Differenz aus: nämlich dass die Lüge für Kinder etwas ganz anderes ist als für Erwachsene, weil sie in verschiedenen Welten leben. In keiner der beiden indes ist die Lüge einfach zu denken. Nancy wandert in seiner Rede für Kinder zwischen den Welten hin und her und entfaltet in klarer Sprache die komplexe Frage der Lüge. Warum soll man nicht lügen? Darf man keine Geheimnisse haben? Ist es immer gut, die Wahrheit zu sagen? Gibt es überhaupt eine einzige Wahrheit? Ist es richtig, für einen guten Zweck zu lügen? Was ist, wenn man sich selbst belügt? Und worin unterscheidet sich die Wahrheit der Dichtung von der Lüge der Ideologie? Es ist nicht einfach, die Wahrheit über die Lüge zu sagen. Die Lüge zu denken, heißt auch, nach dem Vertrauen zu fragen. Denn sie ist wesentlich an den Bezug zwischen Menschen gebunden.


Derrida, Jacques
Die Wahrheit in der Malerei
4.Auflage
472 S., br., € 51,40
978-3-7092-0515-0
Derridas Buch zur Malerei erschließt die Kunst für die Dekonstruktion. Sein Ausgangspunkt ist dabei das im Titel aufscheinende Zitat Cézannes. Es geht ihm nicht darum, ein Urteil über die Malerei abzugeben, sondern darum, die Wahrheit in der Malerei herauszustellen. In diesem Sinne wendet sich Derrida gerade Fragen zu, die in klassischen ästhetischen Analysen als zweitrangig gelten, beispielsweise dem Rahmen, der Verzierung, der Signatur, der Beschriftung, der Zuschreibung, dem Kunstmarkt, der Serialität, der Ausstellung – kurz: den Bedingungen, die ein Recht auf Malerei konstituieren. Derrida greift auf vier Ansätze zurück: auf die ästhetischen Theorien Kants und Heideggers und auf die Arbeiten Adamis und Titus-Carmels. Der abschließende Polylog über Van Goghs Schuh-Bilder geht von Heideggers und Schapiros unterschiedlicher Deutung der Schuhe aus, um noch einmal die immer wiederkehrende Frage aufzuwerfen: Wie lässt sich die Wahrheit der Wahrheit anders als in der Malerei wiederherstellen?

Passagen forum

François Jullien
Ein zweites Leben
Neuauflage
168 S., br., €  19,90
978-3-7092-0514-3
Die Idee eines „zweiten Lebens“, die François Jullien in Auseinandersetzung mit den Klassikern des chinesischen Denkens entwickelt, meint nicht Wiedergeburt oder neues Leben, sondern zeichnet einen Weg der stillen Verwandlung vor. In diesem Essay lässt François Jullien die Begründer des Taoismus in einen Dialog mit europäischen Denkern treten. Dabei entwickelt er die Idee eines „zweiten Lebens“: Diskret und ohne Bruch findet eine Verschiebung in unserem Leben statt – es trifft nunmehr seine eigenen Entschlüsse und gestaltet sich um. Es belebt sich neu, kommt wieder in Gang, richtet seine Vorhaben und Ziele aus und gibt bislang unergründet gebliebene Möglichkeiten frei. Indem wir unsere Freiheit schrittweise entfalten, aus der Wiederholung heraustreten und Klarheit erlangen, leben wir fortan nicht mehr bloß, sondern beginnen zu existieren. 

Marko Pajevic´
Poetisch denken - Jetzt
128 S., br., € 17,00
978-3-7092-0525-9
Dieses Buch entwickelt eine poetologische Anthropologie und beantwortet damit die Frage nach dem Menschen neu.
Die westliche Rationalität hat einen enorm erfolgreichen Zugang zur Welt entwickelt, dem das Zeichendenken sowie das Subjekt-Objekt-Denken zugrunde liegen. Beides führt jedoch mittlerweile zu gesellschaftlichen Problemen, die dem Überleben des Menschen gefährlich werden. Das poetische Denken plädiert für eine größere Vernunft. Um diese einzuüben, müssen die Wirklichkeit (einschließlich der Naturwissenschaften), der Leib, die Stimmungen und der ganze Mensch neu gedacht werden. Dazu bedarf es eines Denkens der Sprache als Kognition und Kontinuum, um die Sinnentstehungsprozesse zu verstehen. Weiterhin müssen das Ich und der Andere im Ich und Du zu einer Subjekt-Subjekt-Beziehung gelangen. Sprachbewusstsein und Dialogik können so Präsenz neu begründen. 

Hellmut Flashar
Geschichte, Klima, Glück
Begegnungen mit der griechischen Philosophie
88 S., br., € 12,00
978-3-7092-0526-6
In unserem Alltag beschäftigen uns die gleichen Fragen wie die alten Griechen: Was bedeutet es, glücklich zu sein? Welchen Einfluss hat das Klima auf unser Leben? Hellmut Flashar untersucht in seinem neuen Buch Probleme, die bereits in den Texten der griechischen Antike thematisiert wurden und die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Homer dichtet über die historischen Begebenheiten des trojanischen Krieges, Hekataios rekonstruiert Geschichte aus Mythen, indem er versucht, das Wahre vom Wunderbaren zu trennen. Schon in der griechischen Antike ist Geschichte untrennbar mit dem Erzählen verwoben. Auch Hellmut Flashar nähert sich dem antiken und zeitgenössischen Verständnis der Begriffe Geschichte, Klima und Glück in Form von Anekdoten und Geschichten. Wie ein Wort aus allen seinen historischen Bedeutungen, so besteht der Mensch für ihn aus den Ereignissen seines Lebens. In Erinnerung an intellektuelle Begegnungen, die sein Interesse an der klassischen Philologie nachhaltig geprägt haben, wie die mit dem Philosophen Hans-Georg Gadamer, folgt der Autor auch dem Faden seiner eigenen Geschichte. Und er erinnert daran, dass die großen Fragen, die sich die Menschheit heute stellt, selbst eine Geschichte haben, die es auf der Suche nach Antworten immer wieder zu rekonstruieren gilt.


Simon Godart
Ad plures ire
Über literarische Antizipation nach Walter Benjamin
136 S., br., € 18,00
978-3-7092-0523-5
Dass Literatur uns auch über Jahrhunderte hinweg noch erreicht, ist nicht allein unser Verdienst. Unsere heutige Rezeption korrespondiert mit einer vergangenen Antizipation, die in die Texte eingeschrieben ist. Literarische Kommunikation findet zwischen den Zeiten statt und erzeugt ein Kollektiv, sie spricht zu einem Wir, das sie vorwegnehmen muss und doch nur erwarten kann.
"‚Ad plures ire‘ hieß bei den Lateinern sterben“, erinnert uns Walter Benjamin und verhilft dem Euphemismus zu einem unvorhergesehenen Nachleben. Zu den Vielen gehen beschönigt nicht mehr den Tod, sondern wird zum Sinnbild ästhetischer und philologischer Erfahrung. Diese Vielen bilden ein Kollektiv der Verstorbenen, die sich durch die Schrift noch weiter an uns wenden, zu uns sprechen und uns erwarten. Die hier versammelten Essays versuchen, diesem Kollektiv anhand von Ovid, Montaigne, Lacan und schließlich Benjamin nachzugehen und seine Hartnäckigkeit zu beschreiben. Die Rezeption korrespondiert mit der literarischen Antizipation, der – unmöglichen und doch notwendigen – Vorwegnahme der vielen kommenden Lektüren, die jeder Text mit sich bringt.


Eva Barlösius
Die sozialisierte Universität
Ein programmatischer Essay
112 S., br., € 15,00
978-3-7092-0527-3
Je gesellschaftsprägender die Universität, desto mehr wird sie sozialisiert und entzünden sich an ihr soziale Auseinandersetzungen – erst wenn beides zusammentrifft, befinden wir uns in einer Wissensgesellschaft. Keine andere Institution steht für die Wissensgesellschaft so wie die Universität: Sie ist ihr gesellschaftsprägender Dreh- und Angelpunkt, stellt doch Hochschulbildung mittlerweile in vielen Ländern den Normalbildungsstandard dar. Die Universität erbringt für Politik, Wirtschaft, Recht und alle anderen Felder Leistungen, ohne die diese nicht mehr auskommen: wissenschaftliche Expertise, Innovationen, gerichtsfestes Wissen und vieles mehr. Auf diese Weise wirkt sie in diesen Feldern mit und wird von ihnen sozialisiert. Damit geht einher, dass sie in wachsendem Maße kritisiert und zunehmend grundsätzlich angegriffen wird: Die Geltung und Nützlichkeit wissenschaftlichen Wissens wird bestritten und Hochschulbildung als „Elitenprojekt“ skandalisiert. Dies mag verstörend sein, aber auch darin beweist sich die immens gestiegene gesellschaftliche Bedeutsamkeit der Universität.
Passagen Literatur

Franzobel
Die Viehmännin
104 S., br., € 13,00
978-3-7092-0530-3
1665 wurde Anna Viehmann wegen angeblicher Hexerei gefoltert und hingerichtet. Franzobel bringt den lang vergessenen Fall wieder ans Licht und zieht Parallelen zwischen Damals und Heute: In der digitalen Welt ist es leichter denn je, jemanden unbegründet zu beschuldigen. Als in Lipperts ein Brand ausbricht, wird Anna Viehmann als Hexe angeprangert. Anna ist anders als die anderen, sie muss mit dem Teufel im Bunde stehen. Der Stadtvogt und der Pfarrer forcieren die Verfolgung. Anna wird verhaftet, gefoltert und geköpft. Franzobel entlarvt die kriminelle Rolle der Kirche rund um Aberglauben und Hexenwahn. Anna Viehmann war die letzte im Raum Hof als Hexe hingerichtete Frau. Die Kirche hat sich für diese Machenschaften offiziell entschuldigt. Der sinnlose Tod einer Unschuldigen, mitgetragen von einer unaufgeklärten Bevölkerung. Damals wie heute stellt sich die Frage: Wo beginnt Ausgrenzung, Schuldzuweisung und Mittäterschaft?


Elisa Asenbaum
AUGUSTINAself
300 S., br., € 38,00
978-3-7092-5049-5
In the morning, Augustina feels as if awakened dreamless and full of indeterminacy when she slips into the uniform of her everyday life. Between scattered, absurd dream elements, the reader, following a recurring story line, plunges into a puzzling series of events which are gradually assembled into a chronological narrative. The humorous fiction surprises with twists, changes in style, and intriguing combinations of content. Inspired by Zeno’s arrow paradox, different philosophical and natural scientific world views are confronted with each other in playful discourse. As dreams sometimes weave their tangled threads into the order of waking consciousness, here it is “reality” that threatens to become manifest as a disturbance in Augustina’s dream world. Thus, a critical voice also speaks up in this fantastic story, referring subtly to current societal issues. Whether animal, plant, teacup, woman or man; in Augustina’s dream they all represent states of being, and stand for diametrically opposed views and approaches to interpreting the world.


Eberhard Geisler
Borromini
Entwurf einer literarischen Architektur
192 S., br., € 25,00
978-3-7092-0529-7
Die sakralen Gebäude des Francesco Borromini (1599–1667) in Rom erscheinen mehr denn je von großer geistiger Bedeutung. Eberhard Geisler fragt nach diesem Erbe und danach, wie es heute auch literarisch produktiv gemacht werden kann. Der Steinmetz und Architekt Francesco Borromini hat das Stadtbild Roms mit seinen sakralen Bauten nachhaltig geprägt. Kunsthistoriker der Gegenwart wie Paolo Portoghesi haben sein Werk, das Intuitionen Michelangelos gefolgt war, beschrieben und darauf verwiesen, wie dieses in der Architektur des 20. Jahrhunderts fortwirkt. Geislers Notizen gehen davon aus, dass sich erst heute, im Zusammendenken von Dekonstruktion und der Selbstaufschlüsselung Gottes in die Trinität, der Rang seines Schaffens begreifen lässt. Mit Verweis auf Schriften von Gilles Deleuze und Jean-Luc Nancy wird nach der Möglichkeit einer Literatur gefragt, die Borrominis Impulsen entspräche. Bedeutendste literarische Referenz für diese Fragestellung ist das umfangreiche Werk von Robert Musil. Selbst die Ungeduld und Verzweiflung, die Borromini am Ende in den Selbstmord getrieben haben, erscheinen heute aktuell, in einer Epoche, in der Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit der Überlieferung gegenüber nicht länger zu vertreten sind.


Volkmar Mühleis
Brüsseler Tagebuch
112 S., br., € 14,00
978-3-7092-0531-0
Nach der Weltumrundung mit dem Tagebuch eines Windreisenden nun die Innenansichten aus dem Zentrum Europas, literarische Nahaufnahmen des Brüsseler Alltags, zwischen Parlamentariern und Hip-Hoppern, Taras Boulba und Leopold II. Vom islamistischen Terror bis zur Pandemie: fünf Jahre lang hat Volkmar Mühleis die europäische Hauptstadt erkundet, mit Beobachtungen im Straßenleben, Beschreibungen wie Wahrnehmungsskizzen, spontan, genau, frei assoziierend. Der deutsch-belgische Autor zeigt Brüssel abseits der Schlagzeilen und Nachrichten, er berichtet nicht, öffnet vielmehr den Blick, auf intime, vertraute Weise, um die Stadt immer wieder neu und anders zu entdecken. Nachdem sein Tagebuch eines Windreisenden eine Reise um die Welt unter modernsten Vorzeichen schilderte, taucht er mit dem Brüsseler Tagebuch in das Herz Europas ein, mit seiner Vielsprachigkeit und kulturellen Vielfalt, der kolonialen Vergangenheit und der surrealistischen Tradition, die bis heute nachwirkt. Was den einen ein Inbegriff übertriebener Bürokratie und den anderen ein chaotisches Abbild der belgischen Gemengelage sein mag, entpuppt sich in den literarisch gezeichneten Bildern als ein schillerndes Vexierspiel des Fremden im Eigenen, Eigenen im Fremden.

Passagen Gespräche/Streams:


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Neuestes Passagen Gespräch:  20.06.2022


Frédéric Gros
Ungehorsam
216 S., br., € 32,00
978-3-7092-0500-6
Frédéric Gros ist in Frankreich Herausgeber der Werke Michel Foucaults und mit dessen Arbeit eng vertraut. In seinem Buch stellt er die Frage, warum uns der Ungehorsam selbst angesichts der größten Ungerechtigkeiten so schwer fällt. Ungehorsam bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen. Philosophie und Denken sind grundsätzlich ungehorsam, denn sie zwingen uns, unsere Gewissheiten und die gesellschaftlichen Konventionen immer wieder zu hinterfragen. Gros' Schlussfolgerung ist klar: Mit Blick auf gesellschaftliche Ungleichheit und den Klimawandel haben wir als mündige Bürger*innen eine Pflicht zum Ungehorsam.



Hélène Cixous
Liebes Tier
80 S., 7 Abb. € 12,00
978-3-7092-0498-6
Diese Neuerscheinung, die im buchstäblichen Sinne aus der Reihe tanzt, ist Hélène Cixous' Buch Liebes Tier. Basierend auf einem Vortrag, den die Autorin vor Kindern gehalten hat, widmet sich dieses Buch der Beziehung von Mensch und Tier. Cixous erzählt darin Geschichten von Tieren, insbesondere aus ihrem eigenen Leben mit Tieren. Dabei stellt sie eindrucksvoll unter Beweis, dass ihre Sprache keine große Komplexität braucht, um poetisch zu sein.In diesem großartigen Text beschwört die großartige Autorin Hélène Cixous ihre Beziehung zu Tieren durch persönliche Geschichten, den Hund aus ihrer Kindheit in Algerien oder ihre in Brand geratenen Katzen. Auch politische und feministische Impulse fehlen in diesem Text nicht. Liebevoll illustriert von Adel Abdessemed, hat dieses Buch das Potential, Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu begeistern.


Jacques Ranciere
Zeit der Landschaft
Die Anfänge der ästhetischen Revolution
152 S., Abb., br., € 22,00
978-3-7092-0499-3
Mit Zeit der Landschaft knüpft der Autor an seine früheren Überlegungen zu Politik und Ästhetik an: Er zeigt, dass sich im 18. Jahrhundert ein neues ästhetisches Regime herausbildet, in dem die Landschaft erstmals eine zentrale Bedeutung einnimmt. In der Folge der Französischen Revolution wird sie zum Schauplatz ästhetisch-politischer Kämpfe: Der französische Garten als Symbol einer absolutistischen Ordnungsvorstellung trifft auf das romantische Ideal einer wilden und unberührten Landschaft, in der sich die Natur selbst als Künstlerin offenbart. Zeit der Landschaft untersucht die Anfänge einer ästhetischen Revolution, die unsere Vorstellung von Kunst und Ästhetik bis heute prägt.
Im Jahre 1790 erhob Immanuel Kant die Gartenkunst in den Rang der schönen Künste. Im selben Jahr erblickte William Wordsworth in der französischen Landschaft die Zeichen der bevorstehenden Revolution, während Edmund Burke den Revolutionären vorwarf, sie Zwängen der Gesellschaft die steife, autoritäre Ordnung der französischen Gärten auf. Jacques Ranciere zeigt uns, dass die Landschaft mehr ist als ein beeindruckendes Schauspiel für das Auge oder die Seele. Er geht den ästhetischen Debatten und Kontroversen nach, die im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einer radikalen Veränderung des Kunstbegriffs und der Kriterien des Schönen geführt haben. Dabei wird deutlich, dass dieser Wandel nicht nur die Normen der Kunst und der Gesellschaft betrifft, sondern auch die Formen der sinnlichen Erfahrung selbst.

François Jullien
Das Unerhörte
144 S., br., € 21,00
978-3-7092-0501-3
In seinem neuen Buch widmet sich François Jullien einem alten philosophischen Problem. Abseits der sinnlichen Oberfläche der Dinge verortete Kant das für die menschliche Anschauung unfassbare Ding an sich. Jullien nähert sich diesem Problem mit literarischen Mitteln - und über den Umweg der chinesischen Philosophie. Das Wesen der Dinge ist keineswegs in einer abstrakten Hinterwelt jenseits des Sinnlichen zu verorten. Es bedarf zwar einer minima metaphysica, aber diese Metaphysik muss eine diesseitige sein. Kern dieser Disziplin ist der Begriff des Unerhörten. Um die Dinge aus der Starre zu befreien, in die sie unsere Gewohnheit versetzt hat, müssen wir das Nichtintegrierbare aufspüren, jenen schwindelerregenden Rest, um den sich unsere Existenz insgeheim dreht weil er das ist, was sie aus den Fugen geraten lässt. Nur im Zusammenspiel von Begriff, Metapher und individueller Imagination ist eine Annäherung an das Unerhörte möglich, das zwar nie in seiner Totalität fassbar ist, aber dennoch den Boden jeglicher Erkenntnis bereitet.

Ernesto Laclau kratzt am Selbstverständnis der liberalen Demokratie: Der Populismus, so die grundlegende These,
ist nicht ein Exzess der Politik – das Andere der Demokratie –, sondern ihr notwendiger Bestandteil.

Ernesto Laclau
Die populistische Vernunft
Mit einem Vorwort von von Chantal Mouffe
332 S., br., € 40,00
978-3-7092-0405-4
Laclaus zentraler Gegenstand ist die Konstruktion popularer Identitäten und die Entstehung des ‚Volkes‘ als kollektiven Akteurs. Durch eine kritische Lektüre der bestehenden Theorien zum Populismus zeigt er, dass jede politische Theorie, die glaubt, den Populismus als verächtliches Randphänomen ignorieren zu dürfen, ihren Gegenstand – die Politik und das Politische – als solchen verfehlt. Zahlreiche Konzepte (Logik der Äquivalenz, leerer Signifikant, Hegemonie etc.), die in anderen Arbeiten grundgelegt sind, werden hier in Anwendung gebracht. Indem Laclau die theoretische Analyse mit einer Vielzahl empirischer Verweise aus einem breiten historischen und geografischen Spektrum verknüpft, weist er die empirische Brauchbarkeit seiner Begriffe nach und verleiht ihnen im selben Zuge ein schärferes Profil. Laclaus in Kürze zu einem modernen Klassiker avanciertes Buch ist unverzichtbar für jeden Versuch, die Politik und das Politische zu denken und die Besonderheiten unserer politischen Gegenwart zu verstehen. Ernesto Laclau (1935-2014) war Professor für Politische Theorie an der University of Essex.

Alain Badiou
Oliviers Grabmal
96 S., Abb., br., € 15,00
978-3-7092-0496-2
Alain Badiou legt dieses Jahr ein sehr persönliches Buch vor. In Oliviers Grabmal erzählt er aus dem Leben seines Adoptivsohns Olivier Ntumba Winter Badiou, der bei einem tragischen Bergunfall frühzeitig ums Leben kam. In dieser intimen Betrachtung gelingt es dem Philosophen immer wieder, auch die universelle Bedeutung dieses Einzelschicksals spürbar zu machen: etwa wenn er von der schwierigen Suche des jungen Mannes nach seinem Platz in einer Gesellschaft berichtet, die sich zwar ihrer eigenen Diversität rühmt, aber zugleich zutiefst rassistisch ist, oder wenn er die existenzielle Frage erörtert, was ein „unvollendetes Leben" bedeutet.

Sabine Hark, Johanna Hofbauer
Die ungleiche Universität
Diversität, Exzellenz und Anti-Diskriminierung
112 S., br., € 14,00
978-3-7092-0509-9
Anhaltende Ungleichheit unter Studierenden, Zugangsbarrieren für Professuren, wachsende Prekarisierung beim akademischen Nachwuchs: Universitäten stehen in der Dauerkritik - trotz wissenschaftspolitischer und hochschulreformerischer Maßnahmen oder gerade deswegen? Universitäten sind mehr als Einrichtungen für Bildung und Forschung. Gesellschaftspolitisch tragen sie auch Verantwortung für die Förderung von sozialer Gerechtigkeit und sozialinklusiven Strukturen. Aktuelle Hochschulreformen haben den Universitätsleitungen mehr Gestaltungsmacht verliehen. Dennoch kommt die Gleichstellung nur schleppend voran, und Anti-Diskriminierungs maßnahmen reichen nicht aus, um Universitäten nachhaltig sozial und kulturell zu öffnen. Gründe dafür sind neben etablierten Machtstrukturen die im Rahmen wissenschaftspolitischer und hochschulreformerischer Anstrengungen vorangetriebenen Entwicklungen wie Exzellenzpolitiken, Wettbewerbsorientierung und die Deregulierung von Beschäftigung. Diese Entwicklungen tragen zu einer Zuspitzung des Kampfs um gute Arbeit und berufliche Perspektiven an Universitäten bei. Hierbei sind wieder lene Gruppen im Nachteil, die seit jeher deutlich unterrepräsentiert waren. Das Buch nimmt auf diese Entwicklungen Bezug und führt in aktuelle hochschulbezogene Debatten zu Sexismus, Klassismus und Rassismus ein. Sabine Hark lehrt Gender Studies an der Technischen Universität Berlin und leitet dort das Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung und Johanna Hofbauer ist am Institut für Soziologie und am Forschungsinstitut Economics of Inequality der Wirtschaftsuniversität Wien tätig.


Der Alltag der Dekonstruktion
Über das Anekdotische bei Hélène Cixous und Jacques Derrida
Herausgegeben von Philippe P. Haensler, Stefanie Heine, Philipp Hubmann und Thomas Traupmann
288 S., br., € 35,00
978-3-7092-0502-0
Die in diesem Band versammelten Beiträge folgen den Windungen eines doppelten Dialogs. Es handelt sich um ein lebenslanges Gespräch zwischen zwei Schreibenden - Hélène Cixous und Jacques Derrida -‚ welches das Schreiben selbst als fortwährende Konversation begreift: nämlich zwischen Texten und dem, woran sie sich im Konkreten entzünden. Dieses Konkrete, jenseits des erklärten „Themas" einer Schrift, ist der Alltag in seinem Allergewöhnlichsten und höchst Partikularen. Es ist der Alltag, wie er im Anekdotischen sich mitteilt. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt mit Cixous und Derrida so eine Form der Textproduktion, die von der philosophischen Tradition zwar punktuell zur Kenntnis genommen, aber bisher nie in ihrer theoriepoetologischen Dringlichkeit und Tragweite ausgelotet worden ist.

Jacques Derrida
Vergeben
Das Nichtvergebbare und das Unverjährbare
2.Auflage
80 S., br., € 11,00
978-3-7092-0510-5
In seinen weltweit gehörten Reflexionen zum Vergeben arbeitet Jacques Derrida die „aporetische Logik“ der Vergebung heraus.
Sie muss, wenn es sie denn gibt, das Unmögliche tun.

Souleymane Bachir Diagne
Bergson postkolonial
128 S., br., € 17,00
978-3-7092-0497-9
Dieses Buch schlägt Brücken zwischen der Philosophie Henri Bergsons und dem philosophisch-dichterischen Werk Leopold Senghors und Muhammad lqbals, die als historische Gründungsfiguren das Schicksal der postkolonialen Staaten Senegal und Pakistan maßgeblich beeinflusst haben und auf verschiedene Weise versuchten, einen interkulturellen Dialog zwischen dem europäischen Erbe und der Postkolonie zu artikulieren. Eine besondere Rolle kommt dabei dem französischen Philosophen Henri Bergson zu, dessen Begriffe von Zeit und Dauer, Intuition und elan vital die Philosophie des 20. Jahrhunderts geprägt haben. So werden neue Perspektiven auf die Senghor'sche Negritude und den islamischen Reformismus lqbals eröffnet, die nicht nur für das Verständnis der beiden Autoren und der Rezeptionsgeschichte Bergsons zentral sind, sondern auch vor dem Hintergrund zeitgenössischer Diskussionen über den Umgang mit unserem kolonialen Erbe eine besondere Aktualität gewinnen.


Ralph Findeisen
Die Kunst, der Sex, das Geld und der Müll
128 S., br., € 17,00
978-3-7092-0503-7
Wie steht es heute um die Politiken der Kunst? Zu den freiheitlichen Gegenentwürfen der bildenden Kunst seit dem Jahr 1800 gehören der ungeheure Zugewinn des kritischen Genießens, die stete Behauptung des Randständigen sowie die Vernachlässigung des Geldes. Vielleicht jedoch erweist sich die Kunst im Zeichen der post-revolutionären Interpretation des Erhabenen, der Befreiung der Sexualität sowie der Losbindung des Geldes weder als Gegenprogramm noch als ökologisches Werkzeug, sondern als Katalysator einer universellen Anonymisierung und „Ausuferung des Leibes". Neben Jacques Rancieres Unbehagen in der Ästhetik tragen unter anderem Georges Didi-Hubermans Blick auf Aby Warburg, Alenka Zupanis Frage Was ist Sex? sowie Pierre Klossowskis zentraler Begriff der Gratuität entscheidend zu dieser radikalen Analyse der Gegenwartskunst bei. Ralph Findeisen, geboren 1967, ist Freier Autor Für Belletristik, Kunst- und Kulturtheorie und lebt in Potsdam.


Martina Kigle
Figure M.
Eine umgekehrte Geschichte der Postmoderne
168 S., br., € 21,00
978-3-7092-0508-2
Martina Kigle holt die Künstlerische Forschung an die Universität. Mit der Verbindung von wissenschaftlichem Arbeiten und fiktionaler Erzählung übt sie Kritik an einer Geisteswissenschaft, die zwar mit Kanonkenntnis und Diskursdisziplin beeindruckt, dabei aber gerne so tut, als ereigne sich Realität irgendwo da draußen.
W. hat ein Problem: Er weiß nicht weiter. Und das ist er nicht gewohnt, denn bislang war auf sein Wissen stets Verlass. Er grübelt und grübelt. Was soll W. wie Wissen sonst tun? „Wenn W. für Wissen steht", überlegt er, „ist dann nicht M. das umgekehrte Wissen?!"
Mit der Suche nach dem umgekehrten Wissen ist auch die Bewegung der Arbeit vollzogen: Als Figur in den Theorien von Marx und Derrida zeigt die Umkehrung deutlich, dass die Grenzen zwischen rationaler Argumentation und Erfindung, Sachlichkeit und Rhetorik, Intentionen der Kritik und Eigendynamik der S(pr)ache fließend sind. Ihren Anspruch auf reine Rationalität kann die Wissenschaft nicht halten.
Von der Grashalm rauchenden Cyborg über das doppelzüngige Orakel hin zur Geister- und Gedankenbeschwörerin mit Pfeife experimentiert M. deshalb im Laufe des Textes mit vielfältigen Wissensfiguren. „Weißt du, was ich mache mit Erwartungen?", fragt sie den verdutzten W.„Ich enttäusche sie. Alle."


Michael Manfé
Menschensucht
304 S., br., € 36,00
978-3-7092-0507-5
Die Konstruktion der sozialen Ordnung hat ihre Störenfriede in den Simulakren gefunden. Die Ereignisse brauchen erst gar nicht zu streiken, denn sie finden nicht mehr statt. Ruchbar wird, dass wir Menschen in einem Gefängnis leben, ohne es zu bemerken. Es gilt, Figuren und Szenen des Freiseins zu revitalisieren.
Das Ziel der Studie ist es, den diffusen Grenzbereich zwischen Sucht und Zucht auszuleuchten und die gleitenden Übergänge und Überlappungen zwischen diesen beiden Bereichen aufzuzeigen. Den Mechanismen der Entmündigung wie auch der Kapitulation des Menschen wird entschieden entgegengetreten. Dies gelingt, indem vergessene, ignorierte oder auch verloren gegangene (philosophische) Positionen aufgesucht werden. Sie sind es wert, wieder in Erinnerung gerufen zu werden, da deren Wiederentdeckung und Zusammenschau neue und ungewohnte Perspektiven ermöglichen. Michael Manfé fordert dazu auf, der Exteriorisierung aller Wahrnehmung Einhalt zu gebieten, damit das Leben nicht in einem Außen seiner selbst stattfindet. 

Alexander Schubert
Phänomenologie des Zeitgeistes
Mit Hegel durchs 21. Jahrhundert
136 S., br., € 17,00
978-3-7092-0506-8
Viele der Themen, die uns heute bewegen, sind in Hegels Geistes- und Geschichtsphilosophie bereits vorweggenommen. Deswegen lohnt es sich, aktuelle Phänomene wie Gender- und Identitätspolitik, Big Data und Überwachungskapitalismus, Künstliche Intelligenz und Virtual Reality aus einem kritisch-hegelianischen Blickwinkel zu betrachten. Alexander Schubert transportiert Hegels Denken ins 21. Jahrhundert und spannt dabei einen Bogen von der „Cancel Culture" bis hin zu „Follow the Science" und „Querdenkertum". Er plädiert für die Wiederbelebung eines kritischen Skeptizismus und liefert zudem noch eine radikal neue Interpretation von Hegels Phänomenologie - als Rüstzeug einer strukturalen Dekonstruktion des (Zeit-)Geistes.

Udo Tietz
Über Wahrheit und Freiheit
88 S., br., € 11,00
978-3-7092-0505-1
Der strukturell freiheitseinschränkende Aspekt politischer Korrektheiten beruht auf dem Ein- oder Ausschluss von Denk- und Redeformen, deren Gehalt keiner sachgerechten Beurteilung unterzogen wird, sondern - entsprechend der kulturellen Hegemonie -  einer politischen. Der Kampf um diese Form der Hegemonie hat inzwischen die Form eines Kulturkampfes angenommen, durch den jene Räume und Befugnisse beschnitten werden, die das liberale System des Rechts eröffnet. Das Recht gerät dadurch gegenüber einer Dialektik der Sittlichkeit dergestalt ins Hintertreffen, dass es zwar nicht in seiner Geltung, wohl aber in seiner Wirkung eine Beschränkung erfährt.


Götz Wienold
Wittgenstein in Cassino.  Trakls Tod
152 S., br., € 18,00
978-3-7092-0504-4
Zwei Stücke über Ludwig Wittgenstein und Georg Trakl, über Grodek und den Tractotus. Die Freiheit der Sexualitäten und die
Ächtung des Tötens gehören zusammen.
Ludwig Wittgenstein ist zu Beginn des Ersten Weltkriegs Kanonier, Georg Trakl Sanitäter. Trakl hält den Kriegserlebnissen nicht stand und wird hospitalisiert, an der verbotenen Liebe zur Schwester ist er gescheitert. Wittgenstein, seiner Homosexualität noch unsicher, sehnt sich nach David Pinsent im fernen England. Er will Trakl treffen, kommt aber zu spät, um ihn vor dem Freitod zu retten. Geschwisterliebe und Liebe zum gleichen Geschlecht, gleichermaßen sozialer Unterdrückung ausgesetzt, überkreuzen sich in Trakls Tod. Wittgenstein in Cassino sieht ihn als Gefangenen nach Kriegsende. Er hat den Weg, seine sexuelle Orientierung zu leben, gefunden, wie den zum Tractatus und zur Besitzlosigkeit. Er bekennt, lieber wolle er sich töten lassen, als einen anderen zu töten. Ethisches lässt sich nicht in Sätzen aussagen, sondern „zeigt sich" im Handeln selbst. Der Kampf für die Freiheit der Sexualitäten und die Verurteilung des Tötens finden zusammen.



Emina Saric
Ehre, Scham und Schande
Warum wird Frauen Gewalt angetan
152 S., br., € 16,90
978-3-7092-0450-4
Was verbirgt sich hinter dem Phänomen Femizid? Das Patriarchat regelt traditionell die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern. Werden patriarchale Strukturen in Frage gestellt, reagieren Männer häufig mit Gewalt. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen wir das veraltete Konzept von Männlichkeit hinterfragen und Frauen zu selbstbestimmten Akteurinnen der Geschichte ermächtigen.

Geoffroy de Lagasnerie
Das politische Bewusstsein
216 S., br., € 24,90
978-3-7092-0473-3
Wenn wir über Politik nachdenken, verwenden wir meist totalisierende Kategorien (Volk, Gemeinwille, Volkssouveränität), mystifizierende Narrative (Gesellschaftsvertrag, deliberative Demokratie) oder abstrakte Begriffe (der Gesetzgeber, der politische Körper, der Bürger). Obwohl wir ihre fiktive Natur erkennen, halten wir sie für notwendig. Aber warum sollte politisches Denken auf Fiktionen beruhen? Und was passiert, sobald wir mit diesen Denkweisen brechen und die Realität so betrachten, wie sie ist? Lagasnerie plädiert dafür, eine realistische Konzeption des Staates, des Rechts und unserer Erfahrung als Subjekte zu entwickeln. Dabei skizziert er eine „reduktionistische“ Theorie, die zur Aufhebung der Gegensätze führt, die die ganze Geschichte der politischen Philosophie strukturieren: zwischen Demokratie und Kolonie, legitimer und illegitimer Gewalt, Rechtsstaatlichkeit und Willkür oder politischem Verbrechen und gewöhnlicher Kriminalität. Ein Werk, das den Rahmen der politischen Theorie tiefgreifend erneuert. 

Jean-Luc Nancy
Ein allzumenschliches Virus
104 S., br., € 11,90
978-3-7092-0475-7
Seit 1945 exportiert Europa seine Kriege. Heute importiert es eine Pandemie, die das gewöhnliche Leben aus den Angeln hebt. Als Folge der Globalisierung entfesselt das Coronavirus einen Automatismus technischer, ökonomischer und politischer Kräfte und markiert dabei die Grenzen der Wachstumsökonomie. Es besteht kein Zweifel: Die Ursachen dieser Gesundheitskrise liegen in unserer Lebensweise, unserem Umgang mit der Natur. Was einst „göttlich“ war, ist menschlich geworden – allzumenschlich, wie Nietzsche sagte. Die Widersprüche und Grenzen unserer Gesellschaft treten unter dem viralen Vergrößerungsglas überdeutlich hervor. Der Tod, den wir gemeinsam mit unseren Kriegen exportierten und bloß noch in Gestalt einiger Krankheiten fürchteten, hat wieder Einzug in unseren Alltag gehalten. Auch diejenigen, die vom Transhumanismus träumen, müssen nun einsehen, dass wir keineswegs übermenschlich, sondern vielmehr allzumenschlich sind.

Derrida, Jacques
Theorie und Praxis
Seminar 1976–1977
216 S., br., € 25,90
978-3-7092-0472-6
In den 1970er Jahren lehrte Jacques Derrida an der École Normale Supérieure in Paris, wo er bei Louis Althusser studiert und dann lange Jahre als Kollege gewirkt hatte. Als Ausgangspunkt und Leitfaden für das Seminar von 1976–1977 über „Theorie und Praxis“ dient eine idiomatische Wendung, faut le faire, die auf diversen Ebenen die Aspekte „Tun“, „Müssen“ und „Brauchen“ aufruft. Das komplexe Verhältnis des Paares Theorie/Praxis wird zunächst anhand von Karl Marx’ berühmten „Thesen über Feuerbach“ und deren Widerhall im Denken von Gramsci und Althusser analysiert, nicht zuletzt in Bezug auf die Frage, inwiefern es eine spezifisch marxistische Philosophie oder Theorie geben könne. Die immer tiefergehende Analyse der beiden Schlüsselbegriffe führt über Kants Fragen „Was kann ich wissen?“ und „Was soll ich tun?“ zur grundlegenden Befragung der Begriffe „Denken“ und „Tun“. Dies geschieht vor allem in Auseinandersetzung mit Heideggers Texten zum Verhältnis von griechischem Denken und moderner Wissenschaft und Technik.

Hellmut Flashar
Frühgriechische Philosophie
104 S., br., € 12,20
978-3-7092-0478-8
Die frühgriechischen Philosophen werden bei Flashar dezidiert nicht als „Vorsokratiker“ bezeichnet, da dieser Begriff das Vor-läufige (im wörtlichen Sinne) in den Fokus rückt und damit impliziert, dass es sich dabei um eine Vorstufe des abendländischen Denkens handeln würde. Die frühgriechische Philosophie muss jedoch vielmehr als etwas Eigenständiges angesehen werden, das von den frühesten Anfängen einer Philosophie bis hin zu ausgebildeten philosophischen Systemen reicht, die allerdings nur fragmentarisch überliefert sind. Mit Frühgriechische Philosophie legt Hellmut Flashar nun ein weiteres Standard- und Einführungswerk vor, das einen strukturierten Überblick über die Autonomie des philosophischen Denkens vor Sokrates und Platon liefert. 

Alain Badiou
Theorie des Bösen, Theorie der Liebe
Seminar 1990–1991
192 S., br., € 24,90
978-3-7092-0471-9
In diesem Text gibt Alain Badiou eine Einführung in zwei essenzielle Bereiche seiner Theorie. Dabei versucht er, die ontologischen Innovationen seines Hauptwerks Das Sein und das Ereignis anhand konkreter Lebenssituationen zu verdeutlichen. Im Zentrum stehen zwei gegensätzliche Figuren, die sich beide im Umfeld der zentralen Frage nach den Wahrheiten verorten. Das radikale Böse verbirgt sich für Badiou gerade in der Negation der universellen Wahrheiten, in einem egoistischen Leben, das sich nur an individuellen Interessen orientiert. Dem gegenüber steht in Gestalt der Liebe ein Lebensmodus zu zweit, bei dem die Welt durch eine Begegnung mit dem anderen erfahren und so auf neuartige Weise erlebt wird. Als eine der vier Formen der Wahrheitsproduktion bildet die Liebe zugleich eine der wesentlichen Bedingungen der Philosophie.

Jacques Derrida
Limited Inc.
 2.Auflage
264 S., br., € 35,00
978-3-7092-0489-4
Dieses Buch führt die Geschichte einer langen Debatte vor Augen. Derridas Text „Signatur, Ereignis, Kontext“ stieß auf heftige Kritik seitens des amerikanischen Linguisten John Searle. Limited Inc. ist Jacques Derridas Antwort auf diese Kritik. Es geht in dieser Debatte um Fragen der Interpretation und der Tradition der Sprechakttheorie, um die Missverständnisse zwischen dem sogenannten kontinentalen und dem anglo-amerikanischen Denken. Es geht um die Rezeption von Dekonstruktion in den USA, um die Beziehungen zwischen Geschriebenem und Gesprochenem, um die Unterscheidung von fiktiver und nicht-fiktiver Sprache und um die Unbestimmtheit (Unbestimmbarkeit) in der Textinterpretation. Dabei werden auch große klassische Fragen, wie die Möglichkeit einer Philosophie oder Wissenschaft der Sprache, die Möglichkeit der Bedeutung, der Referenz und der Wahrheit, aber auch der Ethik und der Politik thematisiert. Dieser Text ist Teil einer internationalen Debatte, deren Aus- und Nachwirkungen sowohl in der Philosophie als auch in der Literaturwissenschaft bis heute spürbar sind. 

Jürgensen, Sven
Liebe:Sophie
Briefe aus dem Lockdown über Schellings Freiheitsabhandlung
96 S., br., € 12,90
978-3-7092-0484-9
Am philosophischen Institut der Universität Osnabrück ist während des ersten Lockdowns ein Seminar über Schellings berühmte Freiheitsabhandlung angekündigt. Statt auf Fernlehre in Form von Video-Konferenzen umzusteigen, verschickt der Dozent per E-Mail Briefe an die Studierenden. Entstanden ist eine Reihe von zwölf Briefen, gerichtet an: „Liebe:Sophie“.Im alten Format der Briefe versucht Jürgensen, seinen unbekannten Adressaten den klassischen Text  „Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände“ in dieser Krise nahezubringen. Flankiert werden die Briefe von Essays über Jorge Semprun und Martin Heidegger - zwei ganz unterschiedliche Autoren, die Schellings Freiheitsabhandlung jedoch auf unerwartete Weise verbindet. Zeichnungen von Maria Bussmann begleiten die Briefe über Schellings Freiheitsabhandlung wie ein Kommentar. Die Künstlerin mischt sich auf diese Weise unter die Adressaten der „Liebe:Sophie“-Briefe.

Abbt, Christine / Benne, Christian
Mit Texten denken
Eine Literatur-Philosophie
416 S., br., € 46,00
978-3-7092-0477-1
Die Literatur-Philosophie versteht sich als Antwort auf aktuelle Krisen des Denkens und Handelns, denen sie die Komplexität literarischer und philosophischer Texte entgegensetzt, die weder auf Begriffe noch auf Aussagen zu reduzieren sind. Statt Ästhetik, Denken und Politik streng voneinander zu trennen, unternimmt die Literatur-Philosophie Lektüren, in denen diese Felder in ihren vielfältigen Beziehungen zueinander neu und anders erkennbar werden. Neben der Grundlegung und historischen Herleitung des Konzepts der Literatur-Philosophie behandelt der Band so unterschiedliche Themen wie das paradoxale Verhältnis von Wahrheit und Fiktion, den Freiheitsdrang des Subjekts, Defizite der Zeichentheorie, die Literaturgeschichte der Philosophie oder die Rolle der Frau in der Geschichte des Denkens.

Lothar Zechlin
Die gemanagte Universität
Führung in einer institutionalisierten Organisation
120 S., br., € 14,90
978-3-7092-0486-3
Mit der Autonomisierung erhält die Universität Entscheidungskompetenzen, die früher von der Ministerialverwaltung wahrgenommen wurden und die sie nun im Wettbewerb sowie unter Übernahme einer Ergebnisverantwortung eigenständig ausfüllen muss. Dadurch verändert sich der Modus ihrer internen Willens- und Entscheidungsbildung. Die jahrhundertelang eingeübten professoralen Konsensmechanismen im Kollegium und die jüngere Gremiendemokratie der Statusgruppen werden überlagert durch ein professionelles Wissenschaftsmanagement. Die lose gekoppelte und durch gemeinsame Werte und Normen zusammengehaltene Institution entwickelt sich so zu einer planmäßig gestalteten, zweckorientierten Organisation. Die Universität wird zum Akteur. Dieser Paradigmenwechsel erzeugt vielfältige und tiefgreifende Spannungen, die durch Führungsleistungen austariert werden müssen. Führung trägt aber auch selbst zu diesen Spannungen bei. Zugespitzt formuliert lässt sich fragen: Steht mit ihr nunmehr der Feind im eigenen Haus? 

Kock, Sabine
Topographie der Einbildungskraft
(Re-)Lektüren aus dem Diskurs des Gedenkens
304 S., br., € 33,90
978-3-7092-0481-8
Ausgehend von Adornos einflussreichem Diktum, was Kultur nach Auschwitz überhaupt sein könne, nimmt die in Wien lebende Philosophin Sabine Kock zentrale Argumentationen von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, Hannah Arendt, Jean-François Lyotard, Sarah Kofman, Georges Didi-Huberman in den Blick. Für sie alle ist die Einbildungskraft eine unabdingbare philosophische Kategorie und gesellschaftliche Kraft, jedoch auf grundlegend verschiedene Weise. Kant erweist sich dabei als zentrale Referenz: einerseits als Garant einer unwiederbringlich vergangenen, kohärenten Welt, andererseits als Quelle einer verhängnisvollen ‚Dialektik der Aufklärung‘. Filmmaterial aus dem Prozess gegen Adolf Eichmann sowie ein Epilog über die reflexive Erzählerin Ruth Klüger ergänzen diese Perspektive.

Ansgar Mohnkern
Grund
Szenen einer Metapher
152 S., br., € 16,90
978-3-7092-0485-6
Lebensweltlich erscheint das Grund- und Erdhafte wie eine Selbstverständlichkeit. Beiträge zu Aristoteles, Kant, Goethe, Hölderlin und Latour sowie dem Seiltänzer Philippe Petit zeigen indessen, dass diese Selbstverständlichkeit eine heikle ist – zumal die Rede vom Grund in das Terrain der Metapher hinüberspielt. Gerade das Metaphorische macht den Grund auch zu einem schwierigen Instrumentarium der Legitimation. Das betrifft sowohl die Felder des Wissens, der Erkenntnis, der Geschichte und der Gesellschaft als auch das Feld der Metapher selbst. Sich über das Metaphorische des Grundes zu verständigen, erscheint aber heute im Lichte der Krise, in die wir den buchstäblichsten aller Gründe – die Erde selbst – manövriert haben, dringlicher denn je. Dieses Buch leistet einen zentralen Beitrag zu dieser Verständigung.

Eberhard Geisler
In drei Gottes Namen
Bruchstücke einer Eröffnung des Raums
192 S., br., € 22,50
978-3-7092-0487-0
Im dritten Band seiner Notizen knüpft der Autor an das „Älteste Systemprogramm“ des deutschen Idealismus an, das gemeinsam von den Freunden Schelling, Hegel und Hölderlin während ihrer Studienzeit am Tübinger Stift anonym entworfen worden war. Ausgehend von dieser Sternstunde, in der es um die Befreiung der Gesellschaft im Einklang mit Philosophie, Religion und Poesie gegangen war, rekonstruiert er einen Zusammenhang, der von den kappadokischen Kirchenvätern über Spinoza, Hamann und Herder insbesondere zu Schelling führt und als stetige Arbeit an einer Eröffnung des Raums verstanden werden kann. Das aufgezeigte Panorama gewinnt dadurch an Eindringlichkeit, dass die hier versammelten Bruchstücke über die Philosophie hinausgreifen und auch literarische Phänomene sowie Musikstücke von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Anton Bruckner und Dieter Schnebel miteinbeziehen. Es ist der eröffnete Raum, innerhalb dessen sich der Verfasser auch selbst begreifen möchte und in dem er die Freiheit zu eigenen Skizzen und Gedichten findet. 

Schlüters, Eske
Alles kann ein Bild von allem sein
208 S., br., € 31,90
978-3-7092-0482-5
Im Wechselspiel von Lesen und Um-Schreiben, bei dem die Montage der Textelemente selbst zum Argument wird und die Grenzen zwischen Eigenem und Fremdem verwischen, entsteht ein Text, in dem die Sprache ihre eigene Rolle zu spielen beginnt. Aus dieser Sprache heraus und mit der Annahme, dass das Verhältnis zwischen Bild und Sinn immer nur ein mögliches ist, entwickelt Eske Schlüters ein eigenes Bildverständnis. Und da das Verb sein darin eine zweifelhafte Rolle einnimmt, bringt nunmehr das, was Bild genannt wird, nicht mehr nur ein Bild hervor, sondern ist Ausdruck einer beweglichen Imagination.

Jennifer Hope Davy
Staging Aporia
Putting together impossible things
320 S., br., € 36,00
978-3-7092-0480-1
How can one not infinitely arrive, and hence never arrive, at aporias? The aporia is, in part, simply the rhetorical device staged as a kind of mourning, where, like mourning, staging is a way of mobilising impasse. This enactment is set forth primarily through Derrida’s Aporias, combing through Heidegger, Levinas, Freud, and Agamben’s notion of potentiality and a poetics of inoperativity. Crisscrossing this stage are sustained encounters with works by Caravaggio, Manet, The Atlas Group/Walid Raad, Duchamp, Frances Alÿs, Cezanne, Johanna Billing, and Carlos Amorales. Emphasising the gerund, these stagings are sightings and citings (Samuel Weber), where „signifiability“ is exposed in perpetuity, enabling a constant taking place, displacing, and replacing of signification. Jennifer Hope Davy is an artist and writer based in Berlin. 

Fotini Ladaki
Marga ritt
96 S., br., € 11,90
978-3-7092-0488-7
Wo beginnt das Ich? Entscheiden wir das selbst, oder wird es für uns entschieden? Und wenn wir zu einem Ich geworden sind, sind wir dann gleichzeitig mündig? Ladaki erzählt mit viel Weitsicht und sehr einfühlsam von Individualität und von der Dringlichkeit, demokratisch zu bleiben. 

Volkmar Mühleis
Tagebuch eines Windreisenden
112 S., br., € 12,90
978-3-7092-0483-2
Das Tagebuch eines Windreisenden beschreibt eine Weltreise in 14 Tagen – weltumfliegend, von Europa aus immer westwärts bis nach Neuseeland, dann weiter um den Globus und schließlich zurück. 

Sophie Reyer
Zeit der Bäume
168 S., br., € 18,90
978-3-7092-0479-5
Ilaja hat ihr Gedächtnis verloren. Doch zum Glück gibt es da Merlin, der sie auf der Straße findet und bei sich aufnimmt. Durch das Gespräch mit Bäumen gewinnt sie langsam die Erinnerung an ihre Vergangenheit zurück. Stück für Stück offenbart ihr Merlin, dass sie eigentlich eine Silberweberin ist, ein Wesen aus der Anderwelt, das das Schicksal der Menschen hütet.
Was haben Heuschreckenschwärme, Schweine mit verdrahtetem Gehirn oder die Verkaufszahlen von Sexpuppen mit der Corona-Pandemie zu tun? Sehr viel – glaubt man dem unnachahmlichen Philosophen Slavoj Žižek


Slavoj Žižek
Pandemie! II
Chronik einer verlorenen Zeit
188 S., br., € 22,00
978-3-7092-0449-8
Žižek untersucht die Auswirkungen von Fehlernten auf unsere Nahrungsmittelversorgung, die weltweite Ausbeutung der Beschäftigten im Pflegesektor sowie den zunehmenden Widerstand all jener, die unter „Pandemiemüdigkeit“ leiden. Anhand dieser und anderer Beispiele zeigt er, dass der zeitgenössische Kapitalismus nicht in der Lage ist, die Öffentlichkeit in Krisenzeiten zu beschützen. Virtuos verbindet Žižek Kritische Theorie mit Popkultur und Psychoanalyse und enthüllt dabei die verstörende Dynamik von Wissen und Macht in Zeiten der Pandemie. FREITAG-ZIZEK-REZENSION: HAUPTWIDERSPRUCH

In ihrer Lektüre der Manuskripte von 1844 präsentiert Judith Butler einen Marx, der das Verhältnis von
Mensch und Natur bereits jenseits von instrumenteller Vernunft und Naturbeherrschung zu denken vermochte.

Judith Butler
Marx ökologisch
Pariser Marxlektüren
128 S., br., € 16,00
978-3-7092-0447-4
Die frühen Texte von Karl Marx werden oft als anthropozentrisch bezeichnet. Judith Butler legt in ihrem neuen Buch eine konträre Lesart des Marx’schen Frühwerks vor und mobilisiert dabei die Einsichten des Philosophen für ihre eigene ökologische Ontologie der Interdependenz aller lebendigen Wesen. Vor dem Hintergrund der sich immer weiter verschärfenden Klimakrise und der damit einhergehenden Herausforderungen für das globale Zusammenleben gewinnt Butlers Marxlektüre eine besondere Aktualität. Gemeinsam mit Marx fragt sie nach der Möglichkeit gerechter und nachhaltiger Produktionsverhältnisse, die in der Lage sind, das Überleben von Mensch und Natur langfristig zu gewährleisten. Dieser Band basiert auf einem Vortrag, den die Autorin im Rahmen der Seminarreihe „Lectures de Marx“ vor Studierenden der ENS Rue d’Ulm in Paris gehalten hat.


Kapitalismus im 21. Jahrhundert
Herausgegeben von Shalini Randeria am Institut für die Wissenschaften vom Menschen
mit Beiträgen von Nancy Fraser, Dani Rodrik, Branko Milanovic, Claus Leggewie,
Friedrich Lenger, Wolfgang Merkel und Mariana Mazzucato
168 S. br., €19,90
978-3-7092-0464-1
Kapitalismus ist angeblich alternativlos. Oft verschwiegen wird aber seine inhärente Zerstörungskraft. Alternativlos ist nur, dass der Kapitalismus gebändigt werden muss. Der Kapitalismus hat sich weltweit als einzige Produktionsweise durchgesetzt. Diese Hegemonie ist in der Geschichte der Menschheit beispiellos. Ungeachtet seiner Dominanz, die ihn oft als selbstverständlich erscheinen lässt, bleibt Kapitalismus nach wie vor Quelle eklatanter Missstände und tiefgreifender gesellschaftlicher Spannungen, die nach Antworten verlangen. Ist Demokratie überhaupt mit Kapitalismus vereinbar, oder beruhen beide auf unterschiedlichen, wenn nicht sogar sich widersprechenden Logiken? Ist Kapitalismus ohne Rassismus denkbar? Welche Folgen hat die globale Hegemonie des Kapitalismus für die Begegnung des Klimawandels? Welche Chancen bietet die Pandemie für eine Transformation des Kapitalismus? Führende kapitalismuskritische Denker zeigen die Grenzen des Kapitalismus auf und spüren Wegen zu seiner Zähmung nach. Shalini Randeria ist Rektorin am Institut für die Wissenschaften vom Menschen und Professorin für Sozialanthropologie und Soziologie sowie Direktorin des Albert Hirschman Centre on Democracy am Gradutate Institute of International and Development Studies (IHEID) in Genf. 

Alain Badiou
Was heißt Leben?
Bilder der Gegenwart III
152 S., br., € 19,90
978-3-7092-0444-3
Im dritten und letzten Teil seiner Seminarreihe Bilder der Gegenwart hat sich der französische Philosoph Alain Badiou zum Ziel gesetzt, „die einzige wirklich wichtige Frage der Philosophie zu klären: die Frage des wahren Lebens.“ Was heißt Leben? Was ist ein Körper? Für die herrschende Ideologie unserer Zeit ist der Körper nur ein biologischer Organismus und das Leben nichts anderes als Entstehen und Vergehen. Alles ist vergänglich. Alles, was zählt, ist der gegenwärtige Augenblick. Deswegen ist ein gelingendes Leben ein hedonistisches Leben in körperlichem Genuss. Für Alain Badiou ist das nicht genug. In Was heißt Leben? hinterfragt er den gängigen Konsens und gibt eine erfrischend unzeitgemäße Antwort auf die Frage nach dem wahren Leben. Dazu entwickelt er eine formale Theorie des Körpers, den er als subjektiven Träger einer Wahrheit definiert. Das wahre Leben bedeutet für ihn, Teil eines Körpers, eines Subjekts zu sein und dadurch Anteil an den ewigen Wahrheiten zu haben. Aber wenn es um die Wahrheiten geht, gibt es keine Garantien, denn sie liegen abseits der ausgetretenen Pfade des konventionellen Wissens. Folglich ist das wahre Leben immer ein Wagnis. 

Roberto Simanowski
Das Virus und das Digitale
Corona und das Ende der Demokratie
96 S., br., € 19,90
978-3-7092-0463-4
Das Virus und das Digitale ist die Tiefenanalyse einer Pandemie: von der Corona-App und der Maskenpflicht am Bildschirm bis zur Frage, ob die Corona-Krise die lang ersehnte Chance eines gesellschaftlichen Neuanfangs sein könnte. Covid-19 ist die Hefe der Digitalisierung: Home-Office, Fernunterricht, Online-Shopping, Video-Streaming, Corona-App – wir erleben einen Sprung in die Zukunft, den es in Echtzeit zu begreifen gilt. Simanowski unternimmt diesen Versuch und entziffert verschiedene Phänomene des Corona-Alltags aus einer kultur- und medienwissenschaftlichen Perspektive: das Zoom-Meeting als Enthüllung des optisch Unbewussten, die Corona-App als Machtkampf zwischen Technologie und Gesellschaft, die Anti-Corona-Proteste und Verschwörungstheorien als Kollateralschäden des Internet. Das Fazit ist überraschend und bestürzend: So wie die Corona-Krise die Digitalisierung beschleunigt, so beschleunigt diese den Ausbruch der Infodemie, die auf eine viel bedrohlichere Krankheit verweist: Die Krise der Demokratie. Roberto Simanowski, geboren 1963, war bis 2018 Professor für Kultur und Medienwissenschaften in den USA, Hongkong und in der Schweiz und ist derzeit Distinguished Fellow of Global Literary Studies im Excellence-Cluster „Temporal Communities“ an der Freien Universität Berlin.



Oliver Ruf
Die digitale Universität
200 S., br., € 24,90
978-3-7092-0459-7
Die Transformationen der Wissenschaft, ihrer Systeme und Ordnungen fokussiert sich meist auf eine Politik des Digitalen beziehungsweise eine Politik der Digitalität. Durch die jüngsten Ereignisse, die auch die Universität in eine Krisen- und Ausnahmesituation bringen, gewinnt dieser Aspekt eine besondere Bedeutung. Die unumgängliche Entwicklung neuer Lehr- und Forschungsformate führt zu einem grundlegenden Strukturwandel der Universität. Diese Frage von philosophischer oder universitätstheoretischer Brisanz muss ein ernsthaftes Nachdenken über die Idee der digitalen Universität anstoßen. „Digitalität“ und „Universität“ können nicht länger als voneinander getrennte, unveränderliche Begriffe und Phänomene aufgefasst werden, denn sie sind in ihrer Kombination intrinsisch miteinander verbunden.Oliver Ruf, geboren 1978 in Saarbrücken, ist Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaftler und Kritiker. Ruf ist seit 2012 Professor an der Fakultät Digitale Medien der Hochschule Furtwangen und Gastprofessor am Institut für Theorie und Praxis der Kommunikation der Universität der Künste zu Berlin.


Paul Reinbacher
Fehlvereinfachungen
Komplikationen und Korrekturen
160 S., br., € 17,90
978-3-7092-0454-2
Wie ein Brennglas bündelt die Corona-Krise gesellschaftliche Fragen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Mit den Strategien zu ihrer Bewältigung erreicht aber vor allem die „Sehnsucht nach dem Einfachen“ einen neuen Höhepunkt.  Unterschiedliche Phänomene wie der um sich greifende Populismus und die ausufernde politische Korrektheit, die moralische Dauerempörung und die Digitalisierung im Bildungswesen haben mit dem aktuellen Krisenmanagement eines gemeinsam: das Streben nach einfachen Lösungen für komplexe Problemlagen. Da solche Fehlvereinfachungen jedoch langfristig zu Komplikationen führen, muss die darin zum Ausdruck kommende Hoffnung letzten Endes unerfüllt bleiben. Eine systemische Sichtweise wie in den hier versammelten Beiträgen bietet dazu Korrekturen an. Indem sie zeigt, dass Vorteile und Nachteile gesellschaftlicher Entwicklung und politischer Steuerung stets Hand in Hand gehen, ist sie eine Grundlage für mehr Gelassenheit und Differenzierung in einer Debatte „post coronam“.

Passagen forum
Objektorientierter Ontologie:

Graham Harman
Immaterialismus
128 S., br., € 17,90
978-3-7092-0448-1
Überschalljets, Batman und eckige Kreise – all das ist für Graham Harman ein Objekt. Was aber bedeutet diese Hinwendung zum Objekt für Theorien über die soziale Wirklichkeit? Harmans verblüffende Antwort lautet: die Verabschiedung von allen, klassischen wie neuen, Formen des philosophischen Materialismus. Harmans Buch reagiert auf ein erkenntnistheoretisches Dilemma der Kultur- und Sozialwissenschaften: Erklärt man soziale Phänomene anhand ihrer Bestandteile, droht der Gegenstand selbst aus dem Blick zu geraten; ebenso verfehlt man jedoch das eigentliche Objekt, wenn man sich vor allem für seine Relationen und Wirkungen interessiert. Harman beharrt deswegen auf der Eigenständigkeit menschengemachter Dinge und versucht, dem Wesen gesellschaftlicher Institutionen auf die Spur zu kommen. Dabei gewinnt er Einsichten, die nicht nur die Philosophie und Wissenschaften betreffen, sondern auch der Kunst oder Architektur neue Impulse geben können. Sein innovativer theoretischer Ansatz hat ihm weltweit zahlreiche Anhänger und Unterstützer eingebracht, unter anderem den slowenischen Philosophen Slavoj Žižek. Mit einer Vielzahl an Beispielen und historischen Bezügen veranschaulicht dieses Buch die Grundlagen von Harmans Objektorientierter Ontologie und schließt dadurch eine Lücke in der deutschsprachigen Theorieliteratur.
Graham Harman, 1968 in Iowa City geboren, ist Professor für Philosophie am Southern California Institute of Architecture in Los Angeles.


Giovanni Vassalli
Elemente zur Konstitution der Psychoanalyse als Technik
344 S., br., € 39,00
978-3-7092-0453-5
Die Psychoanalyse müsse ihre eigenen Wege gehen, schrieb Freud einst einem italienischen Kollegen, um ihn daran zu erinnern, dass die analytische Disziplin als ein schöpferisches Handwerk zu verstehen sei, das der Kunst der Sprache verpflichtet ist. Durch die analytische Erforschung des Unbewussten hat die neuzeitliche Wissenschaft einen Bruch in ihrer methodischen Ausrichtung erfahren. Anstatt weiterhin dem evidenzbasierten Wissensdiskurs zu folgen, hat Freud auf eine handwerkliche Kunst im Sinne der griechischen techne zurückgegriffen und sich auf diese Weise ein neues Forschungsinstrument geschaffen: Im gedanklichen Austausch zwischen zwei Menschen verlangt das Zuhören, der Einfall und die gleichschwebende Aufmerksamkeit den Vorrang vor rationalem Vernunftgebrauch. Ausgehend von Symptomen hat sich die Psychoanalyse damit zu einer Indizienwissenschaft entwickelt, um die bis heute gestritten wird. Unter Rückgriff auf Elemente der älteren Kulturgeschichte erläutert Giovanni Vassalli die Plausibilität dieser Wissenschaft. Giovanni Vassalli, geboren 1935 in Solothurn, ist studierter Theologe und Philosoph und lebt als Ausbildungsanalytiker der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse in Zürich.

Hellmut Flashar
Platon
Philosophieren im Dialog
216 S., br., € 24,90
978-3-7092-0452-8
Platons vollständig erhalten gebliebenes Werk hat die abendländische Philosophie geprägt. Das Anliegen dieses Buches ist es, in gut verständlicher Sprache einen Überblick über alle platonischen Dialoge zu geben. Zugänglich, umfassend und übersichtlich bietet es eine ideale Einführung in das facettenreiche Denken Platons. Kein Philosoph hat über die Jahrhunderte bis in die unmittelbare Gegenwart hinein eine so reiche Wirkung erfahren wie Platon. Dabei bleibt der Autor der platonischen Dialoge im Verborgenen: Er selbst tritt nicht als Dialogpartner auf, sondern lässt Sokrates mit anderen diskutieren. Obwohl Platon – der Begründer der „Akademie“ – über eine interne Prinzipienlehre verfügte, hat er seine Philosophie ausschließlich in Form von Dialogen artikuliert. Damit zeigt er, dass das Philosophieren im Sinne einer Suche nach der Wahrheit immer im lebendigen Vollzug stattfindet: Der Dialog ist das notwendige Mittel des philosophischen Denkens. Darin liegt die Einzigartigkeit des platonischen Werkes. 

Srdan Nikolic
Der Abgrund der Freiheit
Zur Politik der Selbstemanzipation bei Machiavelli, Rousseau und Kant
312 S., br., € 35,00
978-3-7092-0465-8
Dieses Buch sieht seine Hauptaufgabe darin, in den Werken von drei so unterschiedlichen Denkern wie Machiavelli, Rousseau und Kant jene Motive kenntlich zu machen, die zum besseren Verständnis und letztlich zu einer Erneuerung der politischen Ontologie der Selbstbefreiung beitragen. Machiavellis Werk befreit das politische Leben von seinen transzendentalen Grundlagen. Es handelt sich um eine neue Auffassung der freien politischen Tätigkeit, die der Selbstbestimmung und der Selbstkreation der modernen Welt zugrunde liegt. Von Machiavellis Radikalität ausgehend, zeigt der Autor eine Kontinuität in der Auffassung der Figur des Bruchs bei Rousseau und Kant auf, um einen grundsätzlichen Konflikt bei allen drei Autoren zu erörtern. Das Volk gegen die Großen, die Armen gegen die Reichen, die Unmündigen gegen die Mündigen: In jedem Fall muss eine (unterdrückte) Seite sich selbst befreien. Eine Notwendigkeit im Befreiungskampf der Unterdrückten ist es, in den Abgrund der Freiheit zu schauen, und Bestandteil jeder emanzipatorischen politischen Tätigkeit ist es, eine virtù extraordinaria zu entwickeln: den Mut, diesen Abgrund und sich selbst vor diesem Abgrund zu erkennen.


Hélène Cixous
Hypertraum
2. Auflage
192 S., br., € 25,90
978-3-7092-0462-7
„Es war vor dem Ende, du bist die Zeit, dachte ich, die Zeit vor dem Ende. Ich hatte noch nie eine so feine Pracht gesehen.“
Hypertraum erkundet die „letzten Zeiten“, zwischen zwei Toden, „vor danach und nach danach“. „Der Unterschied zwischen den allerletzten Zeiten und der letzten Zeit ist der, dass letztere ein Datum hat, die allerletzten aber nicht.“ Zeit der täglichen Salbung der Haut der fast hundertjährigen Mutter der Erzählerin. „Ich werde diese Haut morgen sein.“ Die mütterliche Haut salbend, schreiben diese Bekenntnisse („intus et in cute“) auch „die Haut des Jahrhunderts“, verwoben mit anderen Häuten vergangener Jahrhunderte, mit philosophisch-poetischen Träumen und Bekenntnissen, die mit der Triebkraft von Traum und Trauer arbeiten – wie Derridas Lektüre eines Traumes von Walter Benjamin in Fichus, datiert kurz vor und kurz nach 9/11. Weiterträumend gibt Hypertraum Zeugnis von einer einzigartigen Erfahrung: „In jenen Zeiten nun, in dem Augenblick, wo alles verloren ist, werde ich endlich die Antwort auf den Tod finden, den Weg des Glücks im Schmerz: Es ist etwas-anderes-als ein Traum, es ist der Hypertraum.“

Jacques Derrida
Apokalypse
5. Auflage
132 S., br., € 17,00
978-3-7092-0460-3
Der Tod der Philosophie, das Ende der Geschichte, das Ende des Menschen, des Subjektes, des Abendlandes, des Fortschritts, der Menschheit – Diskurse über das Ende durchziehen das abendländische Denken. In seiner kleinen Schrift „Von einem neuerdings erhobenen vornehmen Ton in der Philosophie“ greift Kant diejenigen an, „die verkünden, dass es seit zweitausend Jahren mit der Philosophie ein Ende habe“, und unternimmt es, den vornehmen Ton zu entmystifizieren. Aber die aufklärerische Grenzziehung gegenüber einem apokalyptischen Diskurs, so zeigt Derrida, entfesselt ihrerseits bloß wieder „eine andere Welle eschatologischer Diskurse in der Philosophie“. Jacques Derrida nimmt Kants Text zum Anlass seiner Reflexionen über den apokalyptischen Diskurs, über einen apokalyptischen Ton in der Philosophie: Gibt es ein Paradigma, eine fundamentale Szene der eschatologischen Strategien? Lässt sich der apokalyptische Ton auf Einstimmigkeit reduzieren? Ist das Apokalyptische vielleicht die transzendentale Bedingung jedes Diskurses? Für diese deutsche Ausgabe stellte Derrida einen zweiten Text zur Verfügung: „No Apocalypse, not now“. Ein Text, direkt, wie sonst bei Derrida nicht üblich, ein philosophischer Text über atomare Endzeitvisionen und die Politik der Abschreckung. 

Robert Bernhart
Die Katze Derridas
Ein Essay über Freiheit
112 S., br., € 12,90
978-3-7092-0451-1
Dieser Essay, der sich an interessierte Laien richtet, handelt von einer anderen Möglichkeit, Antworten zu suchen – also zu fragen und zu lesen. Im Zentrum der Überlegungen steht das Konzept der Schwelle nach Jacques Derrida. Erst gegen Ende seines Lebens erwähnte Jacques Derrida sein langjähriges Konzept der Schwelle, mit dem er Verantwortlichkeit verband. Anhand diverser Spuren aus verschiedenen zeitgeschichtlichen Epochen untersucht Robert Bernhart die Plausibilität dieses Schwellenkonzepts. Insbesondere in Auseinandersetzung mit dem posthum erschienenen Seminar Das Tier und der Souverän entwickelt er dabei Schritt für Schritt den Begriff einer beschränkten Souveränität, aus der sich Gesten verantwortlicher Freiheit bilden lassen. Damit ergibt sich aus dem Werk Jacques Derridas eine neue Handlungsperspektive.


Fotini Ladaki
Der Mensch als Affe Gottes
112 S., br., € 13,00
978-3-7092-0458-0
Obwohl der Mensch nicht im Paradies bleiben konnte, nachdem die Erstgeborenen vom Baum der Erkenntnis gekostet hatten, ist er dennoch der Affe Gottes geblieben. Seine Seele, die sich nie ganz aus ihrem Labyrinth befreien kann, unternimmt Pilgerfahrten auf den Pfaden seines Körpers. Die Seele des Menschen wohnt stets im Fleisch, auch wenn sie nicht aus Fleisch besteht. Daher haben Metamorphosen für die Freiheit der Seele eine zentrale Bedeutung. Vielleicht sind nur sie in der Lage, die Seele zu ermächtigen und ihr eine Überlebenschance zu geben. Die ovidischen Metamorphosen könnten dem Menschen einen anderen Status verleihen, sie könnten ihn in ein Tier, eine Pflanze oder einen Stern verwandeln. Aber er vermag es nicht, diese Verwandlungen aufrechtzuerhalten.Er bleibt der Affe Gottes und schafft brutale politische Systeme oder Pandemien, die wie die Apokalypse über ihn herfallen. Es endet mit einem Märchen: Alexander erteilt seiner Schwester, die nach seinem frühen Tod ins ägäische Meer gesprungen ist und sich in eine Gorgone verwandelt hat, den Auftrag, die Asche Sigmund Freuds aus England zu holen. Sie soll auf der Akropolis neben die Statue der Athene gestellt werden. Denn auch Freud ist ein Gott. 

Götz Wienold
Himmlers Fischteiche
2 Stücke
128 S., br., € 14,90
978-3-7092-0457-3
Zwei (Hör-)Stücke zum Senden oder Spielen: – In Fischteichen versenkt die SS Wertsachen, die sie von Juden erbeutet hat. Wie bekommen sie ihr Eigentum zurück? – Bordelle für amerikanische Soldaten im Irak. Wer sie entdeckt, muss sterben. Heinrich Himmler lässt Zeugen Jehovas in der Nähe eines Konzentrationslagers Fischteiche anlegen und betreiben – dies ist nur eine der vielen Wirtschaftsaktivitäten der SS. In einem der Teiche versenken SS-Leute bei Pogromen erbeutetes Diebesgut. 2002 soll der Schatz endlich gehoben werden. Doch wer gewinnt, und wer bleibt dabei auf der Strecke? Im zweiten Stück ist eine Journalistin aus Venezuela zur Zeit von Hugo Chavez Bordellen für amerikanische Soldaten im Irak auf der Spur. Ihr setzen Geheimdienstleute nach. Ein Polizeioffizier, der sie beschützt, kommt dabei ums Leben. Sie selbst wird bis nach Venezuela verfolgt. Der Krieg kompromittiert die Täterländer doppelt: Sie stürzen andere Länder und sich selbst für Generationen ins Unheil und erlauben ihren Akteuren eigene, private Verbrechen. Dazu brauchen sie das Geheimnis, und um es zu hüten, schrecken sie weder vor Attentat noch Mord zurück. Als Hörspiele konzipiert, eignen sich diese Stücke ebenso für die Bühne. 
Landschaften sind Speichermedien.

Sie speichern Vergangenheit,
doch speichern sie auch Zukunft.
Jedes Landschaftsgedicht ist Schlachtfeldarchäologie,
selbst für noch nicht errungene Siege,
noch nicht erlittene Niederlagen.

Volker Demuth
Fossiles Futur
Gedichte
96 S., br., € 10,90
978-3-7092-0455-9
Mit Fossiles Futur führt der in Berlin lebende Schriftsteller Volker Demuth das Landscape Writing, das er in seinem lyrischen Werk seit drei Jahrzehnten entfaltet, eindrucksvoll fort. Gedichte wilder Stadträume und abgelegener Landstriche, Gedichte archaischer Inseln und archäologischer Abenteuer – Metapher und Imaginäres versetzen Zeit und Raum in poetisches Flirren. Fossiles Futur ist Vers für Vers ein Zeitwenden, gerade jetzt, wo sich mit der politischen Grammatik auch die Vorstellung von Zukunft tiefgreifend ändert. Das imaginäre Morgen, einst von Fortschrittsoptimismus strahlend, beginnt in dunklen Tönen zu flackern. Die lyrische Zeit jedoch läuft anders. Ein utopisches Moment? Volker Demuth, geboren 1961, war Professor für Medientheorie und lebt heute als freier Schriftsteller in Berlin.

Gina Mattiello
Im Bett des Imaginariums
Zahlreiche Farbabbildungen
136 S., br., € 15,90
978-3-7092-0456-6
Ein Versuch einer poetischen Intensivierung in Form von Fußnoten: Die in den Textkorpus eingewobenen Objets trouvés lassen die literarischen Bruchstücke ins Imaginäre wachsen. Landschaftsreste tauchen auf, Erinnerungspartikel, Tag- oder Nachtträume, Momente, in denen sich das Bewusstsein aus dem Fluss der Ereignisse löst, Fragmente, die in verschiedene Richtungen ausbrechen oder wegrauschen. Es könnte irgendwann angefangen haben und immer weiter gehen. Die Sprache oszilliert zwischen dem, was die Autorin auffindet, recherchiert oder beobachtend erfasst. Ein starkes Motiv des Schreibens bildet ein Gedanke von Roland Barthes: „Denn um zu sprechen, muss man sich doch auf andere Texte stützen“. Diese Poetik des Fragments zeigt sich in der Form eines Satzes, eines schon fliehenden, voraus- oder rückwärtseilenden Gedankens, eines losen Bogens oder Einschubes: als energetische Gewebe- und Aggregatzustände. Gleichzeitig spielt das Imaginarium mit dem Bild des begehrenden Subjekts. Unerschrocken zeichnet es Empfindungen auf, liefert sich aus, nimmt immer wieder ironisch und unerbittlich die Schamhaftigkeit in den erweiterten Blick.
Dem Raum des Sprechens folgt Stille, wie wenn etwas im Begriff ist zu verschwinden, Unaussprechliches zwischen Körpern steht, etwas zu Ende geht. Gina Mattiello arbeitet als Vokalistin, Autorin und Kuratorin an den Übergängen von Text, Sprache und Musik.


Roberto Simanowski
Todesalgorithmus
Das Dilemma der künstlichen Intelligenz
112 S., br., € 13,90
978-3-7092-0417-7
Das dystopische Versprechen der künstlichen Intelligenz ist die Heimkehr in ein Paradies, in dem unsere eigene Schöpfung unser Gott ist und uns das Erkennen und Entscheiden abnimmt. Algorithmen beherrschen die Welt, so hört man, heute schon und morgen noch viel mehr. Sie sitzen am Steuer selbstfahrender Autos und lenken mehr und mehr gesellschaftliche Prozesse. Wie programmieren wir sie und was passiert, wenn sie sich schließlich selbst programmieren? Die Angst ist so groß wie die Hoffnung und das moralische Dilemma. Dürfen Algorithmen im Ernstfall entscheiden, wer sterben muss? Wird die künstliche Intelligenz dem Menschen den freien Willen nehmen, ihn vor sich selbst schützen und zurück ins Paradies der Entscheidungslosigkeit befördern? Dieses Buch lädt ein zu einer philosophischen Spekulation über unsere Zukunft. Es handelt von den Aporien und Paradoxien der künstlichen Intelligenz. Es vagabundiert im Denken, verbindet das scheinbar Unverbundene und sieht am Ende in den Erfindern des Silicon Valleys nicht mehr und nicht weniger als die Geschäftsführer von Hegels Weltgeist.

Passagen forum

Jacques Derrida
Die Todesstrafe II
Seminar 2000-2001
448 S., br., € 58,00
978-3-7092-0404-7
In dem zweijährigen Seminar über Die Todesstrafe wird das in Europa bereits erledigt geglaubte, aber irritierend oft wiederauftauchende Thema der Todesstrafe ebenso umfassend wie strikt erörtert, wobei auch tagesaktuelle Bezüge aufblitzen. Das zweite Studienjahr wagt nach einer kurzen Anknüpfung an die zentralen Begriffe des vergangenen Jahres – Souveränität, Ausnahme und Grausamkeit – einen Neuanfang. Dieser ist durch drei Fragen gekennzeichnet, die sich durch die Lektüre diverser Texte (von Kant, Freud, Reik, Heidegger, aber auch Kafka und Benjamin) ziehen: „Was ist ein Akt? Was ist ein Alter? Was ist ein Begehren?“ Neben der Frage, ob es sich bei der Todesstrafe um eine Fremd- oder eine Selbst-Bestrafung handelt, geht es auf einer grundlegenderen Ebene um drei Formen der Verurteilung: die zum Sterben im Allgemeinen, zum Sterben in kurzer Zeit (z. B. an einer Krankheit) und die Verurteilung zum Tode durch ein Strafgerichtsurteil. Hierbei zeigt sich, dass nur Letztere eine Entscheidung impliziert, die Entscheidung des Anderen.



Slavoj Žižek
Pandemie!
Covid-19 erschüttert die Welt
112 S., br., € 14,90
978-3-7092-0441-2
Wir leben in einer Zeit, in der der größte Ausdruck von Liebe darin besteht, zum Objekt seiner Zuneigung Distanz zu halten; in der Regierungen, die für die rücksichtslose Kürzung öffentlicher Ausgaben bekannt sind, plötzlich wie von Zauberhand Milliarden bereitstellen können; in der Toilettenpapier zu einer Ware wird, die kostbar ist als Diamanten. Es ist eine Zeit, in der, so Žižek, eine neue Form des Kommunismus der einzige Weg sein wird, um den Abstieg in globale Barbarei abzuwenden. Unser Planet wurde von einer beispiellosen globalen Pandemie erfasst. Wer könnte ihre tiefere Bedeutung besser ergründen, ihre schwindelerregenden Paradoxien besser aufzeigen und über die Folgen und deren Tragweite eindringlicher spekulieren als der einflussreiche slowenische Philosoph Slavoj Žižek – und das auf atemberaubende, schweißtreibende Art und Weise?
Mit seinem lebendigen Schreibstil und Hang zu populärkulturellen Analogien (Quentin Tarantino und H.G. Wells treffen hier auf Hegel und Marx) liefert Žižek eine ebenso scharfsinnige wie provokative Momentaufnahme dieser Krise, die sich mehr und mehr ausbreitet und uns alle erfasst.


Alain Badiou
Nach Corona: Für eine Politik der Zukunft
Ein Gespräch mit Peter Engelmann
80 S., br., € 14,90
978-3-7092-0439-9
Die Corona-Krise ist weder der verheißungsvolle Beginn eines gesellschaftlichen Umbruchs noch etwas prinzipiell Neues. Aber sie verweist auf die Dringlichkeit eines radikalen Wandels im politischen Denken und Handeln. Für Alain Badiou offenbart die aktuelle Krise in aller Deutlichkeit den Widerspruch, der heute zwischen der globalisierten Wirtschaft und der weitgehend national orientierten Politik besteht. Auch wenn die Staaten in der Krise gezwungen sind, die Imperative der kapitalistischen Profitmaximierung temporär zurückzustellen, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten, bedeutet das nicht, dass dadurch das Primat der kapitalistischen Wirtschaft gebrochen wird. Wie kann dieser Widerspruch langfristig aufgehoben werden? Die Antwort liegt für Badiou in einer dritten Etappe des Kommunismus: Nach seiner glorreichen Erfindung und dem tragischen Scheitern des ersten Versuchs seiner Implementierung muss nun ein globaler Kommunismus entwickelt werden, der der Situation er heutigen Welt angemessen ist und dessen revolutionäres Subjekt nur das nomadische Proletariat sein kann: die Flüchtlinge und Migranten auf der ganzen Welt, die heute die Hauptlast der kapitalistischen Ausbeutung tragen.

Jacques Rancière
In welchen Zeiten leben wir?
Ein Gespräch mit Éric Hazan
80 S., br., € 10,90
978-3-7092-0440-5
Jacques Rancière antwortet in diesem Buch auf die Fragen seines französischen Verlegers Éric Hazan zur Lage der Gegenwart: Wo stehen wir? Was haben die politischen Ereignisse der letzten Jahre zu bedeuten? Welche Möglichkeiten eröffnen sich? Kurz, in welchen Zeiten leben wir? Der Titel dieses Buches ist wörtlich zu nehmen: Im Gespräch mit Éric Hazan durchleuchtet Jacques Rancière die politische Gegenwart. Er spricht vom Volk, von der Demokratie, von Repräsentation, von der ästhetischen und politischen Revolution, von Aufständen der Vergangenheit und Besetzungen der Gegenwart. Vor allem aber spricht Rancière von einer Zeit, der die Geschichte nichts versprochen und der sie keine Lehren vermacht hat – einer Zeit aus reinen Momenten, die so weit wie möglich auszudehnen sind. In der Politik gibt es nur Gegenwarten, und in jedem Augenblick stellt sich von neuem die Frage, ob die Fesseln der inegalitären Knechtschaft erneuert oder Wege der Emanzipation eröffnet werden.


Alain Badiou
Traut den Weißen nicht!
72 S., br., € 9,90
978-3-7092-0426-9
„Gegenwartspolitik gibt es nur mit denen, die zu uns gekommen sind und das universale nomadische Proletariat repräsentieren.“
Alain Badiou untersucht in Auseinandersetzung mit philosophischen, politischen und dichterischen Texten – unter anderem Derridas Von der Gastfreundschaft und Chamoise aus Migranten –, wie es aktuell um die Sache des universalen nomadischen Proletariats steht. Ausgehend von dem französischen Phänomen der Gelbwesten und der Arroganz der Politikerkaste rückt Badiou den Gedanken in den Mittelpunkt, dass die Welt unsere Heimat ist und dass die sogenannten Migranten eine zentrale Rolle in der Gegenwartspolitik spielen. Das Ertrinken im Mittelmeer, die Festnahmen und Abschiebungen dürfen nicht länger geduldet werden. Gemeinsam mit dem universalen nomadischen Proletariat muss an einer Ethik des Welt-Lebens gearbeitet werden, an dem, was Badiou den neuen Kommunismus nennt.

Souleymane Bachir Diagne
Philosophieren im Islam
172 S., br., € 22,50
978-3-7092-0427-6
Souleymane Bachir Diagne zeigt in diesem prägnanten Essay, dass die islamische Welt sich von Anfang an den Herausforderungen der griechischen Philosophie gestellt hat und immer offen war für die Konfrontation mit der Vernunft. Er appelliert an eine Rückbesinnung auf diese Tradition. Im Islam zu philosophieren, bedeutet, die von der muslimischen Tradition überlieferten Texte den Ansprüchen der Vernunft auszusetzen. Das muslimische kulturelle Universum hat seit Avicenna, Averroes und Ghazali nicht aufgehört, diesen anspruchsvollen Dialog zwischen dem offenbarten Wort und einer Vernunft zu führen, die zu freier Interpretation aufruft. In einer Zeit, in der überall die Versuchung der Verschließung und Absonderung lockt und die Gefahren von Kulturkonflikten wachsen, spricht dieses Werk deutlich die Einladung aus, an die alte Tradition des Austauschs anzuknüpfen und die Arbeit an den Fragen unserer Gegenwart damit zu befruchten. Eine Lehre der Vernunft und der Hoffnung.

Françoise Vergès
Dekolonialer Feminismus
168 S., br., € 21,90
978-3-7092-0428-3
„Dekolonial heißt, sich anzuschauen, inwieweit die Gesellschaft strukturell rassistisch und sexistisch bleibt, was sehr oft zusammengeht.“ Das dekoloniale Denken von Françoise Vergès ist intersektional. Vor dem Hintergrund des Weiterlebens der kolonialen Ideologie in den westlichen Gesellschaften kämpft es gegen Sexismus, Rassismus, Kapitalismus und Imperialismus. Es greift zurück auf die Bewegungen und Kämpfe der 1960er- und 1970er-Jahre, insbesondere auf den Black feminism, um an die utopische Kraft des Feminismus anzuknüpfen und an eine Einbildungskraft, die eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft zu tragen vermag. Weil der weiße bürgerliche Feminismus sich dem Kapitalismus andient, ruft die Autorin eindringlich dazu auf, dem Feminismus aufs Neue den Atem einer Bewegung einzuflößen, die soziale Gerechtigkeit, Würde und Achtung zum Ziel hat und einer Politik des Todes eine Politik des Lebens entgegensetzt.

Sophie Reyer
BioMachtMonsterWeiber
(eine Enzyklopädie)
112 S., br., € 12,90
 978-3-7092-0432-0
Sie bevölkern uralte Märchen genauso wie Filme, Comics und die moderne Populär-Kultur: Ungeheuer aller Art. Doch warum wird das Monströse so oft mit dem Weiblichen in Verbindung gebracht? Diese literarisch-wissenschaftliche Suchbewegung soll die Antwort geben. Laut Definition versteht man unter einem Ungeheuer, einem sogenannten Monstrum, ein Wesen von großen, gewaltigen Ausmaßen, das allerdings nicht in der Wirklichkeit existiert, sondern Teil einer Phantasiewelt ist, wobei es immer den Aspekt des Schauerlichen an sich hat. Wörtlich bedeutet der Begriff „Monstrum“, der aus dem Lateinischen stammt, so viel wie „Mahnzeichen“ oder „Mahnmal“, sodass das Monstrum als Schatten-Projektion des menschlichen Denkens, Fühlens und Erlebens gesehen werden kann. Wie aber verhält es sich mit dem Aspekt der Weiblichkeit, der das Dämonische so oft kennzeichnet?
Dieses Handbuch liefert eine Sammlung weiblicher Monster und Mischwesen, die mit eigenem dichterischem Material angereichert ist. Es ist eine Art Spurensuche, die das monströse Weibliche im Kontext der Gegenwart zu verorten versucht.

Jörg Sternagel
Ethik der Alterität
Aisthetik der Existenz
320 S., br., € 36,00
978-3-7092-0433-7
Ausgehend von exemplarischen zwischenmenschlichen Begegnungen in der Lebenswelt, den Künsten und Medien, nähert sich der Autor einer Ethik der Alterität. Diese fußt ihrerseits auf der Aisthetik der Existenz: Mein Auf-der Welt-Sein ist zugleich ein In-der-Welt-Sein und ein Zur-Welt-Sein. Um gängige Dualismen von psychologischen Bewusstseinsvorgängen und physiologischen Mechanismen zu vermeiden, wird Existenz im Sinne Maurice Merleau-Pontys als etwas Konkretes und Beziehungsreiches verstanden: Die Einheit von Leib und Seele ist keine willkürliche Verbindung von „Subjekt“ und „Objekt“, vielmehr etwas, das sich von Augenblick zu Augenblick in der Bewegung der Existenz selbst vollzieht. Ich bin umgeben von Anderen, die mir zuvorkommen und meine leibliche Erfahrung als eine nicht-solipsistische bedingen und ermöglichen. Auf diese Weise erschließt sich nach und nach für jede menschliche, leibgebundene Existenz eine Wahrnehmungslehre, die Lehre einer Situierung in der Welt, in der die Andersheit des Anderen eine permanente und unumgängliche Herausforderung darstellt.

Basil Kerski
Solidarnocz,
Solidarität,
Europa
128 S., br., € 14,90
978-3-7092-0414-6
In Polen wird ein Streit über die Geschichte des 20. Jahrhunderts geführt, der zugleich ein Streit um die Zukunft der Demokratie ist. Es ist ein Konflikt um die Deutung der europäischen Geschichte mit Folgen für die Zukunft Europas.
Basil Kerski beschreibt den Konflikt um die europäische Geschichte in Polen. Auch auf europäischer Ebene entscheiden wir mit der Deutung der Geschichte über die Zukunft des Kontinents. Europas politische Integration erschweren zum einen Defizite im Wissen um demokratische Traditionen, zum anderen das Fehlen einer europäischen Erzählung, die alle Teile des Kontinents umfasst. Im Westen Europas dominiert immer noch das Narrativ einer europäischen Integration der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Kulturen und Zivilgesellschaften des östlichen Europas, die zu den Revolutionen von 1989 geführt haben, sind in der europäischen Erzählung kaum präsent. Ohne ein Bewusstsein über die demokratische und antinationalistische Vergangenheit Europas, warnt Basil Kerski, wird weder eine demokratische noch eine europäische Zukunft möglich sein.

Ditha Brickwell
Wir, der Feind von uns
Nachdenken über die Grundfiguren unserer Angst
136 S., br., € 14,90
978-3-7092-0429-0
Wie im Sturzflug nähert sich Ditha Brickwell zur Nahaufnahme den Krisen unserer Zeit. Der Schleier über den Ursachen wird gelüftet. Es zeigt sich, dass der Wahnsinn des Wachstums, der Hypermobilität, der Schere zwischen Arm und Reich, der Überbevölkerung … schon lange zu erkennen war. Schauen wir doch hin! Wir – der Feind von uns. Dreizehn Essays weisen auf die Wunden unserer Lebenswelt. Vorausschauend, vorausahnend, die Zeichen lesend schreibt Ditha Brickwell in poetischer, bildreicher Sprache, die Leserin und Leser aus dem Nebel der Schlagworte und verkürzten Nachrichten herausführt. Die Themen reihen sich wie Figuren auf einer Drehbühne aneinander, wie dreizehn böse Feen, die in uns tief verschüttete Ängste ansprechen: die Gestalten Krieg und Tod, Erinnern und Vergessen, die schillernde Geldwelt, die zu zerplatzen droht … Das unentwegte Wachstum treibt uns dem Untergang entgegen oder löst in Schubumkehr den Absturz der Wirtschaft aus. Und doch lehrt die Geschichte, dass die Menschheit am Abgrund immer wieder überraschende Lösungen findet. Werden wir uns dieses Mal retten?

Fotini Ladaki
Im Labyrinth der Seele
Oder: Die Seele als Kathedrale des Teufels
120 S., br., € 13,90
978-3-7092-0431-3
Wenn das Unbewusste das Labyrinth der Seele ist, in dem der Minotaurus unserer Traumata lauert, dann ist ein Entrinnen nur möglich, indem wir die Sprache zum Faden der Ariadne machen. Freud hat den Faden der Sprache aufgegriffen und ist ihm wie kaum ein Zweiter gefolgt. Wie das Über-Ich die Instanz des Gewissens, der Moral und unserer Wertvorstellungen ist, so ist das Es ein dunkler Ort, an dem böse und antisoziale Triebe, finstere Gedanken und Gefühle lauern und an dem man manchmal ein Leben lang verweilen muss, weil sich kein Ausweg aus dem Labyrinth auftut. Mit Freud kann daher behauptet werden, dass die unreflektierte Seite der menschlichen Seele eher der Kathedrale des Teufels als einem Gotteshaus ähnelt. Nur wer in der Lage ist, die teuflischen Anteile seiner Seele ins Göttliche zu übersetzen, erfährt seine individuelle Epiphanie – und es ward Licht.
Der Band beschließt – im Anschluss an „Die Geburt der Seele“ und „Der Maskenball der Seele“ – Fotini Ladakis Seelentrilogie.

Eberhard Geisler
A Bigger Splash
Neue Notizen
240 S., br., € 27,90
978-3-7092-0437-5
Die Geschichte der abendländischen Kultur ist durchzogen von der Frage nach Identität, nach Triangulierung und der rätselhaften Figur des Risses. Der Autor weist diese Zusammenhänge an bedeutenden Werken der Literaturgeschichte auf und reflektiert das Wesen von Poesie. In diesem Band setzt der Autor seine Auslotung der Dimensionen künstlerischen Schaffens fort. Ausgehend von Jacques Derridas Kritik des Buchs und dessen alternativem Begriff der Schrift wird der Versuch unternommen, jene Zusammenhänge zu rekonstruieren, die sichtbar werden, sobald Denken und Empfinden nicht länger unter dem Bann des Identitätsbegriffs stehen. Dabei entsteht die Idee einer Kunst, die erst im Vollzug von Riss und Sprengung zu geheimer Rundung gelangt. Vor diesem Horizont tritt nicht nur Eros als treibende Kraft hervor, die die traditionelle, patriarchalisch geprägte Vorstellung von Autorschaft weit hinter sich lässt, vielmehr wird es jetzt auch möglich, dass der Autor selbst sich äußern und eigenen poetischen Skizzen zuwenden kann.

Hermine Batlay
Wiener Erzählungen
96 S., br., € 11,90
978-3-7092-0434-4
Sie und er, eine Liebesgeschichte zu dritt, irgendwo, in Wien vielleicht. Es geht um das Jung-Sein, Älter-Werden und um Sex. Es geht um das Weitermachen und Innehalten, wenn alles schon zu spät scheint. Irgendwo, in Wien vielleicht, in einer gutbürgerlichen Wohnung hat sich etwas zugetragen, das vielleicht erzählenswert war, als es geschah, und das schönste fiktive Literatur ist.
Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund einer mysteriösen urbanen Umwelt, die alle in ihre Wohnungen sperrt und dem Individuum feindlich gesonnen ist. Ein Liebespaar wagt sich hinaus auf die Straßen und versucht, seine Liebe trotz aller gesellschaftlicher Konventionen, die dagegenstehen, zu leben – zu zweit, zu viert, zu dritt, mit Kindern. Das Schwierige, das Hoffnungsvolle und das Humorvolle kommen dabei nah beieinander zum Liegen.

Robert Stähr
Plan
160 S., br., € 17,90
978-3-7092-0435-1
Die Geschichte einer Obsession: Ein Mann entwirft Pläne zur Umgestaltung seiner städtischen Umgebung. Aus dem zunächst harmlosen gesellschaftlichen Engagement erwächst die Wunschvorstellung der Übernahme politischer Macht und schließlich der autoritäre Traum von einer nach Plan funktionierenden, konfliktbefreiten Gesellschaft. Im Takt seiner täglichen Routine, der nur durch die Variationen des immer gleichen Traumes unterbrochen wird, beobachtet, kommentiert und kritisiert der Ich-Erzähler seine Umgebung: Auf Spaziergängen durch den nahe gelegenen Park und die Straßen der Stadt, bei Treffen und Erledigungen wird der Mann mit Unregelmäßigkeiten konfrontiert, die er als Mängel der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung erlebt. Nach und nach entwickelt der Erzähler Pläne, um diese Ordnung zu reformieren. Je länger aber seine Bemühungen, Mitstreiter für sein Vorhaben zu finden, erfolglos bleiben, desto mehr wächst sich sein Engagement zur Obsession aus. Der Erzähler träumt von einer konflikt- befreiten Gesellschaft, einem perfekten sozialen Räderwerk, das von ihm und seinen imaginierten Helfern beherrscht wird.

Romana Hagyo
Über das Wohnen im Bilde sein
184 S., br., € 22,90
978-3-7092-0436-8
Im Kontext der Debatte um Potentiale und Grenzen künstlerischer Forschung unternimmt diese Studie das Experiment, die Arbeitsweisen der Kunstwissenschaft und der bildenden Kunst abseits wechselseitiger Illustration oder Interpretation zu verbinden.
Romana Hagyo befragt Konzeptionen des Öffentlichen und Privaten und deren Verknüpfung mit geschlechterspezifischen Zuschreibungen in ausgewählten Darstellungen des Wohnens in der zeitgenössischen bildenden Kunst. Es werden Projekte von Maja Bajevic, Christian Hasucha, Hiwa K, Dorit Margreiter, Julia Scher und anderen diskutiert, die die Diffusion öffentlicher und privater Räume im Wohnen zum Thema machen. Ein Schwerpunkt liegt auf der potenziellen Durchdringung öffentlicher und privater Räume im Kontext von Flucht, Migration und Obdachlosigkeit. Parallel dazu verläuft die Fragestellung, die Romana Hagyo und Silke Maier-Gamauf mit ihren künstlerischen Arbeiten Test.Test.Liegen und SOFA-STOFF verfolgen. In der Zusammenführung des Künstlerischen und Diskursiven gelingt es, über das Wohnen im Bilde zu sein.

Stefan Lindl
Die authentische Stadt
Urbane Resilienz und Denkmalkult
160 S., br., € 17,90
978-3-7092-0306-4
Weiterbauen statt Neubauen! – Das Leitbild „Authentische Stadt“ ist ein Gegenentwurf zur Neuplanung ohne Geschichte. Es beruht nicht auf dem Kult um das Original, sondern auf der performativen Erzeugung historischer Werte. Sie steigern die Qualität des urbanen Raums durch Erinnerung und Identität. Um 1900 entwickelte sich mit dem modernen Denkmalschutz die originale Materie zum höchsten Gut. Rekonstruktionen wurden hingegen als historisch wertlos erachtet. Trotz dieser deutlichen Abwertung gegenüber dem Original verleihen sie dem urbanen Raum historischen Wert. Wird das originale Objekt obendrein dekonstruiert, erscheint seine Materie marginal im Vergleich zu seiner sozialen Konstruktion. Somit stellt sich die Frage, ob sich das Konzept des Originals überhaupt eignet, den historischen Wert von Baubestand zu taxieren. Es bedarf vielmehr einer egalitären Sichtweise: So wird das wertende „original“ durch das neutrale „authentisch“ ersetzt. Das Authentische löst Gefühle der Bewunderung, der Ehrfurcht, der Begeisterung aus. Diese emotionalen Zustände will die authentische Stadt hervorrufen, um einen ästhetischen Beitrag zur urbanen Resilienz zu leisten.

Christoph Metzger
Theorie der Abstraktion
284 S., br., € 31,00
978-3-7092-0430-6
Um 1880 wurden in den Künsten Verfahren der Abstraktion entwickelt. In der politischen aufgeheizten Situation der 1960er-Jahre kommt es zu einem Revival der abstrakten Kunst, das durch experimentelle Filme und raumbildende Formate der Installation geprägt ist. Christoph Metzger gibt in seinem Buch einen chronologischen Überblick über die Geschichte der Abstraktion: von ihren Anfängen bei Paul Cézanne, Claude Monet, Wassily Kandinsky und Piet Mondrian über ihre musikalische Weiterentwicklung in den Kompositionen von Anton Webern, John Cage und Morton Feldman bis zu ihrer Wiederentdeckung bei Jackson Pollock, Willem de Kooning, Cy Twombly oder Gerhard Richter. Wissenschaftsgeschichtlich speist sich die Theorie der Abstraktion aus Erkenntnissen der Gestalttheorie, die Phänomenen der Mustererkennung verpflichtet ist. Die Konditionierungen der Menschen ändern sich im Lauf des Lebens und spiegeln sich in ästhetischen Erfahrungen wider, die Abstraktion und Mustererkennung zur bedeutenden kognitiven Leistung menschlicher Existenz machen.

Oswald Auer
PASSE-PARTOUT
Mit Beiträgen von Joseph Cohen, Raphael Zagury-Orly
122 S., br., € 35,00
978-3-7092-0365-1
„Passe-partout“ bedeutet wörtlich „überall durchkommen“. Inhalt des Künstlerbuches sind Zeichnungen, die vor einigen Jahren in Israel entstanden sind, und ein Aufsatz über das Verhältnis von Kunst, Gerechtigkeit und Wahrheit, der die Bleistiftzeichnungen in französischer und deutscher Sprache umkreist. Bei den Zeichnungen von Oswald Auer findet eine Umkehrung statt, die das Bild um die offene Stelle der Kartonumrahmung lokalisiert. Dargestellt sind fünf leerstehende Fremdenzimmer. Deren Fenster und der Ausschnitt des Passepartouts überschneiden sich, in diesem Segment ist die Leere des da-hinterliegenden Papiers zu sehen. Die Handzeichnungen sind in „pointillistischer“ Methode ausgeführt und bestehen aus unzähligen Bleistiftpunkten. Der Punkt ist dabei so etwas wie die kleinstmögliche Form. An der Grenze zum Nichts stellt er eine Art Behauptung dar. Von der Handschrift des Künstlers ist dabei wenig zu spüren. In dem die Zeichnungen begleitenden Essay „Wahrheit setzt Kunst setzt Gerechtigkeit voraus“ von Joseph Cohen und Raphaël Zagury-Orly geht es nicht nur darum, die Heterogenität des Verhältnisses von Kunst und Gerechtigkeit zur Wahrheit aufzuzeigen; anhand dieser Trias wird auch entfaltet, in-wiefern die ihr immanente grundlegende und ungelöste Distanz die Wahrheit immer wieder zu einem Ausdruck zwingt, der jenseits ihrer selbst liegt.

Herwig Steiner (1956L)
Kunst der Attrappe
Aufführungen der Gewissheit. Kunst wie Sammeln kostbarer Ansichten
Herausgegeben von Andreas Manak, Friedrich J. Reif-Breitweiser mit einem Nachwort von Andreas Manak
128 S., br., € 24,00
978-3-7092-0374-3
Ein Kunstwerk, das die Selektions- und Reproduktionsverhältnisse gesellschaftlicher Konvention erfasst, bildet nicht mehr ab, es dringt direkt in die Schichten der Wirklichkeit. Dazu bedarf es Techniken der Auflösung. Durch Umstülpen traditioneller Vereinnahmungsprozesse in der bildenden Kunst entstanden Aufführungen, also Handlungen, die das Bild homogener Wirklichkeit paralysierten und die Betrachterposition, diese vermeintlich verfügbare reflexive Bestimmungsinstanz, aufhoben.
Eine Kunst der Attrappe exponierte jahrelang Betrachtersouveränität. „Jenes Sehen, sich selbst betrachten zu lassen, zu beobachten, ob es sich dabei erkennt, ist den Attrappen gegeben.“ Es geht um die Frage, ob Konvention, ihre Sucht nach Vereinfachung und Feststellung, die aus ihren Elementen hergestellten Fallen begreift, sie umgeht und zerlegt oder ob ihre Zuordnungen sich „trophäenartig“ zu einer neuen performativen Kunstform herausbilden. „Die (ideengeschichtlichen) Kulissenarbeiter entfernen die unbrauchbar gewordenen Konstruktionen.“

Passagen Literatur

Zwischen den Zeilen
Gedichte Hebräisch/Deutsch
herausgegeben von Yael Almog und Michal Zamir
illustriert von Maya Attoun
144 S., 5 Abb. br., €  16,00
978-3-7092-0387-3
Dieser zweisprachige Lyrikband beinhaltet ausgewählte Gedichte von zwei in Deutschland lebenden israelischen Lyrikerinnen, Zehava Khalfa und Maya Kuperman, sowie von zwei deutschen Dichterinnen, Heike Willingham und Gundula Schiffer, deren Gedichte ihre Aufenthalte in Israel sowie Begegnungen mit der hebräischen Sprache und Kultur reflektieren. Die für den Band ausgewählten Gedichte beschäftigen sich mit gegenwärtiger jüdischer Identität, indem sie sich mit Migration und transnationalem Schreiben sowie Geschlecht und allgemeinen Alltagserfahrungen aus weiblicher Perspektive in beiden Ländern auseinandersetzen. Der Lyrikband enthält Gedichte in Originalsprache (Deutsch/Hebräisch) mit beigefügter Übersetzung (Hebräisch/Deutsch). Durch dezidierte Untersuchungen weiblicher Erfahrungswelten bietet der Band eine besondere Betrachtungsweise von deutsch-hebräischem Bilingualismus, deutsch-israelischen kulturellen Beziehungen und junger israelischer Migration nach Deutschland. REZENSION

Alain Badiou
Was verstehe ich unter Marxismus?
64 S., br., € 8,90
978-3-7092-0299-9
In einem konzisen Vortrag legt Alain Badiou sein Verständnis des Marxismus dar und verleiht dabei seiner eigenen Philosophie neues Profil. Ausgehend von seiner persönlichen Beziehung zum Marxis? mus skizziert Alain Badiou seine Quellen und Entwicklungen. Dabei nimmt er eine Reihe von Verschiebungen marxistischer Begriffe vor, indem er den Akzent seiner Analyse auf den Klassenkampf und das Erkennen von Klasseninteressen legt. Auf diese Weise entsteht eine Definition des Marxismus, die ihn als „Denken der Verwandlung der Erkenntnis in Handeln" bestimmt und den Schwierigkeiten ent? geht die mit der Definition des Marxismus als Wissenschaft oder Politik verbunden sind. Schließlich stellt Badiou mit der Frage nach dem Marxismus auch die große Frage der Moderne: Wenn der Kapitalismus vor allem deswegen (vorerst) gewonnen hat, weil er sich mit der Moderne gleichzusetzen wusste, wie kann die kommu? nistische Idee vor dem Hintergrund der gegenwärtigen globalen Verhältnisses mit dem Projekt der Moderne verbunden werden? Alain Badiou, geboren 1937 in Rabat, Marokko, lebt als Philosoph, Mathematiker und Romancier in Paris.  Link: FAZ (neu)    Badiou-Interview
Ein Terroranschlag in Berlin, der die Gesellschaft in Schockstarre versetzt:


Fernand Guelf
Der Ausnahmezustand
200 S., br., € 22,00
978-3-7092-0406-1
Leon fliegt an einem Wintermorgen nach Berlin. Zum gleichen Zeitpunkt will Eduard der Stadt den Rücken kehren. Ein terroristischer Anschlag am Flughafen Tegel bringt beide kurz zusammen. Leon wird Opfer des Anschlags und Eduard eignet sich dessen Papiere an. Mit der neuen Identität übernimmt er Leons Vergangenheit, zu der auch Amelie gehört, die Leon im Darknet kennengelernt hatte. Beide verbindet ein eigenartiges Verhältnis zum Tod. Der Ausnahmezustand stellt in Rückblenden und Einzelaufnahmen drei unterschiedliche Schicksale dar, die sich vor dem Hintergrund außergewöhnlicher Ereignisse und gesellschaftlicher Entwicklungen auf dramatische Weise annähern. Der Roman beschreibt eine paralysierte Gesellschaft, die handlungsunfähig einer fatalen Entwicklung ausgeliefert ist.
Passagen forum

Jacques Derrida
Der Meineid, vielleicht
(„jähe syntaktische Sprünge“)
112 S., br., € 14,90
978-3-7092-0403-0
Kann man einen Meineid aus Zerstreuung begehen? Nicht mit der Absicht, das Gesetz zu übertreten, sondern einfach, weil man „nicht daran denkt“? Der Meineid, vielleicht, 2002 verfasst, fragt nach dem Verhältnis von Lüge und Fiktion. Was geschieht, wenn die Grenze von Geschichtenerzählen und Lügen undeutlich wird? Ausgehend von der Lektüre des Romans Der Meineid des Übersetzers und Schriftstellers Henri Thomas untersucht Jacques Derrida die komplexe Figur des Meineids. Dabei schließt er an seine früheren Arbeiten über Vergebung, Versprechen, Lüge, Zeugenschaft und deren Verhältnis zur literarischen Fiktion an. Die Stilfigur des Anakoluths – des abrupten Abbruchs der Rede –, die Thomas’ Text prägt, erlaubt es Derrida, nach den Figuren des „vielleicht“ und des „als ob“ zu fragen, die die literarische Fiktion heimsuchen. Wie steht es um das Geheimnis der Literatur, um ihre Verantwortung und die des Erzählenden, wenn die Grenze zwischen Lüge und Fiktion, zwischen Geschichtenerzählen und Lügen undeutlich wird?

Passagen forum

Jean-Luc Nancy  /Mathilde Girard
Mit eigenen Worten
Gespräch über den Mythos
128 S., br., € 16,90
978-3-7092-0327-9
Im Gespräch mit Mathilde Girard verfolgt Jean-Luc Nancy den Faden, den der Mythos zwischen seinem Leben und seinem Denken spinnt. Schnell wird dabei klar: Sobald man angefangen hat, über sich selbst zu sprechen, ist man bereits auf dem Feld des Mythischen. Nancy nähert sich der Frage des Mythos ausgehend vom Biografischen: In der Rückschau auf sein gemeinsames Leben und Schaffen mit Philippe Lacoue-Labarthe lässt sich aufzeigen, was daran seitens des Mythos am Werke gewesen ist. Die biografische Erzählung malt dabei nicht nur ein Porträt der intellektuellen Landschaft des Frankreichs der 1960er- bis 1980er-Jahre en miniature, sondern liefert auch eine leicht zugängliche Einführung in Nancys philosophisches Denken, welche die maßgeblichen Gegenstände seiner Arbeit durchmisst: von der deutschen Romantik über die Literatur, das Theater, die Politik und Psychoanalyse bis hin zu dem Begriff der Mimesis und der bei Nancy kürzlich wieder aktuell gewordenen Frage nach dem Selbst. Alles dargelegt mit eigenen Worten. Aber es zeigt sich, dass das Eigene ebendas ist, was im Mythos auf dem Spiel steht und insofern selbst mythisch ist. Das Gespräch über den Mythos ist demnach seinerseits ein Stück Mythologie.

Robert Skidelsky
Die Automatisierung der Arbeit
144 S., br., € 16,00
978-3-7092-0413-9
Welche Auswirkungen werden Automatisierung und künstliche Intelligenz auf die Arbeit und das „gute Leben“ haben? In einer Reihe von Essays beleuchtet Robert Skidelsky die weitreichenden Implikationen der modernen Entwicklungen der Arbeit und skizziert Handlungsmöglichkeiten. Zwar trägt die Reduktion von Arbeitszeit wesentlich zu materiellem und spirituellem Wohlergehen bei, aber die von Keynes vorausgesagte 15-Stunden-Arbeitswoche ist auch in den führenden Industrieländern nie verwirklicht worden. Worin bestehen heute die notwendigen Voraussetzungen für eine Reduktion der Arbeitszeit und welche Möglichkeiten birgt sie? Robert Skidelsky plädiert für die Entwicklung einer Ethik, die auf die Ziele der Technologie fokussiert. Ein Leben, das zugleich menschlich und menschenwürdig ist, ist nur durch die Förderung der Freizeitausbildung anstelle eines sinnlosen Wettlaufs des Menschen mit Maschinen und durch die Würdigung der Unvollkommenheit als Voraussetzung aller menschlichen Bemühungen möglich.

Axel Hecker
Eine kleine Naturgeschichte der Freiheit
120 S., br., € 13,90
978-3-7092-0416-0
Die philosophische Behandlung des Freiheitsproblems steckt in Aporien fest, während Hirnforscher Freiheit leichthin zur Illusion erklären. Axel Hecker zeigt, inwiefern eine undogmatische Biologie Denkmöglichkeiten bereitstellt, die aus dieser Konfusion hinausführen. Die von der Hirnforschung vor Jahren vorgetragene These, Freiheit sei eine Illusion, steht unerledigt im Raum. Die Philosophie, die sich dazu berufen sah, Freiheit und Geist zu verteidigen, hat darauf nur schwach und mit Rückzugsgefechten reagiert. Die hier erzählte „kleine Naturgeschichte der Freiheit“ sucht eine alternative Herangehensweise an dieses Problem. Die These lautet: Handlungsfreiheit (die Freiheit zu tun, was man will) kann aus Grundbestimmungen des Lebendigen, wie sie von dem Biologen Humberto Maturana entwickelt wurden, abgeleitet werden. Und Willensfreiheit (die Freiheit zu wollen, was man will) stellt eine besondere Fähigkeit jenes Lebendigen dar, das über Sprache verfügt: nicht die Fähigkeit, Dinge mit Wünschen zu belegen, sondern diejenige, Wörter oder Sätze darüber zu äußern, wie man selbst sein will.


Hellmut Flashar
Hellenistische Philosophie
144 S., br., € 16,00
978-3-7092-0407-8
Mit Platon und Aristoteles erreichte die griechische Philosophie ihren vorläufigen Höhepunkt. Erst im Zeitalter des Hellenismus (ca. 300 v.Chr.) gelangen mit Epikur und der Stoa zwei neue Philosophenschulen an die Öffentlichkeit, die ein enormes Innovationspotential entfalten. Im Zeitalter des Hellenismus erhält die Philosophie durch die fast gleichzeitig in Athen gegründeten Philosophenschulen der Stoiker und der Epikureer neue Impulse. Beide Schulen entwerfen ein komplettes philosophisches System mit Naturlehre, Erkenntnistheorie und Ethik, verfolgen jedoch ganz unterschiedliche Ziele: während die Stoiker dem Gemeinwesen zugetan sind und die Bedeutung der Pflicht hervorheben, ziehen sich die Epikureer aus der Politik zurück und stellen die Lust ins Zentrum ihrer Lehre. Angereichert durch Kynismus und Skeptizismus wird die hellenistische Philosophie in der Folge nicht nur zum primären Gegenstand der philosophischen Auseinandersetzung bei den Römern und im frühen Christentum, sondern ist bis heute ein viel diskutierter und rezipierter Bereich des abendländischen Denkens.


Andrea Christoph-Gaugusch
Philosophie eines mittleren Weges
136 S., br., € 14,90
978-3-7092-0410-8
Wir begreifen uns als Beobachter begrifflich, so wie wir Welten begrifflich begreifen. Wir sind als Beobachter real und zugleich konzeptuell begriffen. Durch die Beobachtung von Beobachtern lässt sich daher ein Mittelweg zwischen Realismus und Relativismus entfalten. Wahrnehmung, Kognition, Erinnerung, Bewusstsein und Aufmerksamkeit – das sind Begriffe, die einen Beobachter voraussetzen, um bedeutungsvoll sein zu können. Umgekehrt wird ein Beobachter überhaupt erst zu einem Beobachter im Hier und Jetzt, indem er wahrnimmt, denkt, sich erinnert, bei Bewusstsein und aufmerksam ist: ein zirkulärer Prozess zwischen Beobachter und Beobachtetem ohne Fundament. Begriffe ermöglichen es, diesen wechselseitigen Entstehungsprozess zu beschreiben. Gedachte Begriffe lassen sich als verkörperte, begriffene Berührungen rekonstruieren. So lässt sich, in dem man Beobachter und ihr Beobachten beobachtet, im Kontext der Kognitionswissenschaften die Philosophie eines mittleren Weges entwickeln, die weder vom Beobachter noch vom Beobachteten ausgeht, sondern ihr Entstehen in gegenseitiger Abhängigkeit im Blick hat.


Axel Hecker
Wunsch und Bedeutung
Grundzüge einer naturalistischen Bedeutungstheorie
160 S., br., € 17,90
978-3-7092-0415-3
Prominente philosophische Bedeutungstheorien kümmern sich kaum um die natürlichen Vorausset-zungen, die es dem Lebewesen Mensch ermöglichen, eine Welt von Bedeutungen zu erschaffen. Mit „Wunsch und Bedeutung“ schließt Axel Hecker diese Lücke der Theoriebildung. Bedeutungen entstehen aus der Kraft des Wünschens. Dies lässt sich an Kindern, die mit dem Sprechen gerade erst beginnen, leicht erkennen. Wünsche haben die überlebenstechnisch unentbehrliche Funktion, ein Lebewesen mit einer grundlegenden Orientierung zu versehen. Das Lebewesen Mensch hat es kraft seiner natürlichen Sprechfähigkeit und seiner hohen Sozialbegabung dahin gebracht, das Wünschen ins Sprachliche zu verlängern und auf diese Weise eine Welt zu imaginieren, die aus Bedeutungen besteht. Die hier vorgelegte Konzeption versteht sich als eine zu Ende gedachte Gebrauchstheorie der Bedeutung, wie sie von Wittgenstein vorgetragen wurde: Bedeutungen sind Phantasieprodukte, die nicht buchstäblich existieren müssen – es genügt, dass Menschen ihr Leben gestalten, indem sie damit umgehen.


Alfred Nozsicska
Das Seinsprinzip
Ein ontologischer Nachtrag zum Strukturalismus
152 S., br., € 16,90
978-3-7092-0408-5
Die Schrift versteht das in der Philosophie unter dem Namen „Sein“ Gehandelte nicht als eine (wie auch immer) existierende Entität, sondern als das Phantom des Unendlichen, das im Endlichen des Seienden einzig durch die Sprache real wird. Die Ausgangsthese des Textes lautet, dass Sein ein Phantom des Unendlichen im Endlichen, das heißt im Seienden, darstellt. Im Zuge eines Rückgriffs auf die Grundbegriffe des linguistischen Strukturalismus, wie den der (reinen) Differenz, der Arbitrarität des Sprachzeichens, des Signifikanten etc., wird versucht zu zeigen, dass die kompositorische Logik der Struktur auf einer Logik des Seins, einer Onto-Logik, beruht. Im Zuge der Herausarbeitung dieser Onto-Logik entwickelt der Autor eine Art meta-evolutionäre Theorie, die dem Sein einen Zweck zuweist, nämlich das „Überleben“ jener Spezies, die der Sprache unterworfen ist, zu sichern. Dies erlaubt den Schluss, dass das, was im natürlichen Bereich das Überlebensprinzip darstellt, im nicht-natürlichen Bereich das Seinsprinzip ist. Da der Mensch beiden Bereichen angehört, ist es das mit der Sprache verbundene Seinsprinzip, das die Grenzen seiner Welt definiert.

Timothy Snyder
Und wie elektrische Schafe träumen wir
Humanität, Sexualität, Digitalität
96 S., br., € 12,00
978-3-7092-0412-2
Digitale Wesen beuten unsere Tendenz zur Selbstüberschätzung aus, fördern unsere falschen Überzeugungen, instrumentalisieren unsere sexuellen Ängste, reduzieren uns auf isolierte Tiere. Timothy Snyder diskutiert die Gefahren, die aus der digitalen Welt erwachsen. Der Historiker Timothy Snyder nimmt den 1950 entwickelten Turing-Test des englischen Mathematikers und Logikers Alan Turing und eine etwa zeitgleich erschienene Kurzgeschichte von Isaac Asimov zum Ausganspunkt, um verschiedenen Konstellationen der Interaktion zwischen menschlichen und digitalen Wesen nachzugehen. Unweigerlich ergeben sich daraus Problemstellungen betreffend Ethik, Freiheit und Wahrheit. Und es stellt sich die grundlegende Frage: Was heißt es, Mensch zu sein? Snyders Zeitdiagnose fällt dabei düsterer aus als die dystopischen Visionen der Science-Fiction-Literatur. Es gibt in unserer Zeit, so der Autor, bereits Ansätze einer digitalen Tyrannei, die sich durch eine systematische Negation der Wahrheit auszeichnet. Sein Fazit: Ohne Festhalten an der Wahrheit und an Fakten lassen sich weder Freiheit noch Demokratie bewahren.


Jacques Derrida
Die Augen der Sprache
Abgrund und Vulkan
96 S., br., € 11,90
2. durchgesehene Auflage
978-3-7092-0419-1
„Dieser Brief hat keinen testamentarischen Charakter, wenngleich er 1985 nach dem Tod Scholems in seinem Nachlass gefunden wurde. Dennoch kommt er nun hier an, kehrt uns wieder und spricht zu uns nach dem Tod seines Unterzeichners … Man hat manchmal den Eindruck, ein Wiedergänger kündige uns die erschreckende Rückkehr eines Phantoms an.“ In Die Augen der Sprache liest Jacques Derrida einen Brief von Gershom Scholem an Franz Rosenzweig vor dem Hintergrund seines Seminars von 1986/87 „Philosophische Nationalität und Nationalismus. Das Theologisch-Politische (heilige Sprache, säkulare Sprache: die Erwählung, der Bund, das Versprechen)“. Scholem schrieb den Brief 1926 als Zionist aus Palästina an den Antizionisten Rosenzweig. Thema des in deutscher Sprache geschriebenen Briefes ist die Säkularisierung der hebräischen Sprache im Moment ihrer „Aktualisierung“ und Modernisierung zur Alltagssprache in Palästina. Derrida analysiert den apokalyptischen Ton dieses „Bekenntnisses über unsere Sprache“ und die von Scholem befürchtete Drohung einer „rächenden Rückkehr der heiligen Sprache, deren religiöse Gewalt gegen ihre Sprecher ausbrechen wird“, im Licht der These, dass das Problem, das diese Umwandlung der heiligen zur säkularen Sprache aufwirft, durch und durch politisch sei.


Colin Crouch
Der Kampf um die Globalisierung
88 S., br., € 10,90
2. durchgesehene Auflage
978-3-7092-0418-4
Um kaum einen Begriff der jüngeren politischen Geschichte gibt es so viele Kontroversen wie um den der Globalisierung. Was links und was rechts ist, ist dabei oftmals nur noch schwer zu unterscheiden. Mit seiner differenzierten Analyse der Globalisierung bringt Colin Crouch Klarheit in diesen ideologisch aufgeheizten Konflikt. Crouch zeigt, dass es weder wünschenswert noch möglich ist, die Globalisierung aufzuhalten. Es kommt aber darauf an, die internationalen Institutionen zu stärken um die Globalisierung zu zivilisieren. So wie die sozialdemokratischen Ideen des Sozialstaates Europa eine lang anhaltende Periode des Wohlstand und des Friedens gebracht haben, müssen heute sozialdemokratische Ideen des Interessenausgleichs die Basis von Reformen der internationalen Institutionen werden, damit der hemmungslosen Profitgier transnationaler Konzerne und ihrer zerstörerischen Kraft nicht das Feld überlassen wird.


Ladaki, Fotini
Der Maskenball der Seele
136 S., br., € 15,90
978-3-7092-0409-2
Die Masken der Seele werden von den traumatischen Feldern ihres Unbewussten angefertigt. Dort lauern die „Gespenster“, die dafür Sorgen, dass die Vergangenheit unzerstörbar bleibt, während die Gegenwart dazu verurteilt ist, sich immer wieder totzustellen. Deswegen befindet sich die Seele stets in der Verbergung. In dem zweiten Teil der „Trilogie der Seele“ geht es um die Maskeraden der Seele und den Maskenball, den sie ohne Unterlass veranstaltet, um unerkannt zu bleiben. Dabei ist dies ursprünglich gar nicht ihre Absicht. Vielmehr kann die Seele nicht anders, als sich hinter Masken zu verbergen, da sie von den Dämonen ihrer Traumata bedroht wird. Ihre Verhüllungen dienen letztlich ihrem eigenen Schutz. Wenn die Seele Freude daran empfindet, dass niemand auf das Geheimnis hinter der Maske kommt, so ist sie mit dem Rumpelstilzchen der Gebrüder Grimm vergleichbar, das mit derselben Freude sein Liedchen singt: „Ach, wie gut ist, daß niemand weiß, daß ich Rumpelstilzchen heiß“. Doch die Techniken der Psychoanalyse erlauben es, der Seele auf die Schliche zu kommen und sie zu demaskieren.

Götz Wienold
Alarich Arthur Athanasius
und die Söhne von Megaprazon
184 S., br., € 19,90
978-3-7092-0411-5
Ein älterer Homosexueller, mit seinen Gefühlen an zwei junge Männer gebunden, wird unwillentlich Mitwisser von Verbrechen. Trotz der allmählichen Demokratisierung Europas nach der französischen Revolution und den Kriegen des 20. Jahrhunderts ist eine starke, verehrende Anhänglichkeit ans Royale verblieben. Diese wird versinnbildlicht in Megaprazon – ein Staat, unauffindbar im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts, sein fiktiver Name Goethes Fragment „Reise der Söhne Megaprazons“ entliehen. Ein Jahrmarkt der Eingebildetheit, in dem vor der Heirat des Prinzen Xenon ein dubioser Junggesellenabschied stattfindet. Dieser wird ermordet, drei Jahre später sein Vater. Athanasius, Privatlehrer Xenons und, nach dessen Tod, seines Bruders Zirkon, besitzt, ohne das zu wissen, den Schlüssel zu diesem Verbrechen. Obwohl Antimonarchist, ist er Schmarotzer des schalen Glamours der Prinzen, schwul, mit seinen Gefühlen an beide gebunden. Erst spät wird er sich seiner Komplizenschaft bewusst. Die homoerotische Bindung behält bis zuletzt die Überhand. Sein letzter Satz: „Ich wünschte, ‚König‘ würde ein schlechtes Wort.“


Sophie Reyer
BioMachtBäume
106 S., br., € 11,90
978-3-7092-0364-4
Warum über Bäume schreiben? In einer technikzentrierten Gesellschaft gelten Bäume als Substanzträger des Lebens, und in Zeiten, in denen biopolitisch Macht durch das Steuern von Lebensprozessen ausgeübt wird, ist eine kritische Beschäftigung mit historischem Material zum Thema Bäume ein wichtiges philosophisches Unternehmen. Bäume begegnen uns in den unterschiedlichsten Winkeln der Welt: In der Botanik, in der Philosophie – man denke hier nur an die sogenannten Baumstrukturen, deren hierarchische Prinzipien spätestens mit Deleuzes „Rhizom“ hinterfragt und kritisch beleuchtet wurden –, in Mythen und Märchen. Als Vorformen des Menschen treten sie in historisch relevanten Texten wie dem Popol Vuh der Quiché-Indianer auf, aber auch in Fantasy-Romanen wie Herr der Ringe. Und auch das Medium Film bleibt nicht von Ihnen verschont: Man denke hier nur an Groot in dem Science-Fiction-Film Guardians of the Galaxy. Und auch wenn wir aus dem Fenster blicken, sehen wir – wenn wir Glück haben! –Bäume. Sophie Reyer nimmt sich des Begriffes „Baum“ und der unterschiedlichen Bereichen seines Auftretens in Hinblick auf die aktuelle Lage einer biopolitisch orientierten Gesellschaft an. In zum Teil ironischer, zum Teil spielerischer Form baut die Autorin ein Kaleidoskop aus literarisch-wissenschaftlichen Texten. Bäume bilden hier den Beginn eines kreativen Traumes.

Passagen Wissenschaft – Transformation – Politik

Günther R. Burkert
Die vernetzte Universität
Wozu (ver)führt die Digitalisierung?
120 S., br., €  13,90
978-3-7092-0391-0
Die gesellschaftliche Relevanz der Universitäten wird wieder steigen, wenn sie ihr (vergessenes) „Menschenbild der Selbstständigkeit“ in den Wettbewerb gegen die Idee des Silicon Valley von der „Gestaltung von Menschen“ einbringen. Welche Art Hochschulmanagement ist für die Autonomie in der digitalen Transformation erforderlich? Oder liegt die Zukunft der Universitäten eher im Festhalten an „geistigen Entschleunigungsoasen“ als kreativen Orten jenseits aller Digitalisierung?

Passagen forum

Félix Guattari
Die drei Ökologien
4. Aufl.
80 S., br., €  11,00
978-3-7092-0380-4
Mit Guattari schreiten wir die Entdeckung ab, dass sich das Dasein des Menschen nicht nur auf die leiblich-materielle Sphäre beschränkt, sondern darüber hinaus eine soziale und eine mentale Ökologie zu pflegen wären: Der Organismus unserer Beziehungsformen zum Ich und zum Du bedarf selbst der Einsichtnahme, damit der Mensch, ohne sich in Machtspielen aufzureiben, zu einer ihm adäquaten Ordnung gelangt. Im Ineinandergreifen von Rhizom und Singularität ordnet der Autor die Möglichkeiten der Partizipation nach drei Bereichen, die eine Nähe zu den Begriffen Leib, Seele und Geist aufweisen.


Jean-Luc Nancy
Körper
160 S., 10 SW-Abb., br., € 19,90
978-3-7092-0356-9
Nancy dringt in seinem neuen Buch in den Kern der menschlichen Existenz vor, indem er die Erfahrung der Körperlichkeit in all ihren Facetten – von der Sexualität bis hin zur Kunst – durchleuchtet. Der Körper erscheint dabei als die Schwelle, an der sich das Eigene und das Fremde berühren, als Ort der ursprünglichen Begegnung mit dem Anderen, an dem das Gemeinschaftliche seine Wurzel hat.
Nancy beginnt mit einer Betrachtung aus der Distanz, mit der Frage der Darstellung des Köpers in der Kunst und mit dem Körper als Objekt. Der zweite Teil widmet sich der Haut, die als verbindendes und zugleich trennendes Organ eine ganz besondere Funktion hat: Sie schirmt die inneren Organe gegen die Außenwelt ab und bildet dennoch die Schwelle zum Außen und zum Anderen. Schließlich rückt das Körperinnere in den Fokus: sowohl die Organe, als Zusammenspiel heterogener Teile eines vermeintlich Eigenen, als auch der Fremdkörper, der von außen in diesen abgeschlossenen Bereich einzudringen droht. Dabei wird die Frage des Eigenen und des Fremden auch in ihrer politischen Dimension thematisch. Diese buchstäbliche Durchdringung des Körpers führt den Leser schrittweise durch die verschiedenen Phasen von Nancys Arbeit und durchmisst dabei die ganze Weite seines Denkens.

Passagen forum

Slavoj Žižek, Frank Ruda, Agon Hamza
Marx lesen
280 S., br., €  24,90
978-3-7092-0381-1
Das neue Buch von Slavoj Žižek, in dem er zusammen mit Frank Ruda und Agon Hamza aufs Neue versucht, die Gesellschaftstheorie von Karl Marx für die Analyse unserer Welt nutzbar zu machen und zu überlegen, wie dem Marx’schen Korpus von der Gegenwart aus neues Leben eingehaucht werden könnte.  In Auseinandersetzung mit den ältesten und jüngsten Strömungen
der Philosophie wollen die drei Autoren zeigen, dass Marx alles andere als ein toter Hund ist. Ohne dogmatische Vorannahmen prüfen die drei Theoretiker das Marx’sche Denken auf seine Tauglichkeit für das 21. Jahrhundert, indem sie es ausgehend von Platon, Hegel und Lacan neu lesen. Agon Hamza ist Philosoph und derzeit Researcher an der International School of Schaffhausen in Slowenien. Frank Ruda ist Senior Lecturer in Philosophy an der University of Dundee, Schottland. Gemeinsam geben sie die
philosophische Zeitschrift Crisis and Critique heraus. Slavoj Zizek ist Philosoph und Psychoanalytiker.


Passagen forum

Alain Badiou
Logik der Revolte
240 S., br., €  29,00
978-3-7092-0389-7
Badiou, ein Theoretiker der großen politischen Zusammenhänge, sucht in seinem neuen Buch Auswege aus der Perspektivlosigkeit, die unsere Gegenwart in seinen Augen charakterisiert. Er plädiert dabei für die Abkehr von den herrschenden Imperativen unserer Zeit: von der Kommunikation, dem egoistischen Streben nach individueller Bereicherung und der einseitigen Fokussierung auf Jugendlichkeit und Genuss. Stattdessen rät er zu einer gründlichen Auseinandersetzung mit den emanzipativen Kräften der Vergangenheit, mit den künstlerischen, wissenschaftlichen und politischen Wahrheiten, aus denen neue innovative Perspektiven entwickelt werden können.
Passagen forum

Jacques Rancière
Die Ränder der Fiktion
212 S., br., €  24,90
978-3-7092-0328-6
Rancière lotet in seinem jüngsten Buch die Tiefen und Untiefen des literarischen Erzählens aus. In Auseinandersetzung mit großen Werken der Weltliteratur zeigt er, wie die Literatur immer wieder die Grenzen der Logik überschreitet, die unsere alltäglichen Sehgewohnheiten strukturiert und die sowohl von den herrschenden Paradigmen der Sozialwissenschaft als auch vom journalistischen Schreiben reproduziert wird. 
Passagen forum

Jean-François Lyotard
Das postmoderne Wissen
Ein Bericht
9. durchgesehene Auflage
192 S., br., €  22,00
978-3-7092-0388-0
Das postmoderne Wissen - erstmals 1982 in einer Zeitschrift erschienen - ist ein Schlüsseltext der Postmoderne.
Lyotard hat darin den philosophischen Gehalt dieses Begriffs definiert und grundlegend geprägt.Ausgehend von Wittgensteins Theorie der Sprachspiele entwickelt Jean-François Lyotard Ansätze zu einem völlig neuen, philosophischen Begriff der Postmoderne. Mit seiner Verwendung in der Architektur hat Lyotards philosophischer Postmoderne-Begriff nur noch den Namen gemein. Lyotard versucht vielmehr, den zum Ende des 20. Jahrhunderts einsetzenden fundamentalen Umbruch der Gesellschaftstechnologien zu erfassen. Er diagnostiziert das Ende der „großen Erzählungen“ von Freiheit und Aufklärung, erschüttert den eingefahrenen Glauben an Konsens und an Wissenschaft als interessefreien Raum und führt konsequent die Aporien des „Projekts Aufklärung“ vor. Das Werk Jean-François Lyotards bestimmt noch immer eine der wichtigsten philosophischen Diskussionen um Ethik und Handlungsfähigkeit im neuen Jahrtausend. Jean-François Lyotard (1924–1998) lehrte Philosophie in Paris und den USA.
  1. Das Untersuchungsfeld: Das Wissen in den informatisierten Gesellschaften
  2. Das Problem: Die Legitimation
  3. Die Methode: Die Sprachspiele
  4. Die Natur des sozialen Bandes: Die moderne Alternative
  5. Die Natur des sozialen Bandes: Die postmoderne Perspektive
  6. Die Pragmatik des narrativen Wissens
  7. Die Pragmatik des wissenschaftlichen Wissens
  8. Die narrative Funktion und die Legitimierung des Wissens
  9. Die Erzählungen von der Legitimierung des Wissens
10. Die Delegitimierung
11. Die Forschung und ihre Legitimierung durch die Performativität
12. Die Ausbildung und ihre Legitimierung durch die Performativität
13. Die postmoderne Wissenschaft als Erforschung der Instabilitäten
14. Die Legitimierung durch die Paralogie

Passagen Gesellschaft

Urbaner Protest Revolte in der neoliberalen Stadt
Herausgegeben am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) von Ayse Caglar mit Beiträgen von Arjun Appadurai, Ranabir Samaddar, Saskia Sassen, David Harvey, Susana Narotzky, Margit Mayer und Jaume Franquesa
176 S., br., €  22,00
978-3-7092-0394-1
Städtische soziale Bewegungen weltweit haben sich jüngst radikal gewandelt. Kämpfe für eine gerechte Gesellschaft werden heute von einem sehr heterogenen Spektrum von durch neoliberale Austeritätspolitiken betroffenen Akteurinnen und Akteuren getragen. Zu ihnen gehören MigrantInnen, undokumentierte ArbeiterInnen, Arbeitslose und Obdachlose sowie Teile der Mittelschicht, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen prekär wurden. Das Konzept der Würde gewinnt im streitpolitischen Diskurs zunehmend an Bedeutung. Ayse Caglar ist Permanent Fellow am IWM und Professorin für Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien. Sie ist eine ausgewiesene Expertin der Stadt- und Migrationsanthropologie.

Passagen Thema

Brexit Farce und Tragödie
Herausgegeben am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) von Ivan Vejvoda mit Beiträgen Misha Glenny, Mary Kaldor, Pankaj Mishra, Fintan O’Toole, Tessa Szyszkowitz, Piotr Buras, Timothy Snyder, Luke Cooper und Timothy Garton Ash
176 S., br., €  22,00
978-3-7092-0395-8
Die Inselmentalität der Engländer sei eine Torheit, wofür von Zeit zu Zeit ein hoher Preis bezahlt werden müsse, stellte George Orwell einst fest. Im Falle des Brexit wird Europa diesen Preis mittragen müssen.Der Brexit stellt einen Versuch dar, eine Insellage in einer globalisierten Welt wiederherzustellen, einen Anspruch, sich die Globalisierung selektiv anzueignen. Ist die Verblüffung angesichts dieses risikoreichen Unterfangens der fehlenden Vertrautheit mit britischen Besonderheiten geschuldet, oder ist der britische Sonderweg Ausdruck weltweit anzutreffender Tendenzen? Die Beiträge des Bandes beleuchten Strukturmerkmale und -folgen des Brexit vor dem Hintergrund des globalen Aufstiegs von Nationalismus, Populismus und Souveränismus. Sie analysieren, was er über politische Eliten, wachsende Ungleichheiten, die Kluft zwischen Stadt und Land sowie die Natur aktueller politischer Polarisierung aussagt, und erörtern die Folgen dieser Entwicklung für die Zukunft Europas. Ivan Vejvoda ist Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) und Direktor des Projekts „Europe’s Futures“. Davor war er unter anderem Senior Vice President für Programme des German Marshall Fund of the United States, Direktor des Balkan Trust for Democracy des German Marshall Fund sowie außenpolitischer Berater der serbischen Premierminister Djindjic und Živkovic. 
Passagen Philosophie

Christoph Kniest
Politische Technologie
Zu Platons Auseinandersetzung mit Isokrates
136 S., br., €  15,00
978-3-7092-0390-3
Das Politische, verstanden als Frage nach der gerechten Form des menschlichen Zusammenlebens, steht von Beginn an im Zentrum der Philosophie. Kniest rekonstruiert die Entwicklung der platonischen Philosophie als Ausarbeitung einer neuen politischen Technologie. Mit ihr verlässt Platon die vorstaatliche Welt der Polis und entwirft ein erstes Modell staatsförmiger Herrschaft.

Passagen Hefte

Alain Badiou /Philippe Lacoue-Labarth /Jacques Rancière
Mallarmé, das Theater, der Stamm
80 S., br., €  9,90
978-3-7092-0383-5
In einer lebhaften Diskussion im Pariser Théâtre de L’Odéon arbeiten die drei Philosophen die lange Zeit kaum beachtete politische Dimension der Werke des französischen Dichters Stéphane Mallarmé heraus. Dabei offenbart das oft als hermetisch bezeichnete Werk des französischen Symbolisten in der Lektüre der drei Philosophen eine erstaunliche politische Relevanz. 
Passagen Philosophie

Jan Fuhrmann
Postfundamentale Systemtheorie
256 S., br., €  29,00
978-3-7092-0386-6
Eine postfundamentale Systemtheorie entsteht, sobald die Fundamentalismen der soziologischen Systemtheorie durch ihre Dekonstruktion und Neuarrangierung überwunden wurden. Das setzt eine Kritik der Systemtheorie durch sie selbst voraus: Mit großer Geste, die Fundamente des alteuropäischen Denkens überwunden zu haben, inszenierte Luhmann sein Projekt der Systemtheorie. Mit dem Verweis auf den Formenkalkül eines George Spencer-Brown führte er schließlich ein unbestimmtes Außen in die Systemtheorie ein. Er erkannte nicht, dass er damit eine différance in die Theorie integrierte, deren konstitutives Außen sich immer der Systemoperation entzieht. Stattdessen begann Luhmann, ein binäres Denken zu radikalisieren, indem er eine Systemwelt aus Registern und Kategorien, eine Welt der Differenzen, in der Differenzen nicht mehr durchkreuzt werden können, etablierte. Differenzen waren von nun an Einkerbungen, die aufzuheben unmöglich ist: Fundamente. Nun gilt es, die Register, die Kategorien, die Binarität der systemtheoretischen Grundbegriffe zu irritieren, um sie mit ihrer eigenen différance zu konfrontieren. Ihre Fundamente werden dekonstruiert und die Begriffe reartikuliert. Die Begriffe verweisen von nun an auf ihre eigene Unbestimmtheit: postfundamentale Systemtheorie.

Passagen Philosophie

Maja Bogumila Hoffmann
(Die) Abweichung
248 S., br., €  28,00
978-3-7092-0385-9
Als grundlegend kritische Größe gedacht markiert (die) Abweichung weder bloße Variation noch ein rein Hinzutretendes. Sie zu sehen und anzuerkennen, bedeutet deshalb eine immer wieder neu anzusetzende, auch politische Arbeit und wiederholte Anstrengung. Der Band enthält auch das absurde Drama „Meta-Pipton“, das den philosophischen Text unterbricht, um sich sogleich von diesem selbst unterbrechen zu lassen, sodass etwas, etwas Neues werden kann.
Maja Bogumila Hoffmann, geboren in Danzig, lebt und arbeitet als bildende Künstlerin und Denkerin in Hamburg.

Passagen Philosophie

Fotini Ladaki
Die Geburt der Seele
96 S., br., €  12,00
978-3-7092-0384-2
Die Göttin Athene und die autonome Seele gehen Hand in Hand, denn sie sind verwandt: Beide sind Kopfgeburten.
Deswegen kann die Anwendung der mäeutischen Praxis des Sokrates die Geburt einer halbwegs freien Seele ermöglichen.

Passagen Philosophie

Michael Mayer
Melancholie und Medium
Das schwache Subjekt, die Toten und die ununterbrochene Trauerarbeit
184 S., br., €  21,00
978-3-7092-0392-7
Das Buch fragt nach den Toten. Es fragt nach ihrem Verschwinden und der kaum sichtbaren Narbe, die dieses Verschwinden auf der Oberfläche der Dinge hinterlässt. Und es fragt nach dem eigentümlichen Ort, von dem aus sie oft unvermutet in eine Gegenwart einbrechen, die als Gegenwart der Lebenden und ihres weltweiten Verkehrs untereinander sich gegen ihren Einfall mehr und mehr abzudichten scheint. Dieser Einfall – das ist die These, die das Buch diskutieren möchte – vollzieht sich als Zwischenfall im Gefüge einer medialen Repräsentation, an deren Bruchlinien die Präsenz der Toten fühlbar zu werden vermag – als paradoxe Präsenz ihrer Abwesenheit in ihrer ebenso schmerzlichen wie beglückenden Intensität. In diesem Zwischenfall reklamieren sie ihren Anspruch auf Zugehörigkeit zu uns an uns – den kommenden Toten. Michael Mayer, geboren 1957, lehrt als außerplanmäßiger Professor für Medienwissenschaft an der Universität Potsdam.

Passagen Architektur

Erich Pick
Biotopia
392 S., br., €  44,00
978-3-7092-0393-4
Künstlerisch-architektonische Gestaltung und die gesellschaftliche Formung von Subjekten stehen in einem engen Wechselverhältnis. Aktuelle Varianten des Organizismus nehmen hierin eine wichtige Rolle ein, indem sie mit ihrem holistischen Anspruch auf eine ökologische Ganzheitlichkeit gesellschaftlichen Lebens zielen.Biotopia unternimmt den teils spekulativen Versuch, künstlerische Artefakte und die in den Lebenswissenschaften eingeflochtenen Macht- und Regierungsdispositive zusammenzudenken. Biopolitik fungiert hierbei als Leittheorem, mit dem sich das Bündel von Macht- und Regierungstechniken analysieren lässt, das auf den Fortbestand und die Regulierung gesellschaftlichen Lebens als Ganzes abzielt und dazu die Kontrolle über einzelne gesellschaftliche Individuen zu erlangen versucht.

Passagen Literatur

Eberhard Geisler
Literarische Scherflein
256 S., br., €  29,00
978-3-7092-0379-8
In seinen Notizen greift der Autor Konzeptionen des Dekonstruktivismus auf, um in der Auseinander-setzung mit Literatur, Kunst und Musik dessen Aporien zu überwinden und die Möglichkeit eigenen poetischen Schreibens zu erproben. Die Texte sind geleitet von der Frage nach der Möglichkeit eines poetischen Schreibens, das nicht naiv, sondern theoretisch fundiert wäre.



Alain Badiou
Rede an die Jugend und 13 Thesen zur Politik
72 S., br., € 9,90
978-3-7092-0322-4
In seiner flammenden „Rede an die Jugend“ stellt Badiou die für jede emanzipative Politik entscheidende Frage, inwieweit die Annahme der universellen Gleichheit aller Menschen vereinbar ist mit der Anerkennung individueller Unterschiede. Ausgehend von Texten Victor Hugos, Lacans, Sartres und Hegels erläutert er in populärem Ton, aber mit der ihm eigenen philosophischen Brillanz, wie das Verhältnis zwischen dem Selben (le Même) und dem Anderen (l’Autre) zu denken ist. Mit den „13 Thesen zur Politik“ liefert Badiou eine Bestandsaufnahme der globalen politischen Konjunktur. Im Mittelpunkt seiner Überlegungen stehen dabei die Vorherrschaft des globalisierten Kapitalismus, das Scheitern der jüngsten Protest- und Revolutionsbewegungen sowie der Mangel einer Organisationsform des Politischen. Im Namen der kommunistischen Hypothese ruft Badiou uns am Ende zu: „Hoffen wir, handeln wir! Egal wer damit anfängt und wo – machen wir Politik, wahre Politik in dem Sinn, den der vorliegende Text ihr gibt. Und jeder soll in seinem Umfeld erzählen, was er getan hat. So fängt alles an.“ 

Didier Eribon
Theorien der Literatur
Geschlechtersystem und Geschlechtsurteile
88 S., br., € 11,00
978-3-7092-0350-7
Didier Eribon demonstriert, wie theoretische Diskurse in literarische Werke einfließen und durch die Umwandlung in literarisches Material eine Weiterentwicklung erfahren. Vor allem am Beispiel von Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit durchleuchtet er das vielschichtige Ineinandergreifen und subtile Spiel von gesellschaftlichem Diskurs und subjektiven Positionen, das die Literatur ausmacht. Im Medium Literatur wird Theorie verarbeitet, mit den Meinungen und Vorurteilen von Figuren konfrontiert und auf unterschiedlichen Erzählebenen reflektiert und gebrochen. Eribon zeigt nicht nur, dass die Literatur jenseits ihres angestammten Platzes in der Literaturwissenschaft ein lohnendes Forschungsobjekt ist, sondern auch dass die Literatur selbst ein theoretisches Potenzial entfalten kann, das gerade in Zeiten der zunehmenden Funktionalisierung und Spezialisierung der Wissenschaft wertvolle kritische Impulse zu geben vermag. 

Jacques Rancière
An den Rändern des Politischen
208 S., br., € 26,90
978-3-7092-0357-6
Das Politische ist die Begegnung zweier verschiedenartiger Prozesse: der Regierung und der Gleichheit. Der erste besteht darin, die Gemeinschaft der Menschen und ihre Zustimmung zu organisieren; er beruht auf der hierarchischen Verteilung sozialer Plätze und Funktionen. Rancière nennt ihn „Polizei“. Der Prozess der Gleichheit beruht demgegenüber auf dem Spiel all jener Praktiken, die sich bemühen, das Postulat der Gleichheit aller Menschen zu verifizieren. Der Ausdruck, der am besten geeignet ist, um dieses Spiel zu bezeichnen, ist Emanzipation. Die hier versammelten Texte nehmen die Politik von gewissen Grenzpunkten aus in den Blick: von ihrem Ende, das manche in den 1980ern verkündeten; von ihren Ursprüngen, so wie die Philosophie seit Platons Staat sie sich gern vorgestellt hat; von ihrer Überschreitung in der utopischen Konzeption des Gemeinschaftskörpers; von ihrem Außen, das von der Literatur bildlich dargestellt wird; und schließlich von ihrer Krise, die das Auftauchen neuer Formen des Rassenhasses im konsensuellen Europa zu illustrieren scheint. 
Wenige Jahre vor Louis Althussers Tod führte die mexikanische Philosophin Fernanda Navarro ein Interview

mit dem marxistischen Philosophen, das als Gesamtschau auf seine theoretische und politische Arbeit gelten
kann. Bei diesem  Text handelt es sich um die letzte von Althusser selbst autorisierte Veröffentlichung:

Louis Althusser
Philosophie und Marxismus
Ein Gespräch mit Fernanda Navarro
88 S., br., € 11,00
978-3-7092-0355-2
In diesem Text bringt Althusser seine zentralen Themen zur Sprache: das Verhältnis von Philosophie und Marxismus, die Beziehungen von Wissenschaft, Macht und Ideologie sowie die Frage nach den Bedingungen einer Theorie der Geschichte, die es erlaubt, die Möglichkeit politischer Veränderung zu denken. Althusser spricht über die Strategie seiner Interventionen, die theoretischen Einschnitte, die er im Klassenkampf in der Philosophie zu setzen versuchte, über die wechselvolle Geschichte von Materialismus und Idealismus und das schwierige Verhältnis von Politik und Philosophie. Das Gespräch spannt dabei einen Bogen von den strukturalistischen Arbeiten der sechziger Jahre bis zur Theorie eines aleatorischen Materialismus, der die Frage nach der Kontingenz in der Geschichte ins Zentrum rückt, und eignet sich daher sehr gut als Einführung in Althussers Denken. 

Hélène Cixous, Cécile Wajsbrot
Eine deutsche Autobiographie
112 S., br., € 14,–
978-3-7092-0351-4
Ein Briefwechsel zwischen den Schriftstellerinnen Cécile Wajsbrot und Hélène Cixous über den Stellenwert Deutschlands und der deutschen Sprache in ihrem Werk sowie ihren Bezug zum Gedächtnis ihrer jüdischen Familien: Die in Frankreich aufgewachsene Cécile Wajsbrot lernte Deutsch in der Schule, um das Jiddisch zu verstehen, das ihre Großmutter sprach. Hélène Cixous, die ihre Kindheit in Algerien verbrachte, wuchs mit dem Deutsch ihrer Mutter und Großmutter auf – Sprache der Vertrautesten, Sprache von Geflüchteten, deren Kenntnis jedoch, einmal in der Schule, von der Deutschlehrerin angefochten wird. Unhintergehbare Mehrsprachigkeit, Sein zwischen den Sprachen und mit den Sprachen: Am Schnittpunkt von persönlichem und literarischem Zeugnis denken die beiden Autorinnen hier mit den vielsprachigen Stimmen ihrer Familien und der Literatur über Einschreibungen des Vergangenen in die Gegenwart nach, über den Umgang Frankreichs und Deutschlands mit der Geschichte, über vergangenen und drohenden Verlust. Sie geben ein anschauliches Beispiel dafür, wie das literarische Erinnern auf die Gegenwart antworten und diese auf eine Weise gedacht werden kann, dass sie ihre Verantwortung für die Zukunft wahrnimmt.


Cornelius Castoriadis / Paul Ricoeur
Gespräch über die Geschichte und das gesellschaftlich Imaginäre
72 S., br., € 9,90
978-3-7092-0323-1
Castoriadis und Ricoeur verbindet sowohl ihr Rückgriff auf die Psychoanalyse Freuds und Lacans als auch ihr kritisches Verhältnis zum Marxismus – darüber hinaus könnten ihre jeweiligen Temperamente und philosophischen Stile jedoch kaum unterschiedlicher sein, wie dieses 1985 für den französischen Rundfunk aufgezeichnete Gespräch zeigt. Den Hintergrund ihres Dialogs bildet die Frage, wie radikale politische Veränderung jenseits des Rückgriffs auf eine teleologische Geschichtskonzeption gedacht werden kann. Dabei zeigt sich, dass die Auffassungen der beiden Denker vor allem in der Frage nach den politischen Handlungsmöglichkeiten, die den Menschen in konkreten geschichtlichen Situationen offenstehen, auseinandergehen. Castoriadis’ These einer „geschichtlichen Schöpfung“ hält Ricoeur eine Dialektik von geschichtlicher Innovation und Sedimentierung entgegen. 

Institut für die Wissenschaften vom Menschen
Wenn Demokratien demokratisch untergehen
Herausgegeben von Katharina Hasewend, Ludger Hagedorn, Shalini Randeria mit Beiträgen von János Kis, Ivan Krastev, Mark Lilla, Chantal Mouffe, Jan-Werner Müller, Claus Offe, Jacques Rupnik, Nadia Urbinati, Boaventura de Sousa Santos
200 S., br.,€ 24,00
978-3-7092-0358-3
Demokratie ist die Regierungsform unserer Zeit. Dennoch erodiert ihre Legitimität gleichsam von innen heraus. Wie vollzieht sich dieser Prozess und welche Handlungsmöglichkeiten gibt es, dem demokratischen Untergang der Demokratie entgegenzuwirken? Die weltweite Verbreitung und Beliebtheit der Demokratie gehen mit ihrer Krise einher. Im historischen Moment ihrer größten Ausdehnung scheint – aus dem Innern der Demokratie selbst heraus – eine demonstrative Missachtung ihrer grundlegenden Prinzipien und Institutionen um sich zu greifen. Demokratisch legitimierte Instanzen stellen die Legitimität demokratischer Institutionen und Prozeduren in Frage. Wie lässt sich diese Entwicklung verstehen? Und was lässt sich tun, um einer zunehmenden Erosion demokratischer Grundsätze entgegenzuwirken? Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysieren die Symptome einer Herrschaftsform im Wandel und skizzieren Ansätze, wie eine erhöhte Widerstandsfähigkeit und Attraktivität der Demokratie zu gewinnen wäre.


Ernesto Laclau, Chantal Mouffe
Hegemonie und radikale Demokratie
Zur Dekonstruktion des Marxismus
6., durchgesehene Auflage
264 S., Br., € 29,90
978-3-7092-0369-9
Spätestens seit dem Zusammenbruch des ‚realen Sozialismus‘ sind demokratietheoretische Fragestellungen zu einem zentralen Feld der Politischen Philosophie geworden. Laclau und Mouffe spüren hier einer – wenn nicht der – entscheidenden Leerstelle linker, marxistischer Theoriebildung nach. Über eine Dekonstruktion des Marxismus, vornehmlich der II. und III. Internationalen, öffnen die Autoren den Blick für eine anti-essentialistische Konzeption des Sozialen. Dabei führt ihre Radikalisierung von Gramscis Überlegungen zur Hegemonie und ihre Verknüpfung mit Foucaults Diskursanalytik und Leforts libertärer Politikkonzeption zu einer neuen Artikulation von postindividualistischem Liberalismus, radikaler und pluraler Demokratie sowie nicht-totalitärem Sozialismus. Dieses Buch stellt – mittlerweile in der fünften Auflage – einen unverzichtbaren Beitrag zur Herausbildung einer neuen Politik der Linken dar. 

Jean-François Lyotard
Das Inhumane
Plaudereien über die Zeit
5., durchgesehene Auflage
240 S., br., € 28,00
978-3-7092-0371-2
Lyotard fragt in diesem Buch, wie die Künste des Sehens, der Schrift und des Tones in der eigentümlichen Entwicklung, der die Menschen unterliegen, ihre paradoxale Wahrheit bewahren. Die Menschen werden heute durch das "verwaltete Leben" (Adorno) in eine unmenschliche Entwicklung hineingerissen, die man längst nicht mehr Fortschritt nennen kann. Denn das "verwaltete Leben" vernichtet die entscheidenden menschlichen Fragen nach der Zeit, dem Gedächtnis und der Materie, indem es diese programmiert. Politische und philosophische Alternativen zu diesem Prozess sind heute verschwunden. Die einzige Möglichkeit sich dagegen zu wehren, scheint eine andere menschliche Haltung zu sein: die Selbst-Enteignung, die in jedem schlummert, die Rückkehr in seine unbezähmbare Kindheit. Diese Strategie, welche die Neo-Humanismen vermitteln, ist jedoch banal und führt nicht zu den entscheidenden Fragen zurück. Lyotard geht auf diese ein, indem er zeigt, wie die Künste des Sehens, der Schrift und des Tones ihre paradoxale Wahrheit bewahren. 

Uwe Schütte
Urzeit, Traumzeit, Endzeit
Versuch über Heiner Müller
198 S., br., € 22,00
978-3-7092-0057-5
Der materialistische Gespensterdramatiker Heiner Müller, hier aus ungewohnt kulturanthropologischer Perspektive betrachtet, war ein veritabler Grundlagenforscher über die gewalttätigen Wurzeln des Menschen. Aus der Rückwendung zum anthropologischen Urgrund versuchte Heiner Müller das Potential zur Herstellung einer besseren Zukunft zu gewinnen. Damit der Kommunismus zur wahren Befreiung der Toten führen wird. Dieser Essay von Uwe Schütte unternimmt eine so unorthodoxe wie überfällige Annäherung an das komplexe Werk Heiner Müllers. Unter kulturanthropologischem Vorzeichen werden zentrale Dramen wie Mauser, Bildbeschreibung oder Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten diskutiert, aber auch Gedichte und weithin unbekannte Kurzprosa. Die assoziativ vorgehende Analyse kreist dabei um Stichworte wie Mantik und Kannibalismus oder Opfer und Verausgabung sowie um das Traumzeitdenken der australischen Aborigines, Ritus und Mythos am Beispiel entpersonalisierter Postdramatik, das Schweigen als Urgrund des Theaters, das Kainsmal als Urschrift, schamanistische Jenseitsreisen, prophetische Rede und traumatischer Wiederholungszwang in der Prosa. Abseits gängiger Interpretationsansätze eröffnet sich dadurch ein tiefgreifendes Verständnis für die kulturanthropologische Basis von Heiner Müllers Schreiben.


Alain Badiou
Lob der Liebe
2., überarbeitete Auflage
80 S., br., € 11,90
978-3-7092-0152-7
In diesem Gespräch erklärt Alain Badiou seinen Begriff der Liebe: „Die Überzeugung, dass jeder nur seine Interessen verfolgt, ist heute weit verbreitet. Die Liebe ist nun der Gegenbeweis dafür. Die Liebe ist das Vertrauen auf den Zufall.“ Philosophen müssen sicherlich geübte Wissenschaftler sein, Freunde der Dichtung und politische Aktivisten, aber sie müssen es auch auf sich nehmen, das Denken niemals von den gewaltigen Ereignissen der Liebe zu trennen – sie müssen mithin auch Liebende sein. Badiou nennt das die vier Bedingungen der Philosophie. Dieser Dialog zwischen Alain Badiou und Nicolas Truong über die Liebe fand 2008 beim Festival von Avignon im Rahmen des „Theaters der Ideen“ statt: „Geben wir ein wenig an: Nicolas, der Fragende, und ich in der Rolle des verliebten Philosophen, wir waren in Form und es wurde ein Erfolg, ja sogar ein beträchtlicher Erfolg.“ Alain Badiou, geboren 1937 in Rabat, Marokko, lebt als Philosoph, Mathematiker und Romancier in Paris. 


Alain Badiou
Der zeitgenössische Nihilismus
184 S., br., € 21,90
978-3-7092-0321-7
Um selbst ein Bild der Gegenwart zu entwerfen – ihre „philosophische Komödie“ zu schreiben –, analysiert Alain Badiou jene Bilder, die unsere Gegenwart ideologisch beherrschen: allen voran das Emblem der „Demokratie“, das die Subjekte der universellen Austauschbarkeit ihrer Lüste unterwirft. Charakteristisch für dieses demokratische Emblem, das eine obskure Macht verdeckt, ist seine nihilistische Zeitlichkeit: eine getriebene Stagnation, die letztlich nichts anderes ist als die Abwesenheit von Zeit. Folglich gibt es heute weder eine Gegenwart noch eine Welt, und nur durch die Abkehr vom zeitgenössischen Nihilismus kann dieser Mangel überwunden werden. In diesem ersten Teil des Seminars geht es darum, Strategien zu entwickeln, um mit dem herrschenden liberal-libertären Ideal, das im Gewand einer vermeintlich egalitären Demokratie auftritt, zu brechen. 

Alain Badiou
Rebellion ist gerechtfertigt
Zur Aktualität des Mai 68
64 S., br., € 8,90
978-3-7092-0333-0
In konziser Weise rechnet Badiou mit den stereotypen Diagnosen des Mai 1968 ab, die anlässlich seines fünfzigsten Jahrestages in Jubel und Nostalgie auf der einen, Schmähungen und Angriffen auf der anderen Seite versanden. Was die Menschen in diesem zum Symbol gewordenen Monat eigentlich bewegte, war die Überzeugung, dass es Schluss zu machen gelte mit den sozialen Unterschieden, der schmutzigen Hierarchie der Vermögen und Mächte, und dass dieser Umsturz möglich wäre durch eine beispiellose Art des Wortergreifens und die tastende Suche nach Organisationsformen, die der Neuheit des Ereignisses entsprächen. Badiou resümiert: Wenn wir die Lehren des Mai 68 ins Herz der gegenwärtigen Welt tragen, können wir uns Maos Ruf anschließen: „Rebellion ist gerechtfertigt!“ 

Jacques Rancière
Das Ereignis 68 interpretieren: Politik, Philosophie, Soziologie
56 S., br., € 7,90
978-3-7092-0332-3
Aus soziologischer Perspektive stellt der Mai 68 nichts weiter als eine „imaginäre Revolution“ dar: Je nach Lesart Ausdruck der hedonistischen Bestrebungen entweder einer ganzen Generation oder bloß einer bestimmten sozialen Gruppe (der Studenten). Die Ursprünge des Mai 68 sind in dieser Perspektive ebenso schnell erklärt wie die seines „Scheiterns“. Rancière hält dieser Auffassung eine Sichtweise entgegen, die den Mai 68 als Ereignis fasst, das als solches die gewöhnliche Zeitlichkeit aussetzt und die Politik einer Aushebung jeglicher Hierarchien der Kenntnisse und Vermögen betreibt. In einer beschleunigten Zeitlichkeit wird auf diese Weise eine Gemeinschaft von Gleichen nicht als Ziel verfolgt, sondern im Hier und Jetzt realisiert.


Louis Althusser
Als Marxist in der Philosophie
288 S., br., € 38,00
978-3-7092-0320-0
In den 1970er Jahren diagnostiziert Althusser dem Marxismus eine Krise und distanziert sich in der Folge von der Kommunistischen Partei Frankreichs. Im vorliegenden Band geht er den weitreichenden Konsequenzen dieser Entscheidung für seine kompromisslose, anti-philosophische Denk- und Wirkweise nach. In Form kurzer Texte, die jeweils eine konkrete philosophische Frage umkreisen, zeigt Althusser, wie man sich als Marxist in der Philosophie bewegt, ohne dabei zum marxistischen Philosophen zu werden. Es geht ihm um eine Widerlegung der „idealistischen Philosophie“, die nicht selbst zur bloßen Philosophie verkommt. Dabei erinnert Althusser den Marxismus an seine Aufgabe, „zur Freisetzung und freien Ausübung der gesellschaftlichen Praktiken und menschlichen Ideen beizutragen“. 

Aliocha Wald Lasowski
Althusser und wir
Gespräche mit Alain Badiou, Étienne Balibar, Régis Debray, Yves Duroux, Maurice Godelier, Jean-Pierre Lefebvre, Jacques-Alain Miller, Antonio Negri, Jacques Rancière und Philippe Sollers
160 S., br., € 21,90
978-3-7092-0319-4
Durch den Einfluss seiner Arbeit und seiner Person erneuerte Louis Althusser die politische Theorie und die Geschichtsphilosophie von Machiavelli bis Marx. So forderte Michel Foucault von seinen Zeitgenossen: „Schlagen Sie Althussers Bücher auf!“ Jacques Derrida wiederum beschwor die „strahlende und provokative Kraft seines Denkens“, Gilles Deleuze begrüßte die „AlthusserBande“ und für Roland Barthes war das einzig akzeptable Modell der Wissenschaft dasjenige, das Althusser in seinen Marx-Studien erarbeitet hatte. In dem Band tritt Aliocha Wald Lasowski ins Gespräch mit zehn namhaften Schriftstellern und Philosophen wie Badiou, Rancière, Negri, Balibar und anderen, die Althusser begegnet sind, mit ihm gelesen und gearbeitet haben, ihm nahestanden. Bedeutung und Strahlkraft des Denkens wie der Persönlichkeit Althussers werden in diesen Gesprächen wie sonst nur selten deutlich.


Isolde Charim
Der Althusser-Effekt
Mit einem Vorwort von Chantal Mouffe
2., überarbeitete Auflage
186 S., br., € 25,00
978-3-7092-0342-2
Trotz seines Fragmentcharakters ist Louis Althussers Aufsatz „Ideologie und ideologische Staatsapparate“ bis heute von großer Wirkung. Charim entwickelt die darin angelegten Gedanken zur Skizze einer Ideologietheorie weiter.

Jacques Derrida / Bernard Stiegler
Echographien
224 S., br., € 28,00
978-3-7092-0345-3
Was bedeuten Bombenabwürfe in Echtzeit für die Dekonstruktion der Präsenzmetaphysik? Kann man Hollywood mit Quotenregeln bekämpfen? Warum kann eine Kamera kein Zeuge sein? Was ist, wenn wir nicht mehr glauben können, was wir sehen? Welche Sendungen sieht Derrida sonntagmorgens? Ende 1993 führt Derrida in seinem Haus in Ris-Orangis - von Scheinwerfern, Kabeln und Kameras eingekreist - mit dem Medientheoretiker Bernard Stiegler ein langes Gespräch. Im Mittelpunkt stehen medientechnische Entwicklungen, die damals ihren Durchbruch feiern: die Direktübertragung und das digitale Bild. Mit der gespenstischen CNN-Übertragung der Bombenabwürfe auf Bagdad in Echtzeit zielt das Fernsehen auf ein Plusquampräsens, das alle Selektions- und Manipulationsmöglichkeiten bei der Produktion der Bilder hinter einer vermeintlich objektiven Aktualität verschwinden lässt. Und mit der Ersetzung der analogen Fotografie durch das digitale Bild wankt der Realitätseffekt, den das analoge Bild - Roland Barthes zufolge - immer erzeugt, weil das Dargestellte ja einmal so vor der Kamera gewesen sein muss. Welche Folgen haben solche Entwicklungen für unsere Wahrnehmung, für unser Verhältnis zur Realität, zu Vergangenheit und Zukunft?

Jacques Derrida
Die Todesstrafe I
Seminar 1999–2000
456 S., br., € 59,90
978-3-7092-0325-5
Reflexionen über das „Vergeben“ und das „Nichtvergebbare“ führen Derrida zur Befragung der Todesstrafe als irreversible Sanktion. Im Fokus stehen dabei vor allem drei Begriffe, die sich als problematisch erweisen: Souveränität, Ausnahme und Grausamkeit. Es stellt sich die Frage, warum internationale Konventionen die Abschaffung grausamer Strafen fordern, insbesondere der Todesstrafe, ohne die Staaten je dazu zu verpflichten – mit der Begründung, dass ihre Souveränität zu achten sei. Ausgehend von vier paradigmatischen Fällen zum Tode Verurteilter (Sokrates, Jesus, Al Halladsch, Jeanne d’Arc) wird anhand kanonischer Texte (Beccaria, Kant, Hugo, Camus, Genet, Badinter) und einschlägiger Rechtsdokumente die Logik und Rhetorik dieser Argumentation untersucht. Konkrete Bezugspunkte bilden dabei die Bewegungen zur Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich und den USA.


Flade, Kristin:
The Good Pain?
Applied Theatre and Social Circus in Palestine Today
264 S., br., € 28,00
978-3-7092-0337-8
This Book draws a vivid and dense portrait of the conditions of life and culture in the Palestinian West Bank.  The book traces the impact of applied theatre in its efforts to increase national and cultural cohesion, to mobilise solidarity within the Palestinian society as well as from an international public, and to enhance the sensitisation of participants and audiences.

Hélène Cixous
Mutter Homer ist tot
200 S., br.,€ 24,90
978-3-7092-0324-8
Eve macht H. zur Mutter des 103 Jahre alten Kindes, das sie geworden ist. Nach dem entscheidenden Angriff der Armeen des Todes am 13. Januar ist medizinisch zum Leben nichts mehr da. Aber Eve ist das Leben selbst. Mit Hilfe der Hefte tastet sich das Buch durchs eisige Dunkel der geweiteten Zeit Zuspät, durch das blinde Jenseits der überzähligen Wochen, lange nachdem die letzte Stunde eigentlich geschlagen hat. Eve auf dem Rücken, in ihrer Barke für immer, erfindet für H. ein Sterben, das ein Bleiben ist. H. auf den Knien, bald auf der einen, bald auf der anderen Seite des Pflegebetts, treidelt im Schlamm der Zeit ohne Datum. Jeden der zahllosen Tode hebt sie auf, jedes Gesicht und jeden der letzten Momente, den letzten Schluck Wasser, das letzte Wort, den letzten Kuss. Wie hätte sie heute zu sprechen vermocht, hätte sie nicht die Spalte von Mamans noch lauen Lippen mit ihren Lippen versiegelt, hätte sie nicht ihren Mund auf Eves Mund gelegt um leidenschaftlich seine neue Kälte zu kosten?

Angelika Seppi
Schrift und Gerechtigkeit
Kritisches zur Metaphysik
232 S., br., € 24,90
978-3-7092-0309-5
Eine dringendere Frage als die nach der Gerechtigkeit gibt es nicht. Das Buch situiert sie im Sinne der Dekonstruktion innerhalb einer Ethik des Erbes, die danach verlangt, alles noch einmal und anders zu denken. Unter wechselnden Blickrichtungen auf die Grenzen von Begriff und Bewusstsein, die Dämonologie des Affekts, die Ökonomie des Begehrens oder die Diskordanz von Denken und Sein unternimmt das Buch einen Zickzackgang durch wesentliche Problemfelder der modernen Philosophie und Anti-Philosophie. Immer fragt es dabei nach den Bedingungen, unter denen die Schrift (der Philosophie) sich auf die Zukunft zu öffnen vermöchte, und nach den Grenzen, an die sie dabei stößt. Dem Zukünftigen, dem Offenen und dem Anderen stattzugeben, darin sieht die Autorin die Aufgabe einer dekonstruktiven Praxis der Schrift und einen möglichen Sinn von Gerechtigkeit. Angelika Seppi, geboren 1982, ist Philosophin und Kunsttheoretikerin. Derzeit arbeitet sie an der Humboldt-Universität zu Berlin an einer Kritik der Form und Formalisierung.

Ladaki, Fotini:
Die Füchse von Athen
oder Hellas im Purgatorium des Kapitalismus
124 S., br., € 14,90
978-3-7092-0336-1
Ladaki inszeniert die göttliche Tragödie der Finanzkrise als schaurige Fabel, in der sich Füchse, byzantinische Mosaiken und Elefanten mit dicken Pranken tummeln. Dabei reichen sich Sinn und Sinnlosigkeit dort die Hand, wo das Zugrundegehen von Gemeinschaft, Kultur und Mitgefühl keine Erklärungen mehr zulässt. Die Auswirkungen der Finanzkrise zu betrachten, bedeutet, Chaos zu entdecken. Erschlagene Füchse und wilde Totentänze werden am Ende der Geschichte stehen. Sie wiederholt sich: Die Götter fallen und der Mensch bewahrt seine ambivalente Wesensart. Er ist Täter, Zeuge und Opfer zugleich. Als Täter phantasiert er sich als Gott, als Zeuge macht er sich zum Propheten und als Opfer erleidet er Hunger und Tod.

Becker, Philipp von:
Der neue Glaube an die Unsterblichkeit
2., durchgesehene Auflage
€ 16,90
978-3-7092-0343-9
Gott ist tot. Doch der Glaube an die Unsterblichkeit lebt weiter in den biotechnischen Vorstellungen transhumanistischer Denker über Künstliche Intelligenz, nanoinvasiv veränderte Körper und Gehirn-Uploads. Zeit für eine Entzauberung der neuen techno-utopischen Heilsversprechen. Die Phantasien des Transhumanismus schienen gestern noch reine Science-Fiction. Doch Biochemie, Gentechnik, Apple Watches und Google Glasses haben schon heute mit der Invasion und Überwachung des menschlichen Körpers begonnen – vorgeblich, um den bisher unvollkommenen, sterblichen Menschen zu optimieren. Antrieb dafür ist ein techno-utopisches Denken, das kulturellen Fortschritt nur noch als technologisches Projekt begreift. Dabei werden in der (kapitalistischen) Logik eines vermeintlich unbegrenzten Wachstums die sozioökonomischen und machtpolitischen Realitäten ebenso ausgeblendet wie ihre zivilisatorischen und lebenspraktischen Konsequenzen. Als Ergebnis droht das Gegenteil der neuen Transzendenzversprechen: ein total berechenbares, manipulierbares, steuerbares Individuum. Anstelle einer „sozialen Physik“ der Algorithmen, die bestimmt, was wir zu denken, zu fühlen und zu tun haben, plädiert Philipp von Becker für eine neue „Metaphysik des Sozialen“, die überhaupt erst wieder ein Gespräch darüber eröffnet, wie wir eigentlich leben wollen. Philipp von Becker, geboren 1979, lebt als Filmemacher und Autor in Berlin.

Breitenfellner, Kirstin:
Wie können wir über Opfer reden?
136 S., br., € 16,90
978-3-7092-0335-4
Im Zentrum des Buchs steht die vertrackte Beziehung zwischen Opfern, Tätern und selbsternannten Rettern, die nicht selten zu Verfolgern werden.
Missbrauchsopfer. Terroropfer. Katastrophenopfer. Opfer dominieren die öffentliche Diskussion und die Berichterstattung in den Medien. Allzu oft werden sie als moralische oder politische Waffe missbraucht. Warum ist das so? Und wie könnte man in angemessener Form über Opfer sprechen?
Das Opfer ist allgegenwärtig im zeitgenössischen medialen Diskurs. Kirstin Breitenfellner rekonstruiert die Geschichte dieses oft missbrauchten Begriffs und hinterfragt seine Verwendung. Sie beleuchtet die anthropologischen und religiösen Wurzeln des „Opfers“ und entlarvt den Prozess der Schuldzuschreibung und des Abstellens von Sündenböcken als Akt kollektiver Gewalt, der auf der Schwelle zwischen dem Heiligen und Profanen steht. Im Zentrum des Buchs steht die vertrackte Beziehung zwischen Opfern, Tätern und selbsternannten Rettern, die nicht selten zu Verfolgern werden. Letztere sind im Zeitalter der sozialen Netzwerke nicht nur Journalisten, sondern wir alle. Am Schluss dieses Parforceritts legt die Autorin vier Vorschläge für eine ehrlichere, rationalere Berichterstattung über Opfer und Täter vor.

Ein neuer Beitrag zur Laktationsforschung:

Milk / Milch
Gabe, Lust und Verlust
Herausgegeben von Irini Athanassakis
Übersetzt von Tessa Stevenson und Jean-Loup Thebaud
176 Seiten, br.,€ 29,90
 978-3-7092-0246-3
Am Anfang war also die Milch. Denn wenn das Leben gegeben wird, eine Gabe, wird ein weiteres Geben lebensnotwendig, das der (Mutter-)Milch. Die Milch, eine Gegebenheit, oder auch nicht, wird produziert, um gegeben und genommen, eigentlich lustvoll eingesogen zu werden.  Irini Athanassakis Arbeiten mit und zu Muttermilch begannen mit einer Serie von Tropfen aus Muttermilch auf Papier, rechts und links, beiläufigen hellen Flecken auf weißem Papier, und entwickelte sich in der Folge zu fragilen transparenten Mindmaps, assoziativen Kommentaren zur Anatomie der Brust, zu den Prozessen und Erfahrungen des Laktierens, des Kolostrums; sie umschreiben Gedanken zur Mythologie, zur Technologie und zur Ökonomie des Stillens. Damit schreibt Athanassakis die lange Tradition der künstlerischen Arbeiten mit Körperflüssigkeiten in Weiß fort, kopiert und zitiert ohne Zögern Natur-, Sozial- und Kulturwissenschaften und Kunst und bringt diese ohne Kausalität auf milchigen Blättern in räumliche Nahverhältnisse, um schließlich für eine (Bio-)Praxis des unbedingten Gebens zu plädieren. Namhafte AutorInnen begleiten diese Suche nach der Bedeutung des Milchozeans, dem der indischen Mythologie zu Folge alles entspringt. (Cows are mothers, too.)


Jacques Derrida
Vor allem, keine Journalisten
64 S., br., € 11,00
978-3.7092-0302-6
Anlässlich einer Tagung zum Thema Religion und Medien im Jahr 1997 greift Jacques Derrida die Frage nach Glauben und Wissen sowie ihrem Verhältnis zur Bezeugung und medialen
Vermittlung des Glaubensaktes auf. „Was hat Gott zu Abraham sagen müssen? Was hat er ihm notwendigerweise bedeutet, als er ihm den Befehl gegeben hat, auf den Berg Moriah zu steigen, begleitet von lsaak und seinem Esel, angesichts des schlimmsten ‚Opfers'? Was hat er ihm sagen können und ihm bedeuten müssen? [ ... ] Man kann, in aller Gewissheit, ohne irgendetwas anderes zu wissen, vorbringen, dass er ihm etwas hat bedeuten müssen, das ich so zusammenfassen würde: ‚Vor allem, keine Journalisten!' [ ... ] Was haben die drei großen Monotheismen gemein? Wenn es nicht bloß die Referenz auf Abraham ist (die zwischen den dreien auf unterschiedliche Weise moduliert wird), dann ist es der geteilte Glaube."


Jacques Rancière
Zehn Thesen zur Politik
56 S., br., € 9,90
978-3-7092-0307-1
Die Zehn Thesen zur Politik verknüpfen in ebenso prägnanter wie polemischer Weise die Vielfalt von Rancières politischem Denken zu einem klaren und stringenten Gesamtbild. Zentrale Motive wie der Gegensatz von Politik und Polizei, das Problem der Subjektkonstitution, die Frage nach der Bedeutung der politischen Philosophie und nach dem Stellenwert der Demokratie erhalten in demselben Maß Kontur, wie ihr argumentatives Ineinandergreifen sichtbar wird. Gerade durch die kondensierte Form gewinnen Rancières Gedanken an Plausibilität und Verbindlichkeit.
Eine philosophische Farce zum Tränenlachen:


Alain Badiou
Der zweite Sokrates-Prozess
160 S., br., € 19,90
978-3-7092-0298-2
Der Prozess des Sokrates, der mit seiner Verurteilung zum Tod endete, wird im heutigen Athen neu aufgerollt. Die Verteidiger Platon, Xenophon und Aristophanes wollen das Urteil aufheben lassen. Ein französischer Journalist berichtet exklusiv.
Und was sagt Sokrates selbst dazu?

Jacques Rancière
Moderne Zeiten
112 S., br., € 14,00
978-3-7092-0308-8
Gibt es eine spezifische Zeitlichkeit der Moderne? Wenn ja, welche politischen Implikationen hat sie? Diese Fragen diskutiert Jacques Rancire in vier Vorträgen, in welchen er die Erzählformen von Werken der Literatur, des Tanzes und des Kinos untersucht, die in seinen Augen paradigmatisch für die ästhetische lnnovationskraft der Moderne stehen. Als zentrales Merkmal der ästhetischen Moderne betrachtet Ranciäre eine spezifische Zeitlichkeit, die durch Erzählformen implementiert wird. Im Gegensatz zu einer an aristotelischen Maßstäben orientierten Erzählung, die eine Zeit instituiert, die denen vorbehalten bleibt, die das Privileg haben, ihrem Handeln Sinn zu verleihen, eröffnet die moderne Ästhetik Wege zu einer enthierarchisierten Zeit, in der alle Augenblicke gleichwertig sind. So ermöglichen Werke wie "Der Mann mit der Kamera" - ein Film der aus Handgriffen einfacher Arbeiter die Symphonie der komunistischen Gemeinschaft komponiert - neue Aufteilungen des Sinnlichen und eröffnen neue Wege, sich den Raum der alltäglichen Erfahrung emanzipativ anzueignen. Ranciäre verfolgt diese Entwicklung bis in die Gegenwart und zeigt so, wie aktuell das utopische Projekt der ästhetischen Moderne heute immer noch ist.


Alain Badiou
Trump
Amerikas Wahl
Aus dem Französischen von Martin Born
2., überarbeitete Auflage
72 S., br., € 9,90
978-3-7092-0265-4
Wie erklärt man den Wahlsieg Donald Trumps? Welcher Form von Subjektivität bedarf es, um unter den gegebenen Umständen Widerstand zu ermöglichen? Wie können politische Programme und Aktionen aussehen angesichts der Krise der westlichen Demokratien, für die Trump als Symbol steht? Einen Tag, nachdem Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, hielt Alain Badiou einen Vortrag an der University of California in Los Angeles. In dieser hochaktuellen, politisch brisanten Rede bezieht der Philosoph Stellung zur Situation in den USA. Neben der Analyse der Ursachen und Gründe, die einem Politiker, der seiner Definition nach faschistisch ist, den Aufstieg zum sogenannten mächtigsten Mann der Welt ermöglicht haben, entwickelt Badiou hier Ansätze eines radikalen Gegenentwurfs: Er blickt nach vorne und versucht zu skizzieren, wie politischer Widerstand angesichts der aktuellen Ereignisse aussehen kann. Die Krise der westlichen Demokratien, deren jüngstes und vielleicht spektakulärstes Symptom der WahlsiegTrumps darstellt, birgt neben der Bedrohung womöglich die Chance einer politischen Neuorientierung, eines Aufbruchs zu neuen Formen des Engagements jenseits der etablierten politischen Institutionen. Folgt auf diesen Schock ein politisches Erwachen im Westen?

Francois Jullien
Nah bei ihr
Opakes Da-Sein, vertraute Präsenz
96 S., br.. € 11,90
978-3.7092-0304-0
Wie lässt sich verhindern, dass Gegenwart, sobald sie eintritt, sich setzt? Dass sie ins Stocken gerät, wenn sie nur wirklich wird, und verdirbt in der Dauer? Wie lässt sich dieses ‚Verknöchern' der Nähe abwenden, von dem alle Liebenden bedroht sind? Francois Jullien schlägt vor, das „Nahsein" der Gegenwart nicht in Begriffen des „Seins", also der Bestimmung, zu denken, sondern den Blick auf das Dazwischen zu richten, das in unbestimmter Weise das Intime zwischen den Subjekten passieren lässt. Gegenwart darf nicht in der Schicksalshaftigkeit eines Da-Seins versinken, das unwirksam wird und verschwindet, sobald es sich breitmacht in seinem „Da". Dies zu vermeiden ist von höchster Bedeutung für ein Leben zu zweit, ein gemeinsames Ex-sistieren.

Colin Crouch
Der Kampf um die Globalisierung
88 S., br., € 10,90
978-3-7092-0301-9
Um kaum einen Begriff der jüngeren politischen Geschichte gibt es so viele Kontroversen wie um den der Globalisierung. Was links und was rechts ist, ist dabei oftmals nur noch schwer zu unterscheiden. Mit seiner differenzierten Analyse der Globalisierung bringt Colin Crouch Klarheit in diesen ideologisch aufgeheizten Konflikt. Crouch zeigt, dass es weder wünschenswert noch möglich ist, die Globalisierung aufzuhalten. Es kommt aber darauf an, die internationalen Institutionen zu stärken um die Globalisierung zu zivilisieren. So wie die sozialdemokratischen Ideen des Sozialstaates Europa eine lang anhaltende Periode des Wohlstand und des Friedens gebracht haben, müssen heute sozialdemokratische Ideen des Interessenausgleichs die Basis von Reformen der internationalen Institutionen werden, damit der hemmungslosen Profitgier transnationaler Konzerne und ihrer zerstörerischen Kraft nicht das Feld überlassen wird.



Jacques Rancière
Der unwissende Lehrmeister
3., verbesserte Auflage
176 S., br.. € 21,90
978-3-7092-0314-9
Der Lehrmeister Joseph Jacotot lehrt, was er nicht weiß, und verkündet die frohe Botschaft der intellektuellen Emanzipation: Alle Menschen sind gleich intelligent. Jacques Rancire zeichnet die Philosophie der intellektuellen Emanzipation nach und präsentiert sie unserer pädagogisierten und von Ungleichheit geprägten Gesellschaft. 1818 begann Joseph Jacotot, exilierter Revolutionär und Lektor für französische Literatur an der Universität Löwen, Panik im gelehrten Europa zu verbreiten. Nicht damit zufrieden, flämischen Studenten Französisch beigebracht, ohne ihnen eine einzige Lektion gegeben zu haben, lehrte er, worüber er unwissend war und proklamierte die Losung der intellektuellen Emanzipation: Alle Menschen haben die gleiche Intelligenz. Es handelt sich hierbei nicht um amüsante Pädagogik, sondern um Philosophie und, wenn man will, um Politik. Die Vernunft lebt nur von der Gleichheit. Die soziale Fiktion jedoch lebt nur von Rängen und ihrer unaufhörlichen Rechtfertigung. Die große Lektion von Jacotot ist, dass die Bildung wie die Freiheit ist: Sie wird nicht verliehen, sondern genommen. Sie wird den Monopolisten der Intelligenz, die auf dem Erklärthron sitzen, entrissen. Es genügt, sich selbst zu erkennen und in jedem anderen sprechenden Wesen dieselbe Fähigkeit anzuerkennen. J. Rancière geboren 1940, lehrte zwischen 1969 und 2000 Philosophie und Kunsttheorie an der Universität Paris VIII.

Jacques Derrida
Von der Gastfreundschaft
5. Auflage
168 S., Br., € 21,90
978.3-7092-0313-2
Von der Gastfreundschaft gehört zu den Texten Jacques Derridas, die eine Ethik der Dekonstruktion zu formulieren suchen. Dabei bietet es einen leicht nachvollziehbaren Einstieg in das Denken Derridas, das hier gleichsam in Aktion sichtbar wird. In exemplarischen Lektüren ausgewählter Dialoge Platons sowie des Ödipus auf Kolonos von Sophokles, in denen verschiedene Figuren des ‚Fremden‘ skizziert werden, erscheint die Frage des Fremden als Frage des Fragens: „Besteht die Gastfreundschaft darin, dem Ankömmling Fragen zu stellen? Oder beginnt die Gastfreundschaft damit, dass man empfängt, ohne zu fragen?“ In Frage steht die Unterscheidung zwischen einer bedingten und der unbedingten Gastfreundschaft, die ‚Antinomie‘ zwischen den Gesetzen der Gastfreundschaft und dem Gesetz der Gastfreundschaft. Auch in Bezug auf biblische Beispiele, in denen die Gesetze der Gastfreundschaft über allem, auch über ethischen Verpflichtungen zu stehen scheinen, stellt Derrida die Frage: „Sind wir die Erben dieser Tradition der Gastfreundschaft? Inwieweit?“

Louis Althusser
Einleitung in die Philosophie für Nichtphilosophen
328 S., br., € 39,00
978-3-7092-0282-1
Im Jahr 1975, inmitten der wohl politischsten Phase seines Lebens und seiner Arbeit, beschließt Louis Althusser, eine Art Lehrbuch zu verfassen, das die Philosophie auch für Laien zugänglich macht: Einleitung in die Philosophie für Nichtphilosophen ist das bestechende Ergebnis. Das Buch ist keineswegs ein schlichtes populärwissenschaftliches Einführungswerk – Louis Althusser liefert hier den Niederschlag seiner grundlegenden Thesen hinsichtlichder Themen Ideologie, Wissenschaft und Religion wie auch des Begriffs der Praxis, der für sein Denken zentral ist und hier wie nirgendwo anders Profil erhält. Dieses Buch stellt einen Augenblick der Synthese im Werk Althussers dar, eine funkelnde Momentaufnahme einer der einflussreichsten Philosophien des späten 20. Jahrhunderts, eine kristallklare Einführung in deren Hauptkategorien – und zugleich ein Manifest für das Denken der Zukunft. Ein Denken, von dessen brennender Relevanz der Erfolg derer zeugt, die als Althussers ‚Kinder‘ gelten dürfen.Von Jacques Rancière bis Alain Badiou, von Slavoj Žižek bis Étienne Balibar – seine Schüler verdanken ihm, noch dort, wo sie sich von ihm kritisch abgrenzen, wesentliche Impulse.


Hélène Cixous
Osnabrück Hauptbahnhof nach Jerusalem
152 S., br., € 19,90
978-3-7092-0285-2
„Zu Zeiten, als meine Mutter Eve am Leben war, habe ich mir stets gewünscht, nach Osnabrück zu fahren, in die Stadt der Familie meiner Mutter, der Jonas’. Und jetzt, wo niemand mehr da ist und das Gedächtnis sucht, wo, in wem es Zuflucht finden kann, jetzt, wo es zu spät ist, da ist es an dir hinzufahren, sagt mir das Schicksal, Hüter der genealogischen Mysterien.“
Mehr über Osnabrück
Bodies of Evidence
Ethics, Aesthetics, and Politics of Movement
ed. Gurur Ertem, Sandra Noeth
280 S., br., € 29,90
978-3-7092-0303-3
This book focuses on the human body in, of, and as evidence. It illuminates how the body appears simultaneously as witness, document, and agent as it moves across borders drawn by vectors of power such as nationhood, sovereignty, and normalcy. From multiple perspectives traversing the fields of visual and performing arts, social anthropology, political theory, critical journalism, and philosophy, this book interrogates the complex ways in which the body is implicated in contemporary “crises” and addresses its political and ethical repercussions. Contributions to the volume include commissioned articles, essays, interviews, dialogues and case studies that offer insights into corporeality as the often-neglected dimension that cuts through ethics, aesthetics, and politics. The book is commissioned by tanzhaus nrw Düsseldorf.
Philosophy on Stage
Philosophie als künstlerische Forschung
Hg. v. Arno Böhler u. Susanne Valerie Granzer
280 S., br., € 33,60
978-3-7092-0300-2
Wie verändert sich unser Bild des Denkens, wenn sich Philosoph_innen und Künstler_innen aufmachen, Philosophie als eine künstlerische Forschungspraxis zu verstehen? Ist das Denken seit Nietzsche nicht genau dahin unterwegs, sich selbst die Verankerung in der Sinnlichkeit zurückzugeben? Diese Forschungsfrage ist der entscheidende Impetus, aus dem heraus der Philosoph Arno Böhler und die Künstlerin Susanne Valerie Granzer seit 20 Jahren Milieus für ein Denken bauen, das nicht insgeheim einem asketischen Ideal frönt, sondern dem Körper und dem Begehren Raum gibt. Der Sammelband präsentiert eine philosophische Kontextualisierung dieser Fragestellungen im Rahmen des Festivals „Philosophy On Stage #4: Nietzsche et cetera“. Mit Texten von Arno Böhler, Susanne Valerie Granzer, Anke Haarmann, Krassimira Kruschkova, Alice Lagaay, Anton Rey und Elisabeth Schäfer. Das Buch ist im Rahmen des PEEK Projektes „Artist-Philosophers. Philosophy as Arts-Based Research“ entstanden, das vom Österreichischen Wissenschaftsfonds gefördert wurde.



Stören!
Das Passagen-Buch
120 S., br., € 14,90
978-3-7092-0283-8
Der Passagen Verlag engagiert sich seit nunmehr 30 Jahren für die Vermittlung französischen Denkens im deutschsprachigen Raum. Anlässlich dieses Jubiläums erscheint ein besonderes Buch, das die Gründungszeit des Verlages wiederaufleben lässt und dabei die Kernthemen herauskristallisiert, die bis heute für die Arbeit des Verlages wegweisend sind. Autoren der ersten Stunde wie Jacques Derrida und Jean- François Lyotard sind Ideengeber des wichtigsten gesellschaftlichen Umbruchs am Ende des 20. Jahrhunderts, das durch zwei totalitäre Systeme – Kommunismus und Faschismus – dominiert war. Angesichts der gegenwärtigen politischen Weltlage zeigt sich heute erneut die fundamentale Bedeutung dieser kritischen Positionen. Dieses Buch führt den Leser in die 1980er-Jahre, die Hoch-Zeit der „Postmodernen Philosophie“ in Frankreich, zurück und illustriert anhand ausgewählter Dokumente die Anfänge des Projekts Passagen Verlag. Bisher unveröffentlichte Gespräche mit Jacques Derrida, Jean-François Lyotard und zahlreiche Fotos sowie aktuelle Beiträge von Hélène Cixous, Alain Badiou und Jacques Rancière gewähren dem Leser einen Einblick in den lebhaften intellektuellen Austausch, der die theoretischen Diskurse der Gegenwart Mit bisher unveröffentlichten noch immer u m innovative Positionen bereichert.
Texte von:
Jacques Derrida
Jean-François Lyotard
Hélène Cixous
Jacques Rancière
Alain Badiou

Herzlichen Glückwunsch!

Cixous, Hélène
Aus Montaignes Koffer
im Gespräch mit Peter Engelmann
184 S., br., € 22,00
ISBN 978-3-7092-0251-7
Der Gesprächsband bietet Einblick in die Erfahrungs- und Gedankenwelt Hélène Cixous’, einer der wichtigsten französischsprachigen Autorinnen unserer Zeit. In vier Gesprächen, die hier erstmals veröffentlicht werden, spürt Peter Engelmann den maßgeblichen Themen in Hélène Cixous’ Werken nach. Von zentraler Bedeutung ist die Kindheit der Autorin, die sie während des Zweiten Weltkrieges in Algerien zubringt, wo mit der vor dem Nationalsozialismus aus Osnabrück nach Oran geflohenen Großmutter auch Osnabrück als Fantasiestadt für sie weiterlebt. Diese algerische Kindheit teilt Cixous zudem mit Jacques Derrida, mit dem sie nicht nur eine lebenslange Freundschaft verband, sondern auch einen regen schöpferischen Austausch unterhielt. So bilden Cixous’ Biografie, ihre Beziehung zu Derrida und ihr politisches Engagement die Leitmotive dieses Bandes.
.
„Was ich tue, wenn ich schreibe, ist im Grunde, dass ich das Intimste, Verborgenste, Verbotenste schreibe, dort, wo es mit der Weltgeschichte in Verbindung steht und mit ihr kommuniziert.
Das ist mein ständiges Anliegen.“ (Hélène Cixous).


Alain Badiou
Für eine Politik des Gemeinwohls
Im Gespräch mit Peter Engelmann
Aus dem Französischen von Martin Born
88 S., br., € 12,00
978-3-7092-0247-0
Im sechsten Band der Reihe Passagen Gespräche setzen Alain Badiou und Peter Enge/mann auf kontoverse Weise ihre 2012 begonnene Diskussion über die Idee des Kommunismus, ihre Potenziale und Gefahren sowie ihre Bedeutung für die drängenden politischen Fragen der Gegenwart fort. War der erste Band der Reihe Passagen Gespräche den philosophischen Grundlagen der kommunistischen Hypothese Badious gewidmet, so nimmt dieser Band nun konkret Bezug auf die aktuelle politische Weltlage. Dabei wird die Gültigkeit und Anwendbarkeit von Badious Thesen angesichts von Problemen wie Migration, islamistischem Terrorismus und dem wiederauflebenden Nationalismus in Europa auf die Probe gestellt. Im Streitgespräch legt Badiou seine Überzeugung dar, dass die politischen Herausforderungen unserer Zeit nur mithilfe einer solidarischen Überbrückung jener Gräben gemeistert werden können, die die verschiedenen Nationen und Klassen heute schärfer denn je von einander trennen. Nur eine Politik, die sich als Politik aller Menschen versteht und nicht im Namen der Interessen einer Einzelgruppe agiert - sei es nun einer Nation, Religion oder Wertegemeinschaft -‚ kann die Welt aus der aktuellen Krise des global isierten Kapitalismus herausführen. VIDEO: Peter Engelmann im Gespräch mit dem französischen Philosophen Alain Badiou

Alain Badiou
Lob der Mathematik
112 S., br., € 14,90
978-3-7092-0284-5
Wozu ein Lob der Mathematik schreiben, wenn man, wie Alain Badiou, der Auffassung ist, jede Philosophie müsse in erster Linie Metaphysik des Glücks sein, denn andernfalls sei sie nicht eine Stunde unserer Bemühungen wert? Welche Verbindung kann zwischen Mathematik und Glück bestehen?

Gregor Eichinger
Funktion.Emotion
Das Unsagbare in der Architektur
64 S., br., € 14,00
978-3-7092-0280-7
1.) Architektur wird emotional geboren und emotional konsumiert.
2.) Das Instrument bist du selbst, was dich zum klingen bringt sind: die Menschen, die Räume, die Stadt. Alles was dich berührt und alles was du berühren kannst.
Wir wollen die Kernfragen beantwortet wissen: Wer bin ich? Wieso heiße ich so? Wo geht's zu den Toiletten? Das alles muss sich in der Benutzeroberfläche der Architektur wiederspiegeln. Vergangene Räume zeigen uns, dass Architektur das kann. Wenn wir uns das bewusst machen, erkennen wir die Dimension des Schadens, der stattgefunden hat. Wir finden den emotionalen Inhalt der Benutzeroberfläche in der Ornamentik, in einer Lust an der Vielfalt von Stoffen und Webarten und allen Arten von Dingen, die Bilder erzeugen können. Durch Reliefausbildung wird nun die schattenspendende dritte Dimension in die Oberfläche gebracht. Duch sie bekommt die Benutzeroberfläche real physisch und auf der geistigen Ebene Tiefe. Die maschinell hergestellten und oft vorfabrizierten Oberfläche sind aber meist glatt wie ein Ei in ein Tragwerk hineingelegt. Der Architekt kümmert sich um die Maximierung der Kubatur und um die Gestaltung der Fassade und dann kommt die Einrichtungshenne und legt ihr Ei.

Hélène Cixous:
Das Lachen der Medusa
zusammen mit aktuellen Beiträgen
2., durchgesehene Aufl.
200 S., br., € 23,90
978-3-7092-0276-0
„Das Lachen der Medusa“, 1975 auf Französisch erschienen, zählt zu den Schlüsseltexten der feministischen Theorie und ist ein widerständiges, vitales und provokantes Bekenntnis zum politischen Akt des Schreibens im Ausgang vom weiblichen Begehren. Damit liefert der Text einen wichtigen Kontrast zu jenen zahlreichen feministischen Wortmeldungen der 1970er-Jahre, die einem typisierenden Opfergestus der Frau huldigen. Der Sammelband prä- sentiert, nunmehr in zweiter Auflage, die deutsche Erstübersetzung dieses ausschlaggebenden Essays Hélène Cixous’ zusammen mit aktuellen Beiträgen von Ulrike Oudée Dünkelsbühler, Esther Hutfless, Eva Laquièze-Waniek, Sandra Manhartseder, Elissa Marder, Gertrude Postl, Claudia Simma und Silvia Stoller. Ein aktuelles Interview mit Hélène Cixous, geführt von Elisabeth Schäfer, kontextualisiert „Das Lachen der Medusa“ und erleichtert den Zugang.

Jacques Derrida
Préjugés
Vor dem Gesetz
5., durchgesehehne Auflage
112 S., br., € 14,90
978-3-7092-0287-6
Ausgehend von der Frage nach dem Urteilen und dem Verweisungsspiel des unübersetzbaren Titels Préjugés
unternimmt Derrida eine philosophierende Lektüre von Kafkas Erzählung „Vor dem Gesetz“.

Richard Rorty
Hoffnung statt Erkenntnis
Eine Einführung in die pragmatische Philosophie
3., durchgesehene Auflag
104 S., br., € 13,00
978-3-7092-0273-9
Der Band versammelt drei Vorlesungen, die Richard Rorty 1993 am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien gehalten hat. Rorty entwickelt darin eine gleichermaßen eigenständige wie schlüssige Darstellung des Pragmatismus. Passagen Philosophie Rorty In seinem Vorlesungszyklus liefert Richard Rorty einen Brückenschlag zwischen dem klassischen Pragmatismus Peirce’- scher Prägung und den Theorien jüngerer Autoren – etwa Quines, Putnams und Davidsons. Dabei deutet Rorty den Pragmatismus als das philosophische Bemühen, unsere moralischen Auffassungen mit der Weltsicht der Biologie Darwins zu versöhnen, und zieht Parallelen zu Kants Versuch, die neuzeitliche deterministische Naturauffassung mit der Freiheit vernünftiger Wesen in Einklang zu bringen. Mit seiner Neuinterpretation schlägt Rorty vor, uns von der Vorstellung einer inneren Natur der Wirklichkeit zu verabschieden und an die Stelle des klassischen Wahrheitsanspruchs die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu setzen.
Richard Rorty (1931–2007) lehrte Philosophie am Wellesley College, Princeton University, University of Virginia und an der Stanford University.


Cynthia Fleury
Die Unersetzbaren
184 S., br., € 23,90
978-3-7092-0290-6
Die Psychoanalytikerin und Philosophin Cynthia Fleury zeigt in ihrem streitbaren Essay, wie die Unersetzbarkeit im Zentrum
nicht nur von Subjektivierung und Individuation, sondern auch der Festigung des Rechtsstaats und der Demokratie steht. 

Gianni Vattimo
Jenseits vom Subjekt
Nietzsche, Heidegger und die Hermeneutik
3., durchgesehene Auflag
148 S., Br., € 16,90
978-3-7092-0272-2
Das Misstrauen gegenüber traditionellen Begriffen wie Subjekt, Sein und Wahrheit darf, so Gianni Vattimo, nicht ohne Auswirkungen für die Hermeneutik bleiben.
Einem an der Präsenz orientierten Denken setzt Vattimo daher sein Konzept einer „schwachen Metaphysik“ entgegen.

Geoffroy de Lagasnerie
Michel Foucaults letzte Lektion
Über Neoliberalismus, Theorie und Politik
152 S., br., € 21,00
978-3-7092-0291-3
War Foucault gegen Ende seines Lebens tatsächlich ein Anhänger des Neoliberalismus? Geoffroy de Lagasnerie widerlegt diese allgemein verbreitete Auffassung in einer ebenso spannenden wie aufschlussreichen Lektüre umstrittener Texte Foucaults, in der er aufzeigt, wie Foucault den Neoliberalismus als Instrument der Kritik strategisch einsetzt, ohne sich seiner Lehre zu verschreiben. Ab den frühen 1970er-Jahren befasst sich Michel Foucault in zahlreichen Texten, die zu den umstrittensten seines Werkes gehören, mit dem Neoliberalismus. Geoffroy de Lagasnerie wendet sich gegen die gängige Rezeption, die diese Auseinandersetzung als Zeichen dafür nimmt, dass Foucault sich gegen Ende seines Lebens dem Neoliberalismus angeschlossen habe. Die Strömung weder völlig ablehnend noch sich ihr einfach unterwerfend, nutze Foucault den Neoliberalismus als ein Mittel, um die Grenzen der politischen Philosophie, der Theorie des Gesellschaftsvertrags, der Rechtstheorien, des Marxismus und der Psychologie aufzuzeigen. Foucault geht es darum, mittels einer Neuinterpretation des Neoliberalismus eine historisch wirksame Fähigkeit zum Ungehorsam zu entwickeln. Hierbei wirft Geoffroy de Lagasnerie die Fragen auf, mit welchem Mitteln im Zeitalter des Neoliberalismus eine Philosophie der Emanzipation erarbeitet werden kann und welches die Bedingungen der Kritik dieser Gouvernementalität sind. Damit geht er auf ganz neue Weise an Themen heran, die im Brennpunkt der zeitgenössischen Diskussionen auf internationaler Ebene stehen..


Laurent Alexandre /Jean-Michel Besnier
Können Roboter Liebe machen?
Transhumanismus in 12 Fragen
128 S., Br., € 16,90
978-3-7092-0281-4
Was wäre, wenn man den Tod überwinden oder Lebensformen mithilfe der Gentechnik nach Belieben ‚designen‘ könnte? Oder wenn die Überlegenheit der künstlichen Intelligenz die Menschen dazu zwingen würde, ihre intellektuellen Fähigkeiten zu modifizieren, damit sie im Wettbewerb mit den Maschinen Schritt halten können? Ob die technischen Revolutionen, die der sogenannte Transhumanismus prophezeit, einen Fluch oder einen Segen für die Menschheit bedeuten, diskutieren der französische Mediziner Laurant Alexandre und der französische Philosoph Jean-Michel Besnier in Können Roboter Liebe machen?. Dabei wird deutlich, dass es sich beim Thema Transhumanismus keineswegs um Science-Fiction handelt, sondern um gesellschaftlich und politisch hochrelevante Fragen; denn Einfluss auf diese Entwicklungen zu nehmen, die zum Teil bereits im Begriff sind, sich zu vollziehen, erscheint heute, wo es der Politik immer schwerer fällt, transnational agierende Unternehmen zu kontrollieren, besonders schwierig. Umso wichtiger ist es den Autoren, die durch ihre kritische Auseinandersetzung einen differenzierten Einblick in die Transhumanismus-Debatte ermöglichen, das Thema beizeiten ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.


Peter Eisenman
Aura und Exzess
Zur Überwindung der Metaphysik der Architektur.
Essays und Gespräche 1976–1994
Herausgegeben Ullrich Schwarz
Übersetzt und bearbeitet von Ullrich Schwarz und Martina Kögl
2., durchgesehene Auflage.
384 S., Br., € 40,00
978-3-85165-987-0
Der amerikanische Architekt und Architekturtheoretiker Peter Eisenman entwickelt eine „Architektur des Ereignisses und des Exzesses“, die sich in unplanbarer Singularität selbst entfaltet. Benjamin modifizierend, versteht Eisenman die Erfahrung des Singulären als Aura – im Sinne Derridas als Präsenz der Absenz. Peter Eisenman ist nicht nur einer der provozierendsten Architekten der Gegenwart, er gehört darüber hinaus bereits seit den 70er Jahren zu den international führenden Architekturtheoretikern. Ausgehend von Foucaults Grundthese der Dezentrierung des Subjekts und Derridas Kritik der Präsenz, arbeitet Eisenman an einer Überwindung der Metaphysik in der Architektur, welche ihm zufolge nur einen stilistischen, jedoch keinen konzeptionellen Begriff der Moderne hervorgebracht hat. Angeregt durch neue Ansätze in den Naturwissenschaften, entwickelt Eisenman eine Architektur, die keinem platonischen Diskurs folgt, sondern sich selbstorganisierend entfaltet. Die unplanbare Singularität dieser Entfaltung nennt er eine „Architektur des Ereignisses und des Exzesses“. Die Erfahrung des Singulären versteht Eisenman im Sinne Walter Benjamins als Aura. In seiner Rezeption von Jacques Derrida stellt sich diese als Präsenz der Absenz dar. In diesem Band werden Eisenmans wichtigste theoretische Texte aus zwei Jahrzehnten gesammelt vorgelegt. 

Andrea Günter
Wertekulturen, Fundamentalismus und Autorität
Zur Ethik des Politischen
202 S., Br., € 22,00
978-3-7092-0278-4
Gegen das Erstarken autoritärer Politik wird derzeit gerne die Verteidigung westlicher Werte beschworen. Muss in postmodernen Zeiten das Verhältnis von Moral und Politik aber nicht viel grundsätzlicher überdacht werden? Im Hinblick auf eine „Ethik des Politischen“ gilt es, das Phänomen Autorität als Veränderung leitendes Moment zu rekonstruieren: Autorität kann nicht auf Autoritäres reduziert werden. Eine solche Identifizierung ist unterkomplex. Sie führt zu einem falschen Verständnis des Verhältnisses von Moral und Politik, letzlich der Demokratie. Autorität würde derart zu deren Gegensatz. Demokratie aber ist mehr als ein formalistisches Alle-(be)stimmen-gleichberechtigt. Sie beruht immer auch auf einem Streben nach Gerechtigkeit und gerechteren Verhältnissen sowie auf einem Sprechen-in-erster-Person, das wiederum auf der persönlich reifen, also ethisch-politisch fundierten Urteilskraft des Einzelnen fußt. Vor dem Hintergrund einer solchen Präzisierung des Verhältnisses von Moral und Politik können einerseits fundamentalistisch-autoritäre und autoritativ-demokratische Wertekulturen unterschieden und andererseits wesentliche Aspekte des Fundamentalismus, des Tyrannischen und Bösen neu ausgeleuchtet werden. Derart wird ein Verständnis des Politischen etabliert, das ein an Gerechtigkeit orientiertes autoritatives Zusammenwirken von Individualität und Pluralität für die Gestaltung der Zukunft von Welt und Menschheit fassbar werden lässt.

Hélène Cixous
Osnabrück
184 S., br., € 23,90
978-3-7092-0250-0
„Es geht um das Leben meiner Mutter, in Wahrheit, ums Leben, zu leben, von ihrem Überleben zu leben und sogar, was noch mehr ist, um ihr Überleben, ihre Weisen, sich selbst zu überleben und die Zeit." Cixous erkundet erstmals die facettenreiche Persönlichkeit ihrer Mutter, die in vielen ihrer nachfolgenden Werke einen wichtigen Platz einnimmt und deren Geburtsort Osnabrück, Stadt des westfälischen Friedens, dem Band seinen Namen leiht. „Vor langer Zeit bereits ist dieses Buch aufgebrochen, Monate, Straßen, lang wie Nächte in fremden Ländern, ohne Züge, Städte in allen Größen, seit ein oder zwei Jahren durchwandert es das Mysterium der Zeiten auf den vier Kontinenten, die die Geschichte meiner Mutter tragen und sie gleichermaßen interessieren. [...] Doch bald schon entdeckte ich, dass es ein Kampf werden würde, dies Buch gegen sich selbst, und genauer noch ein Kampf meiner Mutter gegen meine Mutter, ich präzisiere: von Maman gegen meine Mutter und noch genauer ein in meiner Mutter selbst geführter Kampf, der sich über die ganze Erde hin erstreckte - die Erde, die sie ist —, zwischen Maman, meiner Mutter, Eve, unserer Mutter, Eva, Eva Klein der Verlobten meines Vaters, und Eve Cixous Hebamme, ein unausgesetzter Kampf so lebensnotwendig und stetig wie Herzschlag und Atem."


Tom Schoper
Ein Haus: Werk - Ding - Zeug?
Gespräche mit Gion A. Caminada, Hermann Czech, Tom Emerson, Hans Kollhoff, Valerio Olgiati
2: ÜBERARBEITETE AUFLAGE
184 S., zahlr. Abb., br., € 21,90
978-3-7092-0266-1
Was ist ein Werk in der Architektur und wie unterscheidet es sich vom alltäglichen Bauen? In persönlichen Gesprächen mit fünf international erfolgreichen und einflussreichen Architekten sucht Tom Schoper eine zeitgemäße Antwort auf diese Fragen.In seinen Gesprächen über das Wesen des Werkes in der Architektur fragt Tom Schoper, was das architektonische Werk heute sein kann, was seine Bedeutung ausmacht und weshalb die Architekten mit jeder Aufgabe erneut nach dem Werk streben. Dabei wirft der Autor einen Gegenblick auf Martin Heideggers Thesen zum Ursprung des Kunstwerkes, die das Werk vom dienenden Zeug und vom autonomen Ding unterscheiden. Die Aufzeichnungen dieser Gespräche zeigen, dass trotz der Differenzen der befragten Architekten in Generation und Herkunft die Arbeit an der Disziplin der Architektur immer als eine Auseinan­dersetzung zwischen Idee, Geschichte, Erfahrung und Ästhetik zu verstehen ist. Diese Auseinandersetzung ist es, die zum Wesen der Architektur führt. Tom Schoper, geboren 1967 in München, ist Architekt in Dresden und lehrt an  der Fakultät Architektur der TU Dresden. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im  Bereich der Wechselwirkung von Architektur, bildender Kunst und Philosophie.

Robert Fleck
Das Atelier im 21. Jahrhundert
106 S., br., € 14,30
978-3-7092-0204-3
Das Atelier des Künstlers ist ein Mythos und zugleich ein konkreter Ort. Durch seine hochgradige Individualisierung stellt es in der Arbeitswelt der postindustriellen Wirtschaftsgesellschaft einen utopischen Gegensatz zur Normierung der Arbeitsplätze dar. Das Buch untersucht die Geschichte und den Strukturwandel des Ateliers vom Anfang des 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Als Grundlage dient dem Autor nicht zuletzt seine langjährige Recherchearbeit durch Atelierbesuche bei Künstler aller heute tätigen Generationen. Wie verhalten sich die zeitgenössischen Bildtechniken und die kollektiven Arbeitsformen der Künstler zum individuellen Künstleratelier? Welche Rolle behält das Atelier als ein exemplarischer Ort der Nichtöffentlichkeit angesichts der zunehmenden Vernetzung mit dem öffentlichen Raum und seinen medialen Repräsentationen? Das Atelier erscheint als eine in jedem Fall singuläre "Kriegsmaschine" im Sinne vom Deleuze und Guattari, von der ausgehend eine künstlerische Arbeit ihre "alterité", die radikale Andersartigkeit in der Welt der Gegenwart auszubilden vermag. Robert Fleck, 1957 in Wien geboren, seit 1981 in Paris, studierte unter anderem bei Gilles Deleuze und Michel Foucault. Von 2000-2012 leitete er die Kunsthochschule von Nantes, die Deichtorhallen Hamburg und die Bundeskunsthalle in Bonn. Heute ist er Professor für Kunst und Öffentlichkeit an der Kunstakademie Düsseldorf.

Catherine Millot
Ein Leben mit Lacan
Aus dem Französischen von Richard Steurer-Boulard
120 S., br., €15,90
978-3-7092-0262-3
Catherine Millot ist um die dreißig, als sie den siebzigjährigen Lacan kennen und lieben lernt. Von Anfang an ist ihre Beziehung von Reisen geprägt: nach Rom, Venedig, Barcelona, Budapest, Beirut, Tirana, London, zu den Kongressen und Vorträgen Lacans. Er hetzt durch sämtliche Museen und Kirchen, Auto fährt er nur mit Höchstgeschwindigkeit, er missachtet rote Ampeln und überholt am Pannenstreifen die im Stau steckenden Autos. Beim Skifahren gibt es nur Schussfahrten. Er geht nur in Restaurants, in denen man ihn kennt und nicht warten lässt. Millot fasziniert vor allem die Intensität, die die Persönlichkeit Lacans auszeichnet, sein Begehren, das sich direkt zu äußern scheint und sofortige Erfüllung verlangt, aber auch die äußerste Konzentration, zu der er fähig ist und die zu stundenlanger Bewegungslosigkeit beim Arbeiten führt. Millot zeigt uns den späten Lacan in intimen und alltäglichen Lebenslagen, in seinem Landhaus beispielsweise, wo Courbets Ursprung der Welt im Atelier an der Wand hängt, wo er bei jedem Wetter täglich im Pool schwimmt und endlos mit dem Borromäischen Knoten spielt, der die Verschlungenheit von Imaginärem, Symbolischem und Realem versinnbildlicht.

Jacques Derrida
Das Tier und der Souverän II
Seminar 2002-2003
456 S., br., € 58,00
978-3-7092-0227-2
Der Band umfasst das zweite Studienjahr des Seminars Das Tier und der Souverän, Derridas letztes Seminar (von Herbst 2001 bis Frühjahr 2003 an der Ècole des Hautes Ètudes en Sciences Sociales in Paris). Strukturiert wird es in so origineller wie fruchtbarer Weise durch „zwei miteinander verbundene, bald parallele, bald sich überkreuzende Lektüren": Gleichsam im Kreuzverhör zwischen Daniel Defoes Roman Robinson Crusoe (1719) und Heideggers Vorlesung Die Grundbegriffe der Metaphysik (1929-1930)entwickelt Derrida seine Gedanken zur „Souveränität".
Neben einem Durchgang durch diverse historische Lektüren des Robinson Crusoe (von Rousseau, Kant, Marx, Joyce, Woolf, Lacan, Deleuze u. a.) stehen minutiöse Untersuchungen im Fokus - zu so heterogenen Begriffen wie „Einsamkeit", „Insel", „Welt", „Kreis /Zirkel, „Ding", „Gebet", aber auch zum „Phantasma des Lebendig-Toten" oder zur „souveränen" Entscheidung zwischen Erd- und Feuerbestattung. Derridas Überlegungen zur „Souveränität" knüpfen dabei an Heideggers Gebrauch des Wortes „Walten" an, das in all seiner „Unübersetzbarkeit" reflektiert und mit der Frage nach dem „Eigenen des Menschen" und dem Tier verbunden wird. Das Tier und der Souverän I (2001-2002) (978-3-7092-0134-3)


Josef Alkatout
Die Stille, die du ließt
180 S., br., € 22,00
978-3-7092-0010-0
Augen auf und durch. Ein Roman aus dem Argentinien der Militärdiktatur über Glück und Begegnung, Leidenschaft und Unverständnis, Liebe und Trauer, die sich abwechseln, jagen und auf tragische Weise zueinander finden. Die skrupellose Junta im Buenos Aires der 1970er Jahre hinterlässt nach tausendfachem Morden und Verschwindenlassen ein wirtschaftlich ausgeblutetes Land sowie eine desillusionierte Generation junger Menschen. Haroldo und seine Schwester Marisol bemühen sich, mithilfe einer stillen Übereinkunft zum Alltag zurückzufinden. Die Vergangenheit hängt unaufgearbeitet über ihnen und zeichnet sichtbar das Miteinander der jungen Erwachsenen. Erst durch die Begegnung mit der finnischen Fotografin Hulda wird alles anders: Die Geschwister versuchen zwar, das grausame Geschehen auszublenden, aber als die trügerische Idylle aufzuweichen beginnt, bahnt sich ein Kampf gegen die Wahrheit an, der erst zu Ende ist, als Hulda eine unheimliche Entdeckung macht.

Islamische Feminismen
Herausgegeben von Zahra Ali
2., durchgesehene Auflage
218 S., br., € 22,50
978-3-7092-0263-0
Was in diesem Buch gezeigt wird, ist auserhalb der islamischen Welt kaum bekannt: dass auch in Landern, deren vorherrschende Religion der Islam ist, glaubige Frauen fur Gleichberechtigung kampfen, ihre heiligen Schriften gegen das Patriarchat wenden und sich gegen politische und religiose Autoritaten erheben, die die Rechte der Frauen zu beschranken versuchen. Von Ägypten bis in den Iran, von Marokko bis nach Syrien, in Frankreich, den USA und in Malaysia engagieren sich Forscherinnen, Intellektuelle und Aktivistinnen für einen feministischen Ansatz im Rahmen der muslimischen Theologie. Zahra Ali macht ihre Stimmen horbar und eroffnet auf dieses Weise zugleich eine Moglichkeit, den hegemonialen Feminismus zu entkolonialisieren.


Fotini Ladaki
Zeus' Avatare
96 S., br., € 11,90
978-3-7092-0206-7
Das Phrontisterionist als schulisches Parallelsystem Griechenlands Zauberwort und Fluch zugleich geworden. Als Symbol und Platzhalter für den fehlenden Souverän hat es sich in das politische und soziale Leben eingeschlichen und dort als geisterhafter Avatar der Macht installiert.Haben die Souveräne Griechenlands Angst davor, ermordet und erschlagen zu werden, wie Freud in seinem Werk Totem und Tabu geschildert hat? Stellen sie deswegen mit dem Phrontisterioneinen Avatar als Repräsentanten der symbolischen Ordnung an ihre Stelle und an die des Anderen? In Form dieses Avatars rückt der Souverän gleichsam wie ein Geist seinen Mitmenschen, den Wählern, auf den Pelz. Damit kommt es zu einer Verschmelzung und Aufhebung von Differenzen, und die symbolische Ordnung gerät in Gefahr. Könnte sich auch die Ödipus­Sage gar nicht in Griechenland zu­getragen haben, sondern in Ägypten, wie Immanuel Velikovsky in seinem Werk Ödipus und Echnatonbehauptet? Immerhin hat es in Griechenland nie eine Sphinx gegeben, sondern nur Satyrn mit falschen  Lyren.  Schließlich  kommt  auch  noch  der  hundsköpfige Christophorus aus der orthodoxen Ikonographie ins Spiel, der Jesus in sich und nicht auf sich trägt. Er soll als Assoziation für einen Satz von J. Lacan – „Das sprechende Wesen ist ein krankes Tier“ – herhalten und für die Macht der Sprache als Logos plädieren: sie kann vernichten und zum Märtyrer machen. Fotini Ladaki, geboren 1952 in Griechenland, ist Psychoanalytikerin und freie Autorin.

Tore Langholz
Das Problem des "immer schon" in Derridas Schriftphilosophie
288 S., Br., € 32,00
978-3-7092-0232-6
Das Buch richtet den Blick auf die zahllosen immer schon in Derridas Grammatologie. Dadurch wird die Strategie der Schrifttheorie ihrer eigenen Initialisierung unterstellt. Auf dem vom immer schon abgesteckten Zickzackparcours durch die abendländische Metaphysikgeschichte wird das Kalkül der grammatologischen Begründungspraxis gegen sich selbst in Stellung gebracht. Das Experiment ist riskant, verführt das immer schon doch zu einem Vergleich der grammatologischen Ursprungsgenese mit jener in der jüdischen Schrifttradition. Eine beiläufige Bemerkung Derridas über Moses Mendelssohn ermöglicht das Auslesen einer Spur, die hinter die Grenzposten der griechischen Philosophie führt. Dabei treten bemerkenswerte Analogien zwischen dem Schriftbegriff Derridas und in dem jüdischen Schrifttradition hervor: das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie die in dieser Relation zum Tragen kommende Vorstellung einer Schrift, die älter ist als die Schrift selbst - einer Schrift.

Alain Badiou
Auf der Suche nach dem verlorenen Realen
72 S., br., € 9,90
978-3-7092-0222-7
Die Behauptung unumgänglicher ökonomischer Zwänge ist in unserer kapitalistischen Wirklichkeit allgegenwärtig, konstatiert Alain Badiou. Er bricht auf zu einer Suche nach dem emanzipativen Potenzial dieses Realen, das er auf drei unterschiedlichen und einander ergänzenden Denkwegen, für die die Namen Molière, Lacan und Pasolini stehen, umkreist. Auf seiner Suche begleiten Badiou drei prominente Denker: Molière als „Eingebildeter Kranker“ zeigt ihm die Dialektik von Schein und Wirklichkeit sowie die Querverbindungen zwischen Theater und Demokratie. Jacques Lacan wird, ausgehend von seiner Definition des Realen als „Unweg der Formalisierung“, nach dem Verhältnis von Mathematik und Politik befragt. Schließlich macht Badiou sich Pier Paolo Pasolini mit dessen Gedicht „Gramscis Asche“ zum Komplizen, indem er den Begriff des Realen mit dem der Geschichte verknüpft, um – gegen das proklamierte „Ende der Geschichte“ – die Möglichkeit eines „Realen der Geschichte“ und damit einer emanzipativen Bewegung auszuloten. Alain Badiou, geboren 1937 in Rabat, Marokko, lebt als Philosoph, Mathematiker und Romancier in Paris 

Alain Badiou, Marcel Gauchet
Was tun?
Dialog über den Kommunismus, den Kapitalismus und die Zukunft der Demokratie
168 S., br.,  € 19,80
978-3-7092-0223-4
In einem spannenden Dialog treffen Alain Badiou, Galionsfigur der radikalen Linken und Hauptverteidiger der kommunistischen Idee, und Marcel Gauchet, eminenter Vertreter des Antitotalitarismus und Verteidiger der liberalen Demokratie, aufeinander, um über Kommunismus, Kapitalismus und die Zukunft der Demokratie zu streiten.
Man dachte, dass der Kommunismus mit dem Fall der Berliner Mauer definitiv zusammengebrochen sei und dass die liberale Demokratie das Spiel gewonnen habe. Mit der beispiellosen Krise, die wir durchmachen, ordnet sich nun das Feld der Möglichkeiten neu an. Ist die Demokratie unrettbar vom Kapitalismus gefangen oder kann sie sich neu erfinden, um Antworten auf die Herausforderungen der Globalisierung zu formulieren? In dem vorliegenden, bisher unveröffentlichten Dialog diskutieren Alain Badiou, einer der wichtigsten Vertreter der radikalen Linken und Hauptverteidiger der Idee des Kommunismus, und Marcel Gauchet, Kämpfer für eine liberale Demokratie, über ihre verschiedenen Gesellschaftsentwürfe. Gemeinsam ziehen sie Bilanz aus der Geschichte und konfrontieren ihre jeweiligen Projekte: einerseits die Erneuerung der „kommunistischen Hypothese“, andererseits die tiefgreifende Reform eines in Frage gestellten demokratischen Modells. Alain Badiou, geboren 1937 in Rabat, Marokko, lebt als Philosoph, Mathematiker und Romancier in Paris. Marcel Gauchet, geboren 1946 in Poilley, Frankreich, ist Philosoph, Historiker und Studienleiter an der École des Hautes Études en Social Sciences


Jean-Luc Nancy, Adèle Van Reeth
Lust
112 S., br., € 14,90
978-3-7092-0234-0
Genießen und Lust haben eine Geschichte. Doch entweder wurde versucht, beides im Namen einer höheren Moral zu verdammen, oder sie wurden, wie im Mai 68, zum Programm erhoben: „Grenzenlos genießen!“ Diese Schrift ist eine philosophische Entdeckung der Lust – ein Begriff, dessen Bedeutung weit über die Sphäre des Sexuellen hinausreicht. Das Streben nach Lust ist eine wichtige Antriebsfeder – sowohl für jeden Einzelnen als auch für die Gesellschaft insgesamt –, und es taucht oft als Topos bei Philosophen, Schriftstellern und Künstlern auf, häufig jedoch, ohne beim Namen genannt zu werden. Worum handelt es sich? Dieses Buch ist weder ein praktischer Ratgeber, wie der Leser besser genießen könne, noch beschränkt es sich auf die ernüchternde Feststellung, dass wir in einer Gesellschaft leben, für die Genießen und Lust gleichbedeutend mit einem Maximum an Gütern und Vergnügungen sind. Der Leser hat vielmehr die Gelegenheit, in die fesselnde Erläuterung einer schwer zu beschreibenden Erfahrung einzutauchen, die zahlreiche spannende philosophische Fragen aufwirft. Jean-Luc Nancy, geboren 1940 in Caudéran, ist emeritierter Professor für Philosophie der Université Marc Bloch in Straßburg. Er hält Gastprofessuren in Berkeley, Berlin, Irvine und San Diego.
Dieses Buch ist das Buch zur Revolution der ökonomischen Rechte - eine Abrechnung mit einem System ohne Zukunft.

Das Kapitalismustribunal ermittelt, was in der Ökonomie nie wieder geschehen darf:

Das Kapitalismustribunal
Zur Revolution der ökonomischen Rechte (Das rote Buch)
Herausgegeben von Haus Bartleby, Anselm Lenz, Alix Fassmann, Hendrik Sodenkamp
160 S., br., € 18,10
978-3-7092-0220-3
Texte von Alain Badiou, Hans-Christian Dany, Lili Fuhr, Ingrid Gilcher-Holtey, David Graeber, Alon Harel, Kira Kirsch, Louis Klein, Ángela Lambea, Volker Lösch, Graeme Maxton, Achille Mbembe, Wolfgang Neskovic, Guillaume Paoli, Angela Richter, Saskia Sassen, Nis-Momme Stockmann, Ilija Trojanow u.a.

Das Kapitalismustribunal konstituiert ein ziviles Gerichtsverfahren über die mutmaßlichen Verbrechen des ökonomischen Systems in Europa und dessen Protagonisten. Die Entwickler und Organisateure sind die Herausgeber vom Berliner "Haus Bartleby". In ihren Originalbeiträgen stellen Teilnehmer und Unterstützer der Wiener Prozesse des Kapitalismustribunal die Disparität von geltendem Recht und der ökonomischen Gegenwart zur Disposition. Dieser Band leistet rechtshistorische, kulturwissenschaftliche und literarische Grundlagenarbeit für den Gedanken der Revolution der ökonomischen Rechte des Menschen. Er bereitet den Durchbruch in die Gestaltbarkeit von Gesetzen und Ökonomie durch die Menschen selbst vor. Dieses Buch kann als epochemachender Ausgangspunkt dieses Prozesses gelesen werden. Das "Haus Bartleby" gründete sich im Jahr 2014 als Zusammenschluss von Akademikern, Arbeitern, Technikern und Autorinnen im "Zentrum für Karriereverweigerung" in Berlin, um als Lobby, Think Tank und Loge an einem neuen Verständnis von Arbeit zu forschen. 2015 erschien ihre erste Anthologie "Sag alles ab!" in der Edition Nautilus, Hamburg. Das Kapitalismustribunal ist ein Projekt des Berliner Haus Bartleby e. V. in Koproduktion mit brut Wien und WERK X und mit Unterstützung u. a. des Club of Rome, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Video: Opening Ceremony am 1. Mai 2016


Slavoj Žižek
Die Metastasen des Genießens
3., durchgesehene Auflage
232 S., Br., € 26,00
 978-3-7092-0238-8
In Auseinandersetzung unter anderem mit den Filmen David Lynchs und unter ständigem Rückgriff auf die Psychoanalyse Lacans spürt Slavoj Žižek den Mechanismen nach, die das Politische und das Erotische unter der Oberfläche ihrer vermeintlichen Gegensätzlichkeit untrennbar miteinander verknüpfen. Žižek verbindet in seiner Analyse die erotische Kategorie des Genießens mit der politischen Kategorie der Gewalt und folgt den Spuren der traumatischen Konflikterfahrung des Genießens vor dem Hintergrund der von Freud attestierten „allgemeinen Erniedrigung des Liebeslebens“. Dabei wird unter anderem deutlich, dass die körperliche Realität politischer Gewalt eines phantasmatischen Hintergrunds bedarf, um wirksam sein zu können, und dass das öffentliche Gesetz der bürgerlichen Gesellschaft auf dem obszö- nen Genießen des Über-Ich und seinen unerfüllbaren Forderungen ruht. In den Metastasen des Genießens stößt der Leser auf Thesen Žižeks, die sich wie ein roter Faden durch sein Gesamtwerk ziehen, gleichsam an ihrem Ursprungsort. Slavoj Žižek, geboren 1949 in Ljubljana, ist Philosoph und Psychoanalytiker.

Jean Baudrillard
Das Andere selbst
3., durchgesehene Auflage
88 S., br., € 11,90
978-3-7092-0224-1
In diesem Schlüsselwerk, das die zentralen Thesen seiner Bücher durchmisst, sie korrigiert und wiederbelebt, versetzt sich Jean Baudrillard in die Position eines imaginären Reisenden, der seinen Schriften begegnet wie verschollenen Manuskripten und sich dabei bemüht, die Gesellschaft, die sie beschreiben, in Ermangelung beweiskräftiger Dokumente, wiederauferstehen zu lassen. Diese Schrift gibt einen retrospektiv aufgenommenen Überblick über das Werk Jean Baudrillards und umreißt dabei zentrale Begriffe wie Simulation, Verführung, Transparenz und Obszönität. Seine Sprache verführt die Dinge, reißt sie in den Strudel einer rauschhaften Bewegung, um zu verhindern, dass sie unter der Hülle eines verhärteten Sinns erstarren. Damit simuliert seine Theorie bewusst die Strategien einer Welt der beschleunigten Kommunikation, welche angesichts der obszönen Präsenz der Bilder und der totalen Information zunehmend verödet. In dieser Situation kann adäquate Theorie keine Sinnbildung sein, sondern nur eine „Herausforderung an das Reale“, ein „Blitzstrahl der Verführung, der die polaren Sinnkreisläufe zum Aufschmelzen bringt“. Jean Baudrillard (1929–2007) war Professor für Soziologie an der Universität Paris-Nanterre. 


Mihály Vajda
Meine Gespenster
Biografisch-philosophische Essays zur Zeitgeschichte
Mit einem Vorwort von Péter Esterházy
352 S. Br., € 39,90
978-3-7092-0184-8
Das Leben des ungarischen Philosophen Mihály Vajda, einem direkten Schüler von Georg Lukács, gleicht einer Fahrt in der Gespensterbahn der politischen Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. Als jüdisches Kind entging er nur knapp der Ermordung durch die faschistischen Pfeilkreuzler in Budapest. Der Repression durch den sozialistischen Staat in Ungarn folgten die Anfeindungen durch das Orban­Regime. In 18 philosophischen Essays lässt Vajda die Gespenster seiner Biografie Revue passieren, die auch die Traumata unserer kollektiven Geschichte sind. Für Vajda muss Philosophie daher mit der individuellen Geschichte und der persönlichen Erfahrung verschränkt sein, wenn sie sich nicht in akademischen Debatten verlieren und gesellschaftlich irrelevant werden will. Mihály Vajda, 1935 in Budapest geboren, zählteEnde der 1950er­Jahre zum engen Kreis um Georg Lukács und erhielt in den 1970er­Jahren als ideologischer Abweichler  Unterrichts­ und  Publikationsverbot.  Nach Gastprofessuren in Deutschland und an der New School for Social Research in New York wird Vajda 1989 offiziell rehabilitiert und später in die ungarische Akademie der Wissenschaften aufgenommen und war Professor für Philosophie an der Universität Debrecen.


Alain Badiou
Philosophie des wahren Glücks
104 S., br., € 13,90
978-3-7092-0200-5
Alain Badiou hat die heute seltene Fähigkeit, Grundbegriffe unseres Lebens wie Liebe oder Glück auf hohem philosophischen Niveau, aber trotzdem verständlich und zeitgemäß zu erklären. Nach seinem Lob der Liebe, das zum philosophischen Bestseller wurde, folgt jetzt sein Buch Philosophie des wahren Glücks. Die Faszination Badious liegt in seinem philosophisch begründeten Weltbild, mit dem er für viele Menschen Orientierung in einer zunehmend unübersichtlichen Realität bietet. Wie die Liebe erklärt Badiou auch das Glück im Rahmen seines kohärenten Weltbildes als Subjektwerdung des Individuums: Die philosophische Grundfrage nach dem Glück ist durch den kapitalistischen Imperativ des Konsums und dessen gesellschaftliche Realität, die Selbstgenügsamkeit, ausgeblendet worden. Einer Metaphysik bleibt dadurch der Weg versperrt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, zeichnet Badiou die Subjektivierung als wesentlichen Prozess der Rekonstruktion einer Kategorie des Absoluten in vier Bereichen nach: die politische Emanzipation, die künstlerische Kreation, die wissenschaftliche Invention und die Alteration in der Liebe. Es geht Badiou um eine Teilhabe des Individuums am Absoluten (an den Wahrheiten), mithin um das Glück jedes Einzelnen.


Alain Badiou, Slavoj Žižek
Philosophie und Aktualität
Ein Streitgespräch
3., durchgesehene Auflage
104 S., Br., € 14,90
978-3-7092-0201-2
In seinem Buch Philosophie und Aktualität, der überarbeiten Neuauflage seines berühmten Streitgesprächs mit Slavoj Žižek, verteidigt Alain Badiou seinen Ansatz, dass Philosophie im Namen aller sprechen und Orientierung bieten soll. Slavoj Žižek vertritt dagegen die Auffassung, dass Philosophie in Streitfragen unserer Zeit keine Orientierung bieten, sondern nur Fragen neu stellen kann. Eine spannende Grundsatzdebatte der kontroversesten Philosophen der Gegenwart. Alain Badiou, geboren 1937 in Rabat, Marokko, lebt als Philosoph, Mathematiker und Romancier in Paris. Slavoj Žižek, geboren 1949 in Ljubljana, ist Philosoph und Psychoanalytiker.

Jacques Rancière
Politik und Ästhetik
Im Gespräch mit Peter Engelmann
112 S., br., € 14,90
978-3-7092-0142-8
In  dem neuen Band unserer der erfolgreichen Reihe Passagen Gespräche skizziert Jacques Rancière, der die heutige Sicht auf Politik und Ästhetik maßgeblich geprägt hat, die Stationen seiner intellektuellen Biografie und entfaltet die zentralen Begriffe seines Denkens. Für das Verständnis seines Denkens ein unverzichtbares Buch: Ausgehend von seinem Bruch mit dem strukturalistischen Marxismus skizziert Rancière die Entwicklung seines Denkens: Von seinen frühen Studien zur Arbeiteremanzipation bis hin zu seinen jüngeren Untersuchungen zu Literatur, Film und bildender Kunst wird dabei die  durchgängige Verbindung  von  ästhetischen  und  politischen Fragestellungen in seinem Schaffen sichtbar. Gegen die von ihm diagnostizierte Konstruktion eines gesellschaftlichen Konsenses bringt er das Politische als Dissens, als Störung der etablierten Aufteilung des Sinnlichen, in Stellung. Dabei beharrt er in Abgrenzung zu Althusserund Bourdieu auf der egalitären Dimension der ästhetischen Erfahrung und versteht seine Bestimmung der Ästhetik als „Regime der Erfahrung“ als Revision der etablierten kunstgeschichtlichen Epochenbildung und Kritik am modernistischen Dogma. Abschließend wird mit Blick auf aktuelle soziale Bewegungen und Kunstpraktiken nach deren kritischen Potenzial gefragt und eine mögliche Annäherung künstlerischer und politischer Strategien thematisiert. Jacques Rancière, geboren 1940, lehrte zwischen 1969 und 2000 Philosophie und Kunsttheorie an der Universität Paris VIII.


Jacques Rancière
Das Unbehagen in der Ästhetik
3., überarbeitete Auflage.
160 S., br., € 19,90
978-3-7092-0207-4
Damit es Kunst gibt, genügt es nicht, dass es Maler oder Musiker, Tänzer oder Schauspieler gibt. Damit es ästhetisches Empfinden gibt, genügt es nicht, dass wir Vergnügen daran finden, sie zu sehen oder zu hören. Damit es Kunst gibt, braucht es einen Blick und ein Denken, die sie identifizieren. Ästhetik ist der Name eines spezifischen Regimes der Identifizierung von Kunst.Man klagte gestern die Ästhetik an, die kulturellen Spiele der gesellschaftlichen Unterscheidung zu verdecken. Man möchte heute die künstlerischen Praktiken von ihrem parasitären Diskurs befreien. Aber die Ästhetik ist kein Diskurs, sie ist ein historisches Regime der Identifizierung von Kunst. Dieses Regime ist paradox, denn es begründet einerseits die Autonomie der Kunst und löst andererseits ihre Grenzen zu den Gegenständen des gewöhnlichen Lebens auf. In dieser unaufgelösten Spannung von zwei Politiken ist die Ästhetik nicht zufällig politisch, sondern ihrem Wesen nach. Die Aufarbeitung dieser konstitutiven Spannung erlaubt zu verstehen, wie die Aufrufe, die Kunst von der Ästhetik zu befreien, heute dazu führen, sie mitsamt der Politik in ethischer Ununterschiedenheit zu ertränken.

Jacques Derrida, Hans­Georg Gadamer, Philippe Lacoue­Labarthe
Das Kolloquium von Heidelberg
Heidegger: Philosophische und politische Tragweite seines Denkens
160 S., br., € 19,90
978-3-7092-0203-6
Das Kolloquium von Heidelbergbeschäftigt sich lange vor dem Erscheinen der „Schwarzen Hefte“ mit den Konsequenzen von Heideggers Verstrickung in den Nationalsozialismus für die Deutung seines philosophischen Werkes. Diese weiterhin heftig umstrittene Frage wird von drei der besten Heidegger­Exegeten  jenseits vereinfachender Polemik differenziert und facettenreich ausgeleuchtet.Am 5. und 6. Februar 1988 fand in der Universität von Heidelberg das Kolloquium „Heidegger: Portée philosophique et politique de sa pensée“ statt. Im selben Hörsaal, in dem Heidegger 1933 seine „Rede über die Universität im neuen Reich“ gehalten hatte, sprachen Lacoue­Labarthe, Derrida und Gadamer Die aus dem Stegreif gehaltenen Beiträge stießen auf großes Publikumsinteresse und fanden ein breites Echo, nicht zuletzt, weil Derrida und Gadamer nach ihrer Begegnung im Jahr 1981 in Paris erstmals wieder das öffentliche Gespräch aufnahmen. Außerdem war kurz zuvor in Frankreich Víctor Farías’ vieldiskutiertes Buch über Heideggers Verstrickungen in das NS­Regime erschienen. Die Frage wird von den drei Philosophen differenziert und facettenreich ausgeleuchtet. Jacques Derrida (1930–2004) lehrte Philosophie in Paris und den USA.  Hans­Georg  Gadamer  (1900–2002)  lehrte  Philosophie  in Leipzig  und  Heidelberg. Philippe  Lacoue­Labarthe  (1940–2007) lehrte Philosophie in Straßburg.


Paul Virilio
Die Verwaltung der Angst
2. überarbeitete Auflage
96 S. Br., € 12,90
978-3-7092-0209-8
Klimachaos, Börsenpanik, Wirtschaftskrise, Terrorismus... Die stetig wachsende Zahl der Bedrohungen, denen wir heute ausgesetzt sind, veranlasst Paul Virilio zu Überlegungen über das Phänomen der Angst, ihre mediale Verbreitung und politische Instrumentalisierung in einer globalisierten, unablässig beschleunigten Realität. Im Gespräch mit dem Herausgeber und Journalisten Bertrand Richard zeichnet Virilio das Porträt einer „unbewohnbar gewordenen Welt“. In dieser erscheint die Angst als unvermeidliche Kehrseite der Fortschrittspropaganda, weil die Politik neuerdings von globaler statt von individueller Sicherheit spricht und damit sukzessive die Gesellschaft unterminiert. Paul Virilio liefert eine umfassende Analyse der politischen, medialen, aber auch philosophischen Implikationen der allgegenwärtigen Angst, die von den Mächtigen verbreitet, orchestriert und verwaltet wird. Einmal mehr warnt er davor, schreckensstarr und tatenlos den Ereignissen zuzusehen und ruft zum Bruch mit der „Echtzeit“ auf, damit die Diversität, jene des Lebens, der Orte, aber auch jene der Zeit, fortlebt. Paul Virilio wurde 1932 in Paris geboren. Er begründete die École Spéciale d’Architecture und lebt heute als Architekt, Stadtplaner und Schriftsteller in La Rochelle.

Anne-Béatrice Clasmann
Der arabische (Alb-)Traum
Aufstand ohne Ziel
300 S., Br., € 29,90
978-3-7092-0173-2
Weshalb sind die meisten Revolutionsbewegungen des Arabischen Frühlings gescheitert? Wie schädlich ist der Einfluss von Regionalmächten wie Saudi-Arabien und Iran? Und was droht, wenn Staaten in Nahost und Nordafrika über Jahre instabil bleiben oder gar zerfallen? Den Demonstranten und Aufständischen, die 2011 in mehreren arabischen Staaten an den Grundfesten der alten Ordnung rüttelten, fehlte eine gemeinsame Vision. Das rächt sich bitter. In der Mehrzahl der arabischen Umbruchstaaten ist die Situation heute noch finsterer als der Status quo ante. Statt staatlicher Unterdrückung herrschen nun Krieg und Terror. Anne-Béatrice Clasmann zeigt auf, wie die Missachtung der Menschenrechte und die bildungsfeindliche politische Kultur der alten Regimes bis heute nachwirken. Anne-Béatrice Clasmann, geboren 1968 in Köln, beschäftigt sich seit ihrem Studium mit arabischer Politik. Sie hat viele Jahre als Journalistin in Kairo und Istanbul gelebt und gearbeitet.

Nina Scholz, Heiko Heinisch
Charlie versus Mohammed
Plädoyer für die Meinungsfreiheit
96 S. Br., € 12,90
978-3-7092-0192-3
Mit einer aktuellen Version totalitären Denkens und seiner Folgen befassen sich Nina Scholz und Heiko Heinisch in Charlie versus Mohammed, ihrem neuen Buch in der Reihe Passagen Thema. Anlässlich des Anschlags auf das Satiremagazin Charlie Hebdound der darauffolgenden Diskussionen, wie weit Satire gehen dürfe, entwickelt das Buch ein leidenschaftliches Plädoyer für die Meinungsfreiheit als einer unverzichtbaren, nicht verhandelbaren Grundlage unserer offenen Gesellschaft. Nina Scholz studierte Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Heiko Heinisch studierte Geschichte an der Universität Wien. Beide forschten und publizierten zu den Themen Nationalsozialismus und Antisemitismus.

Jacques Derrida
Geschichte der Lüge
Prolegomenon
Aus dem Franzöischen von Noe Tessmann
104 S., Br., € 11,90
978-3-7092-0175-6
Anhand der Möglichkeit der Selbstlüge oder Selbsttäuschung dekonstruiert Jacques Derrida in diesem Buch die Unterscheidung zwischen Lüge und Irrtum, wie sie in den großen Texten der metaphysischen Tradition (Platon, Augustinus und andere) getroffen wurde. Ein einheitlicher und zuverlässiger Begriff der Lüge, der sich durch unsere sogenannte abendländische (jüdisch, griechisch, römisch, christlich, islamisch geprägte) Tradition zieht, müsste nicht nur einer theoretischen Historizität Rechnung tragen, um ihn von anderen Begriffen in anderen Geschichten und Kulturen zu unterscheiden. Auch die Annahme einer praktischen, sozialen, politischen, rechtlichen und technischen Historizität, die ihn umgeformt und sogar Brüche im Inneren unserer Tradition verursacht hat, gilt es zu untersuchen. Derrida geht der Frage nach, ob man überhaupt zwischen einer Historie des Begriffs der Lüge, einer Geschichte der Lüge – also aller Ereignisse, die der Lüge widerfahren oder aufgrund der Lüge passiert sind – und einer wahren Geschichte, welche die Erzählung (Historie, historia rerum gestarum) dieser Lügen oder der Lüge im Allgemeinen strukturiert, unterscheiden kann. Er fragt, wie man eine Geschichte der Lüge erzählen kann, ohne selbst zu lügen.


Slavoj Žižek
Ein Plädoyer für die Intoleranz
6. Auflage
104 S., br., € 15,00
978-3-7092-0188-6
Die Medien bombardieren uns mit der Idee, dass die größte Gefahr heutzutage der intolerante (ethnische, religiöse, sexistische...) Fundamentalismus ist, der sich nur durch eine konsequente Haltung bekämpfen lässt.
Aber: Ist diese Idee so selbstverständlich? Ist die vorherrschende Form der multikulturellen Toleranz nicht viel weniger unschuldig, als sie zu sein scheint? Immerhin lässt sie die Entpolitisierung der Ökonomie zu. Diesem Multikulturalismus liegt die Überzeugung zugrunde, dass wir in einer post-ideologischen Welt leben, die Gegensätze zwischen Links und Rechts überwunden und die wichtigsten Auseinandersetzungen jene um die Anerkennung der verschiedenen Lebenskonzepte sind. Ein zweites Aber: Könnte man nicht diese Idee als die Ideologie des aktuellen globalen Kapitalismus bezeichnen? Was nun? Was wir heute brauchen, zeigt Žižek, ist eine starke Dosis Intoleranz – und zwar gerade im Hinblick auf die eigentlich politische Landschaft der Opposition. Vielleicht ist es nötig, die multikulturelle Haltung von Links zu kritisieren und für eine neue Politisierung des Ökonomischen zu plädieren. Slavoj Žižek, geboren 1949 in Ljubljana, ist Philosoph und Psychoanalytiker.



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